Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein
   
 

 

Fremdenführer durch die Musik des Barocks
Das „Cicerone Ensemble“ begeisterte beim Auftaktkonzert der Brahms-Gesellschaft

Eine gute Konzertreihe beruht auf der Lust der Organisatoren, Neues zu entdecken und zu präsentieren. Spannende programmatische Vielfalt mit hoher künstlerischer Qualität sind deswegen ein Markenzeichen der Veranstaltungen der Brahms-Gesellschaft, die am Sonntag ihr Auftaktkonzert der Herbst/Wintersaison feierte. Im barocken Ambiente der gut besuchten St. Jürgen Kirche kamen beim Programm des „Cicerone Ensemble“ vor allem Freunde der Musik des 18. Jahrhunderts auf ihre Kosten.

Cicerone EnsembleZiel des 2014 gegründeten Trios ist es, die Pracht und Daseinsfreude der Barockmusik auf Nachbauten historischer Instrumenten zu neuem Leben zu erwecken ist das. Für die drei Studenten der Folkwang Universität reicht es jedoch nicht aus, Musik lediglich zu spielen, sondern sie wollen sie so präsentieren, wie ein Reiseleiter ein altes Gemälde oder Gebäude erklären würde: mit Informationen zu Werken, Komponisten und Instrumenten. So ist auch der Name des Ensembles entstanden: Cicerone bedeutet Fremdenführer.
Schon in Jean-Baptise Barrières „Sonate d-moll“ gelang es Thomas Wormitt (Traversflöte), Adrian Cygan (Barockcello) und Andreas Gilger (Cembalo) in besonderer Weise, die barocktypischen Kontrastbildungen zwischen Lebensbejahung und Melancholie musikalisch umzusetzen und die Zuhörer daran teilhaben zu lassen. Der französische Komponist Barrière war der wohl virtuoseste Cellist seiner Zeit und hatte auch in Italien studiert und gewirkt. Die Erregung, das emotionell Unberechenbare des italienischen Stils kam in der Interpretation des „Cicerone Ensembles“ deutlich zum Ausdruck. Auch Georg Friedrich Händel war bereits als 21jähriger nach Italien gereist und hatte dort den Komponisten und Violinvirtuosen Arcangelo Corelli kennengelernt. Kein Wunder, dass Händels „Sonate G-Dur“ Spuren des Superstars des musikalischen Barocks trägt; die drei Musiker erweckten das Werk - besonders in den beiden abschließenden Tanzsätzen - mit federnder Eleganz und musikalisch springlebendiger Leichtigkeit zum Leben. Die ganze Bandbreite musikalischer Ideenvielfalt und barocker Gestaltungsmittel kam auch in der anschließenden Telemann-Sonate zum Ausdruck. Dass sie auch in kleinerer Besetzung überzeugen, bewiesen die jungen Instrumentalisten als Duo in Francesco Geminianis „Sonate für Cello und Basso continuo“ sowie in Johann Christian Bachs „Sonate A-Dur für Flöte und Cembalo“ mit Stilsicherheit und Leidenschaft.

Zum Schluss gab es mit Johan Helmich Roman, dem „schwedischen Händel“, und Johann Joachim Quantz, dem Flötenlehrer Friedrich des Großen, Unbekanntes zu entdecken. Schnell wurde auch hier deutlich, wie sehr das „Cicerone Ensemble“ in der Klangwelt des Barocks beheimatet ist und wie souverän die Kommunikation auf der Bühne vonstatten geht: Ein leichtes Nicken, ein kurzer Blick reichten aus, um punktgenaues Innehalten ebenso wie gemeinsamen Spannungsaufbau vor Kadenzen und filigrane Verzierungsmuster umzusetzen. Das Ergebnis ist Musik von vollkommener Klarheit, aber voll der Affekte, welche die Musik der Barockzeit so einzigartig machen. (Text/Foto: Guballa)


Lange Nacht der Tastenkunst
Virtuose Sommer-Klaviernacht beendet Brahms-Wochen 2016

Mit imponierender pianistischer Brillanz und nahezu schwindelerregender Virtuosität wurden am Samstag mit der Sommer-Klaviernacht die Brahms-Wochen 2016 beendet. Gewidmet sind die musikalisch-kulinarischen Sommerfeste in den Räumen der Nord-Ostsee Automobile den kurzen Charakterstücken der Klaviermusik und ihren Interpreten.

Francois-Xavier PoizatKlangbilder und Impressionen ferner Länder eröffnete François-Xavier Poizat in Claude Debussys „Estampes“ - eine Reise im Geiste und in der Fantasie des Komponisten. In „Pagodes“ schwor er Fernöstliches herauf, in „Soiree dans Grenade“ fing er pianistisch wunderbar das Kolorit der andalusischen Melodien ein und in „Jardins sous la pluie“ war das Prasseln des Regens herauszuhören. Der Pianist aus Genf mit chinesischer Abstammung spielte die zarten, geheimnisvollen Klänge, die rhythmische Vielschichtigkeit und betörende Monotonie der Komposition mit kristalliner Klarheit und fein nuanciert. Bei Johannes Brahms' schwermütigem Alterswerk, den „Intermezzi op. 117“, muss François-Xavier Poizat hingegen seine Jugendlichkeit und Leidenschaft noch etwas bändigen, um sich zu einem wahren Meister zu entwickeln. Hier hätten die „Paganini-Variationen“ seinem Temperament besser entsprochen. Dass er sich auf dem „richtigen“ Weg befindet, zeigte der 26-Jährige mit dem Scherzo aus Peter Tschaikowskys „Pathétique“, in dem er die gesamte Palette seiner Virtuosität kraftvoll entfalten konnte.

Aurelia Shimkus
In die ruhige Welt der Balladen entführte die 18jährige Aurelia Shimkus das Publikum nach der ersten Pause mit je zwei Charakterstücken von Johannes Brahms und Franz Liszt. Massiv, kraftvoll, leidenschaftlich, dann lyrisch und hochromantisch – die zierliche Lettin spielte hinreißend, zelebrierte jeden verträumten Ton und ließ die Zuhörer mit bemerkenswert ausgeprägter Technik und Musikalität aufhorchen.
Matthias KirschnereitNoch einen Schritt näher heran an die Kunst des intensiven Zuhörens führte der Klangpoet Matthias Kirschnereit, der das kraftvolle Finale des Abends einläutete. Der Mittfünfziger ist keiner, der die große Gebärde benötigt oder gar den Tastenlöwen gibt. Technisch über allen Zweifel erhaben, mit einem feinfühligen, präzise differenzierenden Anschlag, beeindruckte der Echo-Klassik-Preisträger zunächst
mit dem „Lied ohne Worte B-Dur op. 67/3“ und den „Variations sérieuses d-Moll op. 54“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Dabei verzichtete auf jene Sentimentalität, die gewöhnlich diesen kleinen Kabinettstückchen angedichtet wird, und stellte seine Virtuosität ganz in den Dienst der Musik. Die dritte Klaviersonate von Johannes Brahms beschäftigt Matthias Kirschnereit schon ein Leben lang. Ein Kosmos, der niemals endet: das sei für ihn die kontrollierte Gefühlswelt dieses Komponisten mit Dithmarscher Wurzeln, der zu seinen musikalischen Hausgöttern zählt. Mit poetischem Feingefühl interpretierte Kirschnereit das Nocturne-hafte „Andante espressivo“, bevor er das Publikum beim „Nocturne cis-Moll op. posth“ von Frédéric Chopin mit „leichterer“ Kost verwöhnte - Musikliebhabern bestens aus dem Film „Der Pianist“ bekannt. Zur Abrundung des Abend beschloß das halsbrecherische „Scherzo Nr.2 b-Moll“ die lange Nacht der virtuosen Tastenkunst, die rund 250 Besucher begeisterte. „Ein Höhepunkt des Dithmarscher Kulturlebens,“ waren sich Petra Stüber, Gaby Pastoors, Ada Viecens und Anke Ninke aus Lunden mit allen Anwesenden einig.


Grandioses Zusammenspiel
Thorsten Johanns und Moritz Eggert begeistern bei der Sonntags-Matinée zum Museumstag

Mit einer grandiosen Konzert-Matinée, einem Vortrag über die Freundschaft zwischen dem Komponisten Johannes Brahms und dem Heimatdichter Klaus Groth sowie der anschließenden Führung durch das vor kurzem wiedereröffnete Groth Museum wurde am Sonntagmorgen der Internationale Museumstag auf Lüttenheid begangen. Mit dieser „konzertiert-konzertanen“ Aktion machten die Veranstalter einmal mehr deutlich, mit welchem Pfund die Stadt Heide durch das Gebäudeensemble vom Groth Museum über die Museumsinsel bis zum Brahms Haus wuchern kann.

Thorsten Johanns (Klarinette) und Moritz Eggert (Klavier). Foto GuballaMit dem Klarinettisten Thorsten Johanns sowie dem Pianisten und Komponisten Moritz Eggert konnten im Rahmen der Brahmswochen zwei weltweit gefragte Musiker gewonnen werden, die in einem virtuosen Programm die ausgefallene Kombination ihrer Instrumente vorstellten und einen Einblick in die Geheimnisse dreier höchst unterschiedlicher Werke gewährten.
Die glänzend aufeinander eingespielten Künstler eröffneten mit dem romantischen „Grand Duo concertant“ von Carl Maria von Weber, der für das damals neue Instrument Klarinette ein Konzertstück komponiert hatte, das in seinem opernhaften Gestus fast einer Ouvertüre ähnelt. Dabei ging es im ersten Satz feurig schnell voran, das Andante sorgte für einen innerlichen, aber doch bewegten Ruhepunkt, bevor das Rondo eine brillante Pointe nach der anderen zündete und sich virtuos in alle spieltechnischen Finessen hineinsteigerte. Johanns meisterliche Tonbildung, Eggerts nuancenreicher Anschlag und beider absolut brilliante Phrasierung entfalteten sich dabei auf höchstem Niveau. Immer dann, wenn es nötig war, verschmolzen beide Instrumente zu einer Stimme und sonderten sich beizeiten wieder voneinander ab. Obwohl Alban Berg bis heute für viele Klassikfreunde schwerste Kost darstellt, sorgten seine fast schon experimentellen „Vier Stücke“ op. 5 für einen Moment atemraubender Spannung. Hochkonzentriert die Interpreten bei diesen fordernden Destillaten musikalischer Reflexion. Das Werk setzt die musikalische Entwicklung zur Neuzeit fort. Noch von der Spätromantik beeinflusst, ist der Einfluss der Neuen Musik eines Arnold Schönberg schon deutlich hörbar. Die Strenge der Musik brachte Eggert großartig zum Ausdruck, während die Klarinette Johanns hinreißend für den sinnlichen Anteil stand. Natürlich durfte zum Schluss ein Gruß an den Genius Loci nicht fehlen. Johannes Brahms’ Klarinettensonate f-moll lotet den der Klarinette innewohnenden schluchzenden Klang und die tiefe Melancholie aus. So gehören die beiden ersten Sätze zu den innigsten und melancholischsten Kompositionen der Romantik. Erst im Allegretto Grazioso kommen plakativ tänzerische Klänge eines Ländlers zum Tragen, bevor das Vivace im übermütigen Rondo das Finale einläutet. Auch hier konnten die Ausnahme-Künstler Johanns/Eggert alle Nuancen der Leidenschaft auskosten, die Brahms in sein Spätwerk hineingelegt hatte. Ein äußerst packender Zugang in die klingende Welt des Komponisten mit Heider Wurzeln, der vom begeisterten Publikum mit langanhaltendem Applaus belohnt wurde und anschließend vom Vorsitzenden der Groth-Gesellschaft Bernd Rachuth durch einen Vortrag über die Freundschaft zwischen Brahms und dem Heimatdichter Klaus Groth vertieft wurde.

Ein Musiker unter Musikern“
Christoph Eschenbach mit dem Brahmspreis 2016 ausgezeichnet

Normalerweise ist er dafür bekannt, jeden Rummel um seine Person mit fast schon spröder Gelassenheit zu begegnen. Am Donnerstagabend zeigte sich der Pianist und Dirigent Christoph Eschenbach in der St. Bartholomäuskirche tief gerührt und bewegt. In Anwesenheit von rund 450 Gästen sowie Vertretern aus Politik und Kultur nahm der 76jährige den mit 10.000 Euro dotierten Brahms-Preis 2016 der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein entgegen.

In einer sehr persönlichen Laudatio verriet der Intendant des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) Dr. Christian Kuhnt, dass auch ihn seit vierzig Jahren eine enge Beziehung mit dem Preisträger verbinde. Als Neunjähriger mit Hornbrille und braunem Polyester-Rollkragenpullover habe er Mozarts A-Dur-Klavierkonzert in der Interpretation von Christoph Eschenbach gelauscht. Dank dieser Aufnahme habe er schon früh eine ihm bis dahin unbekannte Dimension von Musik entdeckt: die Tiefe, die in allen Konzerten des Maestro erlebbar sei. “Nichts ist flüchtig, nichts schnell dahingeworfen. Seine Konzerte lassen beim Publikum keinen Raum für Gleichgültigkeit. Sie berühren, trösten und fordern.” In wenigen Sätzen skizzierte Kuhnt den Lebensweg Eschenbachs. Die traumatische Erfahrung der Kindheit, die in den ersten Jahren geprägt war vom Tod der Familie und der Flucht aus der Heimat, mündete in einer Sprachlosigkeit, aus der die Musik den kleinen Christoph befreite. „Die Eindrücke forderten Ausdruck“, habe Christoph Eschenbach später erklärt. Musik half dem traumatisierten Jungen zurück ins Leben und ist seitdem seine Berufung und Lebenselixier. Seine internationale Karriere führte ihn in die ganze Welt. Egal, wo Christoph Eschenbach wirkte und wirkt, immer habe er sich mit Leidenschaft um den musikalischen Nachwuchs gekümmert. Tzimon Barto, Renée Fleming, Julia Fischer und Lang Lang seien die prominentesten Namen unter den von ihm mit Engagement Geförderten. „Vieles an Unterstützung geschieht im Verborgenen und ist auf Nachhaltigkeit angelegt.“ Dazu gehöre auch seine Arbeit mit dem Schleswig-Holstein Festival Orchester, dessen Principal Conductor er seit vielen Jahren ist. „Auf seine ruhige, konzentrierte Art führt er die Jugend zu Höchstleistungen – immer als Musiker unter Musikern.“ Sichtlich bewegt nahm der Preisträger die Standing Ovations des Publikums entgegen. Seine Liebe gelte seit dem Beginn seiner Karriere dem Komponisten Johannes Brahms und seinem Werk. „Ich fühle mich geehrt und gerührt. Insbesondere, weil die Auszeichnung in Schleswig-Holstein stattfindet, in meiner zweiten Heimat,“ bedankte sich Eschenbach. Dass er das richtige Gespür für junge Talente hat, bewies der 28jährigen Ausnahmepianist Christopher Park, den der Maestro zur Preisverleihung mitgebracht hatte. Mit viel Gefühl malte er die Passagen in Brahms' Händel-Variationen in leichten, lichten Farben aus und verströmte genau jenen Elan, der zu diesem vor Einfällen überschäumenden Stück eines Endzwanzigers passt. Die enge musikalische Verbundenheit mit seinem Mentor zeigte sich danach bei Brahms' “16 Walzern für Klavier zu vier Händen”, die Eschenbach und Park mit Leichtigkeit und Frische, ohne die sonst bei Brahms oft durchscheinende Melancholie, in tänzerischer Lebenslust und heiterer Spielfreude zusammen darboten. “Sie hätten auch im Walzertakt zusammen tanzen können” war Heimke Stegelmann aus Kiel vom Gleichklang der beiden Künstler begeistert. “Eine wunderbare Veranstaltung, sie sich von Minute zu Minute gesteigert hat.” Auch die junge Klavierschülerin Lina Beeck aus Meldorf war sichtlich beeindruckt von der Aura Eschenbachs. “Es geht eine faszinierene Ausstrahlung von ihm aus.” Und ihre Mutter Merle Fromberg-Beeck ergänzte: „Er besitzt ein Charisma, das einfach begeistert.“



Ein Künstler von Weltrang
Christoph Eschenbach bekommt Brahms-Preis 2016

Christoph Eschenbach. Foto Eric BrissaudEr ist ein Ausnahmekünstler: Vom internationalen Pianisten-Star stieg Christoph Eschenbach zum weltweit gefragten Dirigenten auf. Am liebsten würde er auch mit 100 dirigieren, so Eschenbach anlässlich seines 75. Geburtstages im letzten Jahr. Am 12. Mai wird er in Wesselburen mit dem Brahms-Preis 2016 der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein ausgezeichnet. "Er ist ein Preisträger von Weltrang" freut sich dessen Vorsitzender Joachim Nerger. Als Ausdrucksmusiker par excellence schaffe er es wie nur wenige andere, die Musik mit Emotion aufzuladen und den Meisterwerken ein zutiefst menschliches Gesicht zu geben. Andreas Guballa hat Christoph Eschenbach getroffen.






Herr Eschenbach, wie wichtig ist Brahms in Ihrem Leben als Dirigent und Pianist?

Ungeheuer wichtig. Er ist einer meiner Lieblingskomponisten, auch auf dem Klavier. Ich habe seine Sonaten, viele der Intermezzi und Klavierkonzerte gespielt – insofern ist Brahms die Nummer Eins bei mir.

Was sind die besonderen Herausforderungen bei seinen Kompositionen?

Jedes Werk verfolgt eine eigene Dramaturgie, aber alle sind sie extrem dicht durchgearbeitet und strukturell komplex. Brahms war sehr selbstkritisch und hat zahllose Werke vernichtet, wenn sie seinem hohen Anspruch nicht genügten. Von dieser hohen Komplexität darf das Publikum allerdings nicht viel spüren, denn Brahms‘ Musik ist gleichermaßen voller Leidenschaft und Emotion: gewissermaßen Kopf und Seele zugleich. Diese große Form muss man als Dirigent und Solist beherrschen können. Man muss ausloten, wo man sich Freiheiten erlauben darf und wo weniger. Insofern bietet Johannes Brahms ungeheure Schwierigkeiten, mit denen man sich auseinandersetzen muss. Ich habe das mein Leben lang getan und unglaubliche Freude daran gehabt. Noch heute entdecke ich neue Sachen.

Hört man bei seinen Werken heraus, dass er ein „norddeutscher Jung“ ist?

(lacht) Irgendwie vielleicht. Aber er hat sehr früh in seinem Leben durch einen Freund, dem Geiger Eduard Remenyi, die Volksmusik der Ungarn kennengelernt. Das Land hat in fasziniert und daher gibt es diese unglaublich starken folkloristischen Elemente in seiner Musik.

Am 12. Mai wird Ihnen der Brahms-Preis 2016 verliehen. Wie wichtig sind Ihnen Preise im allgemeinen und dieser insbesondere?

Wenn man ausgezeichnet wird, ist jeder Preis wichtig. Aber ich habe mich sehr gefreut, dass ich ausgerechnet den Brahms-Preis erhalte, weil Brahms eine so wichtige Rolle in meinem Leben spielt und weil die Auszeichnung in Schleswig-Holstein stattfindet, meiner zweiten Heimat. Ich fühle mich geehrt und gerührt.

Sie haben Ihre Laufbahn als Pianist begonnen. Hat das Ihre Pultkarriere beeinflusst? Oder würden Sie heute anders dirigieren, wenn Sie nicht als Pianist angefangen hätten?

Drehen wir die Frage mal um. Ich habe immer versucht, auf dem Klavier Orchester zu spielen und es singen zu lassen. Man sollte nicht hören, dass es eigentlich nur aus Stahlsaiten und einem Holzgerüst besteht. Insofern bin ich früh in die Subtilitäten der Instrumentation eingedrungen. So hat sich beides verschmolzen. Aber ich spiele seit über 30 Jahren keine Klavierabende mehr, weil ich keine Zeit habe, mir neues solistisches Repertoire anzueigen. Auch wenn ich hier und da eine Ausnahme mache, sind das fünf Prozent meiner Tätigkeit.

Zurück zum Dirigenten Christoph Eschenbach. Sie haben sechs Jahre lang das NDR Sinfonieorchester geleitet und übernahmen 2010 die künstlerische Leitung des National Symphony Orchestra in Washington. Gibt es Unterschiede in der Orchester-Klangkultur jenseits und diesseits des Atlantiks.

Früher sagte man, dass die amerikanischen Orchester sehr brillant seien, aber kühl. Und die europäischen Klangkörper wärmer spielten, aber dafür nicht so präzise. Das hat sich sehr gewandelt durch die vielen Orchestertourneen. Insofern ist es ein Spaß mit beiden zu musizieren.

Seit 2004 leiten Sie die Orchesterakademie des SHMF. Wie wichtig ist Ihnen die Zusammenarbeit mit jungen Musikern?

Es ist eine wunderbare Sache, dass junge Musiker aus 30 Nationen zusammenkommen und innerhalb von ein paar Tagen schon miteinander harmonieren. Egal aus was für Schmieden und Ländern sie kommen oder welche Mentalitäten sie haben. Nach wenigen Tagen sind sie ein musikalischer Körper geworden und gehen mit einem unglaublichen Enthusiasmus und großer Frische an den Start. Das macht einen Riesenspaß.

Es gibt immer wieder musikalische Perlen, die Sie entdeckt haben wie Lang Lang. Nach Wesselburen kommen Sie mit Christopher Park, ein „Pianist wie ein Paukenschlag“ wie die Presse schreibt. Was schätzen Sie an ihm?

Ich schätze seine technische Souveränität und unglaubliche musikalische Reife. Er musiziert von innen heraus und zeigt keine oberflächlichen Kunststücke, auch wenn die Händel-Variationen von Brahms ein sehr schweres Stück ist. Es fasziniert mich, wie er Brahms genauso selbstverständlich spielt wie Mozart und neue Musik.

Was muss ein Künstler mitbringen, dass Sie sich als Mentor für ihn einsetzen?

Musikalische Tiefe, Brillianz und ein Charisma, das ein Publikum begeistert. Christopher Park hat das.

Sie können auf eine langjährige Karriere zurückblicken. Was sind für Sie unvergessliche Momente?

George Sell und Herbert von Karajan waren große Mentoren zu Beginn meiner Pianisten-Karriere. Ich durfte mit ihnen arbeiten und sie um Rat fragen. Und sie haben mir wertvolle Ratschläge gegeben.

Sie haben im letzten Jahr Ihren 75. Geburstag gefeiert. Ist Alter ein Thema für Sie?

Alter wird dann nicht mehr zum Thema, wenn man sich der Musik hingibt. Musik hält einen jung und lässt einen das Alter vergessen. Das ist die beste Medizin.

Gibt es noch Pläne und Herausforderungen, die Sie in den nächsten Jahren angehen wollen?

Ich mache sehr viel neue Musik und zahlreiche Uraufführungen mit meinem Orchester in Washington. Die neue Musik bleibt eine große Komponente in meinem Leben. Darüber hinaus gibt es einige Komponisten, zu denen ich spät gekommen bin, aber deren Tür sich sehr weit geöffnet hat in den letzten Jahren wie Schostakowich und Sibelius. Gerade im Repertoire des 20. Jahrhunderts ist noch einiges offen.



Frischer Wind im Klassikbetrieb
Musikalisches Feuerwerk zum Auftakt der Brahmswochen

Mit einem fulminanten Doppelkonzert und einem kulinarischen Intermezzo wurden am Samstag die Brahms-Wochen 2016 im Stadttheater Heide eröffnet. Das englische Carducci Streichquartett begeisterte die Zuschauer zunächst mit einem klassischen Kammermusikabend, bevor die fünf Hamburger Teufelsgeiger von G-Strings ein musikalisches Feuerwerk über alle Genregrenzen hinweg entfachten.

Zwei Bühnen, zwei Streichensembles wie sie unterschiedlicher nicht sein können – dazu gutes Essen in entspannter Atmosphäre. So lautete nach dem Erfolg des letzten Jahres erneut das Konzept des Auftaktkonzerts der Brahms-Wochen 2016 im gut besuchten Stadttheater Heide.

Carducci String Quartet Foto GuballaGanz klassisch ging es los mit dem jungen Carducci String Quartet, das mit Feuereifer und jugendfrischem Elan bewies, das es zu recht als „Meister von morgen“ gefeiert wird. Schon im eröffnenden B-Dur-Quartett von Mozart ließen die 'Carduccis' – ihre Spielfreude funkeln. So spritzig und zugleich delikat musiziert, wirkt der gute alte Mozart plötzlich wie neugeboren.

Das Streichquartett Nr. 11 von Dmitri Schostakowitsch führte in eine Welt der Trauer und Melancholie. Das musikalische Gedenkwerk an seinen kurz zuvor verstorbenen Jugendfreund Wassili Schirinski verliert lediglich im Scherzo etwas von seiner grüblerischen Dunkelheit. Auch hier durchlebte das Carducci Quartett die emotionalen Extremzustände mit einer Intensität, die einem den Atem raubte. Ohne dem Werk eigenes inspiratorisches Feuer und Emotionen aufzudrücken, ließen sie die sieben Charakterstücke als vielschichtige Trauerarbeit für sich sprechen. Als „kammermusikalische Zangengeburt“ hatte Johannes Brahms selbst sein Streichquartett a-Moll bezeichnet. Die kompakte Komposition ist vollgepackt mit enger motivischer und kontrapunktischer Arbeit, klanglichen und technischen Herausforderungen. Kein Problem für Matthew Denton (Violine), Michelle Fleming (Violine), Eoin Schmidt-Martin (Bratsche) und Emma Denton (Cello). Das anglo-irischen Ensemble brillierte auch hier durch seine Expressivität. Bei so einer bedingungslosen Hingabe an die Musik muss man sich um die Zukunft der Kammermusik keine Sorgen mehr machen.


Gestandene Musiker sind die fünf Streicher des NDR Elbphilharmonie Orchesters, die sich 1993 zu den G-StringsG-Strings Foto Guballa
zusammengefunden haben und seitdem gegen  eingefahrene Hörgewohnheiten anspielen. Mit einem Klangfeuerwerk aus Klassik, Jazz, Tango, Rock und Pop überwanden Stefan Pintev und Rodrigo Reichel (Violine), Jan Larsen (Bratsche), Vytas Sondeckis (Cello) und Frank Skriptschinski (Kontrabass) musikalische Grenzen unterschiedlichster Genres. In außergewöhnlichen Arrangements eröffneten sie klopfend, zupfend und kratzend ungeahnte Möglichkeiten ihrer Instrumente. Mit ihrer ungeheuren Bandbreite vom „Hauskonzert mit Bierchen“ über das gespenstische Arrangement von Stings „Moon over Bourbon Street“ bis hin zur zartbitteren Poesie Astor Piazzollas erzeugten die G-Strings neue Hörraume für das begeisterte Publikum ohne den Originalen ihre Seele zu rauben. Das Publikum jubelte, die Teufels-Streicher strahlten. Das Experiment, durch die Brahms-Wochen frischen Wind in den Klassikbetrieb zu bekommen, ist gelungen.



Intensives Zusammenspiel
Der Pianist Per Rundberg und das Elbquartett bieten makellose und klangsensible Kammermusik

Beim ausverkauften Adventskonzert der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein auf der Museumsinsel Lüttenheid wurde das Publikum von den vier Streicherinnen des Elbquartetts aus Hamburg, Harim Chun (Violine), Barbara Gruszczynska (Violine), Aline Saniter (Viola) und Bettina Barbara Bertsch (Cello), und dem schwedischen Pianisten Per Rundberg musikalisch reich beschenkt.

Zunächst gaben die Akteure ihre musikalische Visitenkarte mit eher zahmen Kompositionen der Romantik ab. Per Rundberg eröffnete die dreisätzige Klaviersonate C-Dur von Mozart mit einem heiter-unbeschwerten Allegro, dem nach einem breiten Intro ein verträumtes Andante folgte. Unbefangen schloss das Allegretto mit fröhlichem Laufwerk, wie herumtollende Kinder, bis ein entschiedener Schlussakkord dem Treiben ein Ende setzte.

Die vier Damen des Hamburger Elbquartetts überzeugten in Haydns Streichquartett B-Dur op 76/4 durch perfekte Technik und hohe Klangkultur. Das „Sonnenaufgangsquartett" barg gerade zu Beginn romantische Melodien, klangliche Dynamik, bewegte Tutti-Abschnitte und erzeugte so immer wieder neue Spannungen.

Per Rundberg und Elbquartett aus HamburgNach der Pause legten sich die fünf Musiker dann aber kraftvoll und leidenschaftlich, ja voller Klangdramatik und Expressivität, im fünfsätzige Hauptwerk des Abend, Schostakowitschs Klavier-Quintett g-moll, ins Zeug. Mit seinem Klavierquintett meldete Schostakowitsch sich im Jahr 1940 an der Spitze des sowjetischen Musiklebens zurück. Vier Jahre zuvor war der Komponist, der in den 1920er- und 30er-Jahren mit seinen frechen und modernen Werken international Aufsehen erregt hatte, von der Regierungszeitung "Pravda" gefährlich gemaßregelt worden. Im Klavierquintett gab Schostakowitsch sich nun - an der Oberfläche - als geläuterter Klassizist und gestaltete - nach dem Vorbild Johann Sebastian Bachs - die beiden ersten Sätze als Präludium und Fuge. Der Musik Bachs verwandt erscheint auch die glasklare Linienführung des Werkes, in dem jede Note exakt kalkuliert erscheint. Eindringlich bewältigte Rundberg den Klavierpart, entwickelte mit den Streicherinnen eine starke Intensität des Ausdrucks. Das

Durchdringen des Liniengeflechts im ersten Satz, das Herausarbeiten des polyphonen Klanggewebes in der Fuge gelang den Interpreten fesselnd.
Am meisten Effekt macht das Scherzo, in das sich der Pianist und die Streicherinnen mit furioser Verve hineinsteigerten, mit heftiger Streichergeste und markantem, teils gläsernem und funkelndem Klavierklang. Dieses Scherzo hat mal etwas Graziöses, Witziges, dann wieder etwas Grelles, Sarkastisches, Schneidendes. All dies brachten Elbquartett und ihr schwedischer Gast vorzüglich zur Wirkung. Auch das Intermezzo erklang eindrücklich mit seiner intensiv ausgesungenen Melodie, dem lyrischen Geigengesang zu den Pizzicati des Cellos. Wunderbar beschworen die Interpreten die geheimnisvolle Emotionalität und dichte Atmosphäre dieser Musik. Das Publikum zeigte sich begeistert von diesem intensiven Zusammenspiel und ließ die Musiker nicht ohne Zugabe gehen. (Text/Bild: Guballa)


Musikalischer Gruß aus Leipzig
Wenn fünf Freunde zechen und singen

Die A-Capella-Formation „Ensemble Nobiles“ eröffnet die winterliche Konzertreihe der Brahms-Gesellschaft auf der Museumsinsel Lüttenheid und lässt dort die Tradition der Leipziger Liedertafel wieder aufleben.


Document made with KompoZerAnfang des 19. Jahrhunderts versammelten sich Männer, verbunden durch die begeisterte Liebe zu gutem Essen, vorzüglichen Weinen und dem gemeinsamen Gesang, zu geselligen Runden, den so genannten Liedertafeln. Diese Zusammenkünfte begründeten die Tradition der Männerchöre - zuvor gab es nur Kirchenchöre wie den Leipziger Thomanerchor, aus dem auch die Mitglieder des „Ensemble Nobiles“ hervorgegangen sind: die Tenöre Paul Heller und Christian Pohlers, Bariton Felix Hübner und die Bässe Lukas Lomtscher und Lucas Heller. Bereits als Sängerknaben im Matrosenanzug waren sie im Jahr 2002 zur Brahms-Preisverleihung an den Thomanerchor Gast der Brahms-Gesellschaft im Meldorfer Dom. Nun eröffneten die fünf sympathischen Sänger als gestandene Musiker im schwarzen Anzug mit einem Potpourri von Liedern, wie sie auch in Auerbachs Keller erklungen haben könnten, die winterliche Konzertreihe auf der Museumsinsel Lüttenheid und verzauberten das Publikum mit höchster stimmlicher Präzision, mit Witz, Temperament und Spaß vom ersten Ton an. Natur und Landschaft, Liebe und Leidenschaft waren Themen der Lieder, die das 2006 gegründete Ensemble darbot. Darunter „Der frohe Wandersmann“ von Felix Mendelssohn Bartholdy, der „Sommermorgen“ des Thomaskantors Moritz Hauptmann, „Ich ging durch einen grasgrünen Wald“ in der Bearbeitung von Max Reger oder „Im schönsten Wiesengrunde“ von Fritz Weiße, bei dem das Publikum mitsingen durfte. Auch in den Stücken von Schumann, Veit und Grieg offenbarte jeder der fünf Stimmakrobaten Soloqualitäten und verwies all jene in die Schranken, die behaupten, dass ein Männerchor nur „laut und grölend“ klingen kann. In der Vertonung von Heinrich Heines „Ich halte ihr die Augen zu“ gab’s auch mal eine sächsische Zeile zur Kostprobe – nur einer von vielen Beweisen, dass die Musikstudenten neben ihrer beeindruckenden Gesangsqualität auch eine feine Form der Selbstironie besitzen. Ganz in der Tradition der musikalischen Romantik stehen auch die Gegenwartskompositionen des thüringischen Dirigenten, Komponisten und Hochschuldozenten Fredo Jung. Seine bildhaften Vertonungen dreier Wilhelm Busch Gedichte verfehlten durch die gelungene Interpretation des Ensemble Nobiles seine Wirkung nicht und machten sowohl dem Publikum als auch den Interpreten sichtlich viel Spaß. Passend zum Ende verabschiedeten sich das A-Capella-Quintett mit „Lebewohl“ von Friedrich Silcher und einer erklatschten Zugabe von Brahms' „In stiller Nacht“ als Gruß an den Genius Loci, bevor sie am CD-Stand dem begeisterten Publikum noch für Lob, Fragen und Autogramme zur Verfügung standen. Eckart Besch, langjähriger Vorsitzender der Brahms-Gesellschaft und selbst ehemaliger Thomaner, brachte es auf den Punkt: „Wie viel Arbeit und Üben hinter der nötigen Stimmtechnik steckt, ahnt das Publikum selten, aber der Klang ist einfach perfekt, und das hört jeder." (Text/Foto: Andreas Guballa)



Fest der Tasten und Töne
Mit einem kraftvollen Finale enden die Brahms-Wochen 2015 in neuer Location

Was für ein Fest der Tasten und der Töne! Dort wo sonst Luxustransporter auf Käufer warten, herrschte am Sonnabend festliche Stimmung und gespannte Erwartung bei den rund 300 Besuchern der Sommer-Klaviernacht der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein.

Mit dem ihnen eigenen Gespür für besondere Orte hatten die Organisatoren zum ersten Mal das Transport-Center von Nord-Ostsee-Automobile Heide als neue Spielstätte für den jährlichen Konzert-Marathon auserkoren. Gewidmet war das musikalische Sommerfest, das mit zwei langen Pausen auch den Gesprächen und dem Genuss von kulinarischen Gaumenfreuden aus dem Hause „Erheiterung Böhe“ Raum gab, der großen Klaviermusik und ihren Interpreten: Mit Katharina Treutler, Danae Dörken und Rolf Plagge war es dem Vorsitzenden Joachim Nerger gelungen, drei Künstler zu verpflichten, die das Publikum mit ihrem facettenreichen Spiel und einem abwechslungsreichen Programm in Begeisterung versetzten. „Eine Bereicherung des Heider Kulturlebens,“ war sich Wolfgang Weidig am Ende des Abends mit allen Anwesenden einig.

Katharina TreutlerMit differenzierter Dynamik und einem nicht zu schnellen Zeitmaß begann Katharina Treutler den Konzertmarathon mit zwei der acht Klavierstücke op. 76 von Johannes Brahms. Die in zahlreichen internationalen Wettbewerben ausgezeichnete Erfurterin fächerte in den Miniaturen ein vielfarbiges Kaleidoskop auf: von wehmütig bis graziös, von tänzerisch heiter bis düster-schaurig ist alles dabei. Mit den tonmalerischen Sätzen „Aus dem Volksleben“ von Edvard Grieg bewies Treutler ihre Qualitäten als versierte Pianistin und künstlerische Persönlichkeit. Einfühlsam oder auch knorrig zeichnete sie den rauen Charme der norwegischen Landschaft und den oft derben Humor ihrer Menschen nach. Von seltener Kraft war der dunkel getönte Anfang von Robert Schumanns Sonate fis-Moll op. 11, und auch darüber hinaus blieb die zierliche Frau dicht am Puls dieser an Schönheiten wie Abgründen reichen Musik.


Dass sie mehr zu bieten hat als flinke Finger plus Anderthalb-Oktaven-Griff, bewies nach der ersten Pause die  Deutsch-Griechin Danae Dörken. Auch die 23jährige hatteDanae Dörken mit den „Vier Klavierstücken op. 119“ zunächst ihren Brahms im Gepäck. Virtuose Akkord-Figurationen setzten in Dörkens Interpretation erste magische Glanzpunkte. Kaum zu glauben, dass sie diese Komposition zum allerersten Mal öffentlich auf die Konzertbühne brachte. Johannes Brahms‘ Spätwerk umfasst auf kurzem Raum noch einmal das ganze Ausdrucksspektrum seiner Klaviermusik: Sehnsüchtiges und Fröhliches, Graziöses und Pompöses, Heiteres und tief Trauriges. Dörken gestaltete das Spätwerk des Komponisten mit Dithmarscher Wurzeln mit einer faszinierend persönlichen Note und traf den Sinn mit jeder einzelnen Note.

Auch Robert Schumanns Fantasie op. 17 spielte die in Wuppertal geborene Musikerin mit viel Poesie und traf auf ideale Weise den speziellen Ton, den diese Musik benötigt. Sie gab der Komposition Struktur und Relief, spielte mit Tempi und Klängen, mit Formen und Farben, und lotete die Partitur so nuanciert aus, wie es selbst die Großen der Szene nur selten hinbekommen.

Rolf PlaggeBereits drei Mal war Rolf Plagge zu Gast bei Konzerten der Brahms-Gesellschaft. Gern kam er daher der Bitte nach, auch einmal bei der Sommer-Klaviernacht zu spielen. Obwohl sich der Gewinner vieler Wettbewerbspreise mit Vorliebe wenig bekanntem Repertoire widmet, hatte sich der 55jährige in seiner Programmauswahl für zwei Klassiker der Klaviermusik entschieden. Kühn und aufwühlend gestaltete der Hochschulprofessor am Salzburger Mozarteum zunächst die Rhapsodien op. 79 von Johannes Brahms und arbeitete die symphonisch-dramatischen Züge der Komposition mit überlegter Kraft heraus. Mit imponierender pianistischen Brillanz und geradezu schwindelerregender Virtuosität beendete Plagge mit Franz Liszts Sonate h-moll das Erlebnis großer Tastenkunst. Da wirbelte, rauschte, explodierte es abschließend, dass man zeitweilig den Eindruck hatte, der Pianist müsse wohl jeweils vier Hände und Füße besitzen, um diesen unwiderstehlichen Mahlstrom in Gang zu setzen, der die Hörer unaufhaltsam in seinen Bann zog. (Text/Fotos: Andreas Guballa)




Musik für junge Ohren

Musikpädagogin Christina Dean will Musik mit allen Sinnen begreifbar machen

Christina Dean. Foto Marcus KrügerEinen musikalisch bewegten Nachmittag für Kinder ab drei Jahren und deren (Groß)Eltern erwartet die Besucher der Familienkonzerte der Brahms-Gesellschaft am Sonntag im Brahmshaus. „Wir wollen Kindern auf diese Weise die Möglichkeit geben, klassische Musik spielerisch kennen zu lernen“, so Vorsitzender Joachim Nerger, der die Musikpädagogin Christina Dean vom NDR nach Heide eingeladen hat. Christina Dean verschreibt sich mit ihrer ganzen Persönlichkeit und vielen neuen Ideen der Musik-Vermittlung an die Jüngsten unserer Gesellschaft. Mit unterschiedlichsten Mitteln gelingt es ihr, die Kleinen für die klassische Musik zu begeistern und neue Horizonte zu öffnen. Zusammen mit dem Cellisten Sven Forsberg und dem Pianisten Christof Hahn wird sie ihre jungen Besucher im Brahmshaus mit Beethovens Papageno-Variationen vertraut machen und weitere musikalische Überraschungen bereithalten.

Andreas Guballa hat mit ihr gesprochen.

Foto: Marcus Krüger


Wie schaffen Sie es immer wieder, den Nachwuchs für klassische Musik zu begeistern?

Wir geben unsere Liebe zu der Musik an die Kinder weiter und spielen mit ihr. Durch das Hören erobern die Kinder die Musik und machen Aktionen dazu, Wenn ich so ein Projekt vorbereite, versuche ich mich daran zu erinnern, wie es war, als ich ein Kind war und Musik gehört habe. Und obwohl man die Stücke so wahnsinnig gut kennt, lernt man sie immer wieder neu kennen und verliebt sich in sie. Die Essenz einer Komposition benennen wir dann, so dass die Kinder sie nachvollziehen können.

Was setzen Sie der Auffassung vieler Erwachsener entgegen, Kinder könnten nicht lange still sitzen und zuhören?

Zuhören muss man lernen. Man kann nicht einfach sagen: nun setz' dich doch mal hin und hör' Musik. Dann ist man steif und die Musik dringt nicht ein. Was ich versuche, ist, eine Atmosphäre zu schaffen, in der man sich wohl fühlt. Deshalb muss in den ersten drei Minuten auch gelacht werden, damit die Kinder in die Musik hineingehen können. Es gibt keine Trennung - da vorne ist die Musik und hier bin ich. Wir übersetzen die Bewegung, die in der Musik vorhanden ist, in Spielszenen oder kleine Choreografien.

Haben Sie ein Botschaft?

Unser Ziel ist es nicht, dass plötzlich mehr junge Leute ins Konzert gehen. Was wir erreichen wollen, ist, dass Musik zu einem Bestandteil des normalen Lebens wird und man sie aktiv wiedergeben kann. So wie man Literatur erobert, wünschen wir uns, dass die Heranwachsenden auch ein musikalisches Repertoire kennenlernen. Dann geht man später auch ganz selbstverständlich ins Konzert, weil man mit der Musik vertraut ist. Ein Musikstück zu lernen ist wie sich eine Stadt zu erobern. Wenn ich zum ersten Mal in London bin, schnuppere ich am ersten Tag nur Atmosphäre. Dann nehme ich den Stadtplan und sehe mir Sehenswürdigkeiten an und bekomme eine Struktur der Stadt in meinem Kopf. Am dritten Tag habe ich vielleicht schon einige Lieblingsstellen und dann weiß ich ganz genau, wohin ich gehen möchte. Jeder kann sich so einen eigenen Zugang schaffen und entscheiden wie er sich die Stadt respektive die Musik erobert.

Fehlen heutzutage die elterlichen Vorbilder?

Ganz viele Erwachsene sagen, wenn sie so an Musik herangeführt worden wären wie ihre Kinder, dann würden sie auch häufiger ins Konzert gehen. Daher erreichen wir bei diesen Familienkonzerten mindestens zwei, wenn nicht sogar drei Generationen, weil die Großeltern meistens auch mit dabei sind. So gewinnen wir die Menschen altersübergreifend, denn Musik kennt ja keine Altersgrenzen. Nur die Erfahrungen mit ihr sind anders.

Tut die Schule zu wenig für die Musikvermittlung Heranwachsender?

Ich glaube das Problem ist, dass die Verantwortlichen immer meinen, Musik sei ein Luxus. Nach dem Motto: wenn ich es mir gut gehen lassen will, esse ich ein Stück Käsekuchen und höre ein bisschen Vivaldi. Aber Musik ist kein Käsekuchen, sondern eine Kunst. Und wenn ich mich mit Kunst beschäftige, lerne ich auch die Welt kennen. Man lernt kreatives, variables und organisches Denken, während man in der Schule eher linear lernt. Daher finde ich es problematisch, wenn künstlerische Unterrichtsfächer immer häufiger wegfallen.

Was erwartet die Besucher beim Familienkonzert?

Wir betten die Musik in eine Geschichte ein. Zuerst ist von Mendelssohns „Lied ohne Worte“ der Text verloren gegangen und die Kinder müssen einen neuen Text erfinden. Und dann kommt Beethoven, der traurig ist, weil er so gerne Mozart kennengelernt hätte. Deswegen nimmt er sich die Melodie "Ein Mädchen oder Weibchen" als Thema und spielt damit - mal tänzerisch-launig, mal tief betrübt. Zu den Motiven, die unser Cellist Sven Forsberg und unser Pianist Christof Hahn spielen, erfinden wir wieder kleine Spielaktionen. Der Saal ist also aktiv gefordert dabei zu sein, mitzusingen und aufmerksam zuzuhören.

Was sind die Herausforderungen?

Die Instrumentalisten müssen nicht nur musizieren, sondern die ganze Zeit auch wachsam sein, für das, was die Kinder tun. Da kann es schon mal passieren, dass ein Kindern unters Klavier krabbelt. Teilweise müssen sie auch mitspielen. Sie sind also nicht nur als Musiker gefragt, sondern auch als Menschen, die den Kindern begegnen. Ich als Moderatorin muss den Saal so vorbereiten, dass die Besucher sich wohl fühlen, gern mit uns spielen und sich auf die Musik einlassen. Uns macht das jedes Mal riesengroßen Spaß.

Sonntag, 17. Mai 2015
15 Uhr (ausverkauft)
17 Uhr
Dauer: zirka 50 Minuten
Brahms-Haus, Lüttenheid 34
Karten: 5 Euro




Sein Leben teilt er mit dem Orchester
Dirigent Thomas Hengelbrock erhält den bundesweit beachteten Brahms-Preis

Thomas Hengelbrock und das NDR JugendsinfonieorchesterDie jungen Musiker des NDR-Jugendsinfonierochesters sitzen schon alle auf der Bühne. Plötzlich geht ein Raunen durch den großen Saal im Elbeforum. Es wird geklatscht. Erst etwas verhalten, dann immer lauter werdend. Die Hauptpersonen des Abends haben sich auf ihre Plätze in den vorderen Zuschauerreihen begeben: Dirigent Thomas Hengelbrock und Schauspieler Klaus Maria Brandauer. Der eine der Brahms-Preisträger 2015, der andere der Laudator.
„Für uns ist es eine große Ehre, dass einer der am meisten gefeierten und gefragten Schauspieler der Welt trotz seines sicherlich engen Terminkalenders zu uns gekommen ist“, sagt Joachim Nerger, Vorsitzender der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein. Mindestens genauso freue es ihn natürlich, dass der berühmte Dirigent Thomas Hengelbrock nach Dithmarschen gereist ist – in die Heimat Brahms – und dabei gleich ein ganzes Sinfonieorchester mitgebracht hat. Das Programm der jungen Musiker und ihres Dirigenten verspreche einen Hörgenuss. Nach der Preisverleihung wird Hengelbrock die Symphonie Nummer 8 von Antonin Dvorak dirigieren. In seiner kleinen Festansprache dankt Nerger insbesondere Verlegerin Inken Boyens: „Als Medienpartner bietet uns Boyens Medien unermessliche Hilfe, unsere Dinge nach außen zu kommunizieren.“
Die 1987 auf Initiative von Justus Frantz gegründete Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein verleiht einmal im Jahr den bundesweit beachteten Brahms-Preis. Mit dieser besonderen Auszeichnung werden renommierte Musiker geehrt, die sich um das Werk Johannes Brahms’ besonders verdient gemacht haben. Die Wahl ist diesmal auf Thomas Hengelbrock gefallen, dessen Aufführung von Brahms‘ Requiem große Bewunderung geerntet hat. Außerdem setze sich der international tätige Chefdirigent des NDR-Sinfonieorchesters für den musikalischen Nachwuchs ein. Dies zeige sich vor allem in seiner Arbeit mit der Akademie und dem Jugendsinfonieorchester des Norddeutschen Rundfunks.
„Mit Ihren Auftritten auch hier in Schleswig-Holstein, mit Ihrem Schaffen am Dirigentenpult haben Sie immer deutlich gemacht, was Sie für die Musik von Brahms empfinden“, würdigt auch Kulturstaatssekretär Eberhard Schmidt-Elsaeßer das musikalische Wirken Hengelbrocks, bevor Klaus Maria Brandauer seine mit Spannung erwartete Laudatio beginntKlaus-Maria Brandauer, Thomas Hengelbrock und Ehefrau Johanna
Der große Schauspieler und der berühmte Dirigent. Erst im vergangenen Jahr hatten sie gemeinsam ein ganz besonderes Projekt mit dem NDR-Sinfonieorchester auf die Bühne gebracht – den „König der Nacht“. Ein abendfüllendes Musikdrama für Sprecher und Orchester. Brandauer, immer davon ausgegangen, völlig unmusikalisch zu sein, fungierte als Sprecher. Je mehr der große Mime aus Wien erzählt, umso deutlicher wird, dass Brandauer und Hengelbrock eine tiefe, künstlerische Freundschaft verbindet. „Du brennst – für die Dinge, die Du vorhast. In Dir lodert ein Feuer, das ist für jeden spürbar“, sagt Brandauer. Hengelbrock sei auf dem besten Wege eine Legende zu werden. „Du hast so viel Feuer, teile es mit uns. Merci Tom.“
Hengelbrock lässt sich nicht zweimal bitten: „Jetzt spielen wir noch ein bisschen“, sagt er zu den Musikern gewandt, kurz nachdem er die große Auszeichnung von Joachim Nerger entgegengenommen hat. „Mein Beruf ist ein Geschenk für mich. Kunst machen heißt für mich, mein Leben zu teilen.“ Mit dem Orchester. Die jungen Musiker des NDR-Jugendsinfonieorchesters danken es dem großen Dirigenten mit einer bravourösen Leistung.
(Text/Fotos: Michaela Reh/ DLZ 6.Mai 2015)




Die brennende Fackel der Begeisterung weitergeben
Brahms-Preis 2015 an Thomas Hengelbrock

Der Dirigent Thomas Hengelbrock wird mit dem diesjährigen Brahms-Preis ausgezeichnet und damit unter anderem für sein besonderes Engagement für die Ausbildung junger Musiker geehrt.

Thomas HengelbrockMit seinem Einfallsreichtum, seiner musikwissenschaftlichen Entdeckerlust und seiner kompromisslosen Art des Musizierens zählt Thomas Hengelbrock zu den gefragtesten Dirigenten unserer Zeit. Unkonventionell, überraschend und vielfältig sind die Konzertprogramme und Opernprojekte, die er seit zwei Jahrzehnten mit seinem Balthasar-Neumann-Chor und -Ensemble und seit 2011 als Chefdirigent des NDR Sinfonieorchesters gestaltet. Am 4. Mai wird der 54jährige im Elbeforum Brunsbüttel mit dem Brahms-Preis der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein ausgezeichnet. „Mit Thomas Hengelbrock haben wir einen großen Künstler und offenen Geist zum Preisträger 2015 erkoren, der mit unverbrauchtem Blick auf die Musikgeschichte auch dem Publikum neue Perspektiven ermöglicht“ freut sich Joachim Nerger, Vorsitzender der Brahms-Gesellschaft, die alljährlich seit 1988 aus der Schenkung von Konsul Karl Uwe Böttcher den mit 10.000 Euro dotierten Preis verleiht. Beim Preisträgerkonzert mit dem NDR Jugendsinfonieorchester erklingen Dvořáks „8. Sinfonie“ sowie Brahms' „Streichsextett op. 36“. Die Laudation hält der Schauspieler Klaus-Maria Brandauer. Andreas Guballa hat mit Thomas Hengelbrock gesprochen.


Herr Hengelbrock, was bedeutet Ihnen die Auszeichnung mit dem Brahms-Preis?

Der Brahms-Preis ist ja verbunden mit meinem Engagement für das Jugendsinfonie-Orchester. Ich freue mich, dass diese Arbeit mit der 'nächsten Generation' dadurch gewürdigt wird. Die Akademie erfüllt eine Brückenfunktion und führt herausragend begabte Jugendliche und Musikstudenten zusammen, die unter Anleitung von professionellen Musikern auf höchstem Niveau versuchen, die Situation des Berufslebens vorwegzunehmen. Dadurch, dass die Musiker zusammenspielen und auch im Konzert die Möglichkeit haben, mit den alten Hasen zusammenzuarbeiten, ergibt sich ein ganz neuer Einblick.

Wie sehen Sie Ihre Aufgabe als Musiker heutzutage?

Ich glaube, die Aufgaben eines Dirigenten haben sich im Laufe der letzten 20 bis 30 Jahre gewandelt; das Spektrum ist breiter geworden. Die Essenz des Berufes ist es, dass man gute Musik macht, ein Orchester und einen Chor führen kann und mit großer Ausstrahlung ein Publikum erreicht. Aber in Zeiten, in denen die Entwicklung der klassischen Musik vielerlei Gefährdungen ausgesetzt ist, ist es darüber hinaus wichtig, sich auch aktiv auf einer kulturpolitischen Ebene zu engagieren und sich für seine Ensembles und Musiker stark zu machen. Auf der einen Seite muss man dafür sorgen, dass die Kürzungsorgien irgendwann ein Ende haben; auf der anderen Seite muss man sich dafür einsetzen, dass klassische Musik auch in breite Teile der Bevölkerung getragen wird und Menschen aus bildungsfernen Schichten Zugang zu klassischer Musik bekommen. Darüber hinaus ist es eine schöne Aufgabe, Musik auch zu vermitteln und Menschen, die die Nase nicht den ganzen Tag in der Partitur haben, zu zeigen, worum es da eigentlich geht: Was ist das Tolle, Lebensbereichernde und Spannende in der klassischen Musik? So versuche ich auf möglichst vielen Feldern für die Sache zu streiten.

Das haben Sie sehr eindrücklich im letzten Herbst mit dem "Dvořák-Experiment" gezeigt, bei dem sich mehr als 22.000 Schüler aus ganz Deutschland beteiligt haben. Ist das der richtige Weg, um langfristig dem Silbersee im Konzertpublikum entgegenzuwirken?

Das ist nur einer von ganz vielen Parametern. Auch in der Akademie Balthasar Neumann setze ich mich dafür ein, dass jedes neue Projekt mit Schulen vernetzt wird. Es ist wichtig, diese Berührungsängste abzubauen. Wir schaffen Musikerlebnisse, die verdeutlichen, welche – auch sozial verbindende - Kraft das gemeinsame Musizieren hat. In einer Zeit, in der sehr viele zentrifugale Kräfte wirken, ist es wichtig, dass die Musik einen Mittelpunkt bildet, um den sich die Menschen zu einer Gemeinschaft formieren können.

Zur Verleihung des Brahms-Preises kommen Sie am 4. Mai mit dem Jugendsinfonie-Orchester nach Brunsbüttel. Was ist das besondere an diesem Klangkörper und der Arbeit mit ihm?

Dort spielen herausragende Schüler und einige Musikstudenten im Alter von 14 bis 24 Jahren zusammen - ergänzt durch Akademisten des NDR Sinfonieorchesters. Ziel des Orchesters ist es, sie komplementär und ergänzend zu der Arbeit in ihren Schulorchestern ein bis zwei Mal im Jahr in kurzen Arbeitsphasen mit professionellen Musikern und Arbeitsweisen zusammenzuführen. Dabei werden Hemmschwellen abgebaut und es besteht die Gelegenheit mit renommierten Dirigenten zusammenzuarbeiten. Die Vorbereitung leisten meine Konzertmeister und Soloinstrumentalisten. Das ist ein sehr stimulierender Impuls. Mir vermitteln Lehrer von Schülerorchestern, dass das für ihre Arbeit eine sehr starke Motivation ist. Wenn ich durch meinen Einsatz die oft mühsame Arbeit von Musiklehrern ergänzen kann, finde ich das toll.

Kommt es Ihnen dabei eher auf die Vermittlung von Disziplin, Ehrgeiz und Perfektion an oder mehr auf Spaß und Begeisterung?

Wer mich kennt, weiß, dass das eine eher hypothetische Frage ist. Natürlich muss das technische Niveau stimmen. Dabei ist es selbstverständlich, dass das Zusammenspiel technisch sauber und konzentriert sein muss. Auch den Weg zu weisen, wie man dahin kommt, ist wichtig. Das geht nur mit Enthusiasmus und Leidenschaft. Diese brennende Fackel der Begeisterung weiterzugeben, ist ein wichtiger Aspekt meiner Arbeit.

Zum Preisträgerkonzert kommen Sie mit Dvořáks 8. Sinfonie nach Brunsbüttel...

Ich wollte zu diesem Anlass keine sperrige, für die Musiker sehr schwierige Brahms-Sinfonie aufführen. Die Sinfonie von Dvořák ist ein herrliches Stück, das wir extra zu diesem Anlass einstudieren, und bei dem alle Instrumentengruppen genug Futter haben. Dvořák ist ein Komponist, der nicht nur tolle Musik für ein Publikum geschrieben hat, sondern auch besonders herrliche Musik für Musiker. Das kann man nicht von jedem Komponisten sagen.

Die Laudatio hält Klaus Maria Brandauer, mit dem Sie in den letzten Jahren mehrere Projekte realisiert haben. Was schätzen Sie an ihm?

Es ist fantastisch, dass er zugesagt hat und damit zeigt, dass er mit seiner Präsenz diese Nachwuchsarbeit auch unterstützt. Wir arbeiten seit 1996 zusammen und er ist sowohl auf der Bühne als auch im Konzertsaal eine Ausnahmeerscheinung.

Herr Hengelbrock, vielen Dank für das Gespräch.


Infos:
Thomas Hengelbrock (*9. Juni 1958 in Wilhelmshaven) hat sich zunächst als Alte-Musik-Experte einen Namen gemacht. In den 80er-Jahren hat der ausgebildete Geiger Spezialensembles gegründet – bis heute leitet er den Balthasar-Neumann-Chor und das Balthasar-Neumann-Ensemble. Parallel dazu entwickelte der Fußball-Fan sein Profil als Dirigent weiter und überrascht immer wieder mit eigenem Zugriff auf Kompositionen. Seit 2011 ist Hengelbrock Chefdirigent des NDR Sinfonieorchesters und hat mit seinen Auftritten in Hamburg neue Maßstäbe im Konzertleben der Stadt gesetzt. Auf Tourneen durch Deutschland, Europa und Japan hat die Zusammenarbeit Hengelbrocks mit dem NDR Sinfonieorchester auch international ein großes Echo gefunden.

Das NDR Jugendsinfonieorchester wurde 2012 von der Akademie des NDR Sinfonieorchesters gegründet. Mit jährlich zwei Projekten bietet es begabten Nachwuchsmusikern die Möglichkeit, repräsentative Orchesterwerke professionell zu erarbeiten und unter der Leitung renommierter Dirigenten aufzuführen. Das NDR Jugendsinfonieorchester setzt sich aus den Akademisten des NDR Sinfonieorchesters, Studenten der norddeutschen Hochschulen, erfolgreichen Teilnehmern des Wettbewerbs "Jugend musiziert" und ausgewählten Mitgliedern der führenden Jugendorchester Norddeutschlands zusammen. Die Stimmproben werden von Musikern des NDR Sinfonieorchester geleitet.




Alles andere als verstaubt
Auftaktkonzert der Brahms-Wochen 2015: Klassik trifft Tango

Mit einem fulminanten Doppelkonzert und einem kulinarischen Intermezzo wurden am Samstag die Brahms-Wochen 2015 im Stadttheater Heide eröffnet. Das französische Streichquartett Quatuor Voce begeisterte die Zuschauer zunächst mit einem klassischen Kammermusikabend und anschließend im Zusammenspiel mit dem Bandoneon-Spieler Pierre Cussac bei einer ausgelassenen Nachtmusique mit argentinischen Tangos.

Quatuor Voce und Pierre CussacStreichquartett und Tango - passt das zusammen? Auf jeden Fall waren sich die Besucher am Ende des Auftaktkonzerts der diesjährigen Brahms-Wochen einig. Das Motto des Abend ging so: zwei Bühnen, zwei Musikstile – dazu gutes Essen in einer entspannter Atmosphäre. Für diesen Anlass hatten die Veranstalter fünf Musiker eingeladen, die prädestiniert sind für Grenzüberschreitungen. Das Quatuor Voce, kürzlich von der Cité de la Musique zum „Rising Star“ ernannt, versucht mit ausgefallenen Programmen die klassische Musik aus ihrer traditionellen Umgebung zu lösen. Der Franzose Pierre Cussac spielt sowohl Akkordeon als auch Bandoneon und kommt so mit der Tango-Szene ebenso in Berührung wie mit improvisierter und experimenteller Musik. Dass hier der Erneuerer des argentinischen Tangos, Astor Piazzolla (1921-1992), nicht fehlen durfte, versteht sich von selbst. Er ist der wohl bekannteste Tonsetzer Argentiniens. Mit Elementen des Jazz und der klassischen Moderne erweitete Piazzolla den traditionellen Tango ebenso wie durch experimentelle Klangeffekte der zeitgenössischen Musik. Die fünfsätzige Suite „Tango sensations“ von 1989 entstand nach einer längeren Krankheit des Komponisten und gilt in seiner melancholisch gefärbten Schönheit als musikalischer Abgesang an das Leben. Satztitel wie "Asleep", "Loving" oder "Fear" zeigen, dass er existenzielle Grundsituationen des Lebens im Sinne hatte, die er in komplexer Harmonik und mit einer großen Vielfalt an Farben, Tempi und melodischen Einfällen beschrieb, ohne auf Eingängigkeit zu schielen. Das Quartett mit Sarah Dayan (Violine), Cécile Roubin (Violine), Guillaume Becker (Viola) und Lydia Shelley (Cello) sowie Pierre Cussac am Bandoneon gingen sehr sensibel auf die Stimmungen ein und verleugneten auch nicht die gelegentlichen Härten. Dass man den Tango mit Leidenschaft assoziiert, ist mehr als nur ein Klischee, und so interpretierte Pierre Cussac auch zwei Solostücke für Bandoneon außerordentlich temperamentvoll. Er bewegte sich im Rhythmus der Musik, stampfte den Takt und arbeitete die markanten Rhythmen und den Wechsel zwischen breitem Melodiestrom und scharf abgesetzten Akkorden äußerst plastisch heraus.

Bereits im ersten Konzertteil hatte das Quatuor Voce mit Werken von Beethoven, Ravel und Brahms auf durchgängig hohem Niveau ihre musikalische Visitenkarte abgegeben und die vielfach gelobten Merkmale ihres Musizierstils bewiesen: Hohe klangliche Sensibilität, feinnervige Unverwaschenheit des Klanges, intensives Durchdringen der kompositorischen Strukturen und zupackende Musizierfreude. Voller Emotion trugen sie zunächst das Streichquartett Nr. 4 c-Moll von Beethoven und danach das wundersam-melodiöse und flirrende Quartett F-Dur von Maurice Ravel vor. Da stimmte jeder Tempowechsel, jede Intonation von zartesten Saitenklängen bis zu raffinierten Pizzicato-Passagen. Brahms' drittes Streichquartett B-Dur spielten sie frisch, temperamentvoll und präzise. Wer immer noch glaubt, dass klassische Musik verstaubt klingen muss, den belehrten diese vier Künstler endgültig eines Besseren.

Das Experiment, durch die Brahms-Wochen frischen Wind in den Klassikbetrieb zu bekommen, ist gelungen. Eingeschworene Tangofans hatten genauso viel Freude an den klassischen Arrangements wie die Streichquartett-Freunde, die auf diese Weise Piazzolla & Co. noch ein Stück näher kommen konnten oder vielleicht zum ersten Mal begegneten (Text/Foto: Guballa).




Kammermusikalische Sternstunden
Trio Adorno beendet Winterkonzert-Saison

Mit jugendlicher Frische und großer Spielfreudigkeit begeisterten Violinist Christoph Callies, Cellist Samuel Selle und Pianist Lion Hinnrichs am Sonntag die Liebhaber feinster Kammermusik beim letzten Konzert der winterlichen Museumskonzerte der Brahms-Gesellschaft.

Trio AdornoDas in Hamburg beheimatete junge Trio Adorno trägt zwar den Namen des ebenso berühmten wie umstrittenen Philosophen und Musiktheoretikers, ließ aber in seinem lebendig gestalteten Konzert schnell alle Theorie vergessen. 2003 im Rahmen des Wettbewerbs „Jugend musiziert” gegründet und vielfach mit Preisen und Sonderpreisen ausgezeichnet hatten die drei Musikstudenten ein Programm zusammengestellt, das an jeden einzelnen außerordentliche Anforderungen stellt.
Den Anfang machte das vordergründig überschwängliche, von Untiefen durchsetzte Klaviertrio B-Dur (KV 502) von Mozart, das die jungen Instrumentalisten mit viel Verve und überschäumender Spielfreude zu Gehör brachten. Der Dialog von Klavier und Streichern erinnert an ein reifes Klavierkonzert und besticht durch die Balance zwischen Solistengeste und kammermusikalischer Feinarbeit. Mit Eleganz, Ausdrucksfülle und Beseeltheit stellten die Stipendiaten des „Deutschen Musikwettbewerbs 2013“ ihre Virtuosität unter Beweis und bescherten dem begeisterten Publikum auf der ausverkauften Museumsinsel Lüttenheid die erste musikalische Sternstunde.

In eine ganz andere musikalische Welt entführten die drei Musiker bei Pēteris Vasks’ achtsätzigen „Episodi e Canto perpetuo“, die der lettische Komponist 1985 als Hommage an Olivier Messiaen geschrieben hat. Ein über die Sätze hinweg angelegter, auf Dynamik, Klanggebung und Stilistik bezogener Spannungsbogen bestimmt das Stück. Sensibel arbeiteten die Musiker die Klangvielfalt heraus, vom fast meditativen Piano im 1. Satz (Crescendo), über ätherische Klänge (Misterioso) zu hochexpressiven Momenten mit fast jazzigen Anklängen. Nicht zuletzt durch das Abdecken von Saiten des Flügels und das Einbeziehen perkussiver Elemente am Cello schöpft Vasks hier einen großen Klangreichtum aus - ein düsteres, aufwühlendes Stück Musik, das von Enttäuschung, Liebesleid und Trauer über unsere bedrohte Welt singt. Wo immer seine Musik gespielt wird, stellt sich ein vergleichbares Phänomen ein: Sein Werk wird als Höhepunkt des Abends empfunden, für viele überraschend, die kaum positive Erwartungen gegenüber Musik aus unserer Zeit haben. Insbesondere wenn es so kraftvoll und intensiv wie vom Trio Adorno interpretiert wird. Unbestechlich auch die Homogenität ihres Spiels in Brahms Klaviertrio Nr. 2 C-Dur op. 87. Das vielschichtige Werk strotzt nur so von Kraft, Erfindungsreichtum und Charakter. Und genau so spielten auch die Mittzwanziger: mit verschwenderischer Klangfülle, zugleich stets das Ganze im Blick. Mühelos wechseln die Musiker zwischen großer Innigkeit und Expressivität, perlenden Läufen und zupackenden Akkordfolgen. Das Publikum zeigte sich begeistert und ließ die Musiker nicht ohne Zugabe gehen. Auch im Allegro von Mozarts Klaviertrio d-Moll KV 442, dessen Fragmente nach Mozarts Tod von einem Schüler wesentlich ergänzt wurden, bewies das Trio, dass noch viel von ihm in der Kammermusikwelt zu erwarten ist. (Text/Foto: Andreas Guballa)




Musikalische Glanzleistung
Pianistin Shin-Heae Kang verzaubert das Publikum

Sie sieht nicht so aus. Und ihr Name hört sich nicht so an. Aber sie ist eine echte Norddeutsche - die Pianistin Shin-Heae Kang. Die als Tochter koreanischer Eltern geborene Kielerin verzauberte am Sonntagnachmittag – am Tag ihres 28. Geburtstags - das begeisterte Publikum beim lange ausverkauften Museumskonzert der Brahms-Gesellschaft auf der Museumsinsel Lüttenheid.

Shin-Heae KangDer Ruf ihrer pianistischen Hochbegabung war Shin-Heae Kang offenbar vorausgeeilt, denn Besucher aus ganz Schleswig-Holstein waren nach Heide gekommen, um sie zu erleben. Bereits 2009 war die Gewinnerin zahlreicher Musikpreise zu Gast im Brahms-Haus, verbindet sie doch eine besondere Beziehung zu dem Komponisten mit Dithmarscher Wurzeln. 2010 beendete Kang ihr Studium mit einer Arbeit über die dritte Klaviersonate von Johannes Brahms mit Bestnote und Auszeichnung.

Shin-Heae Kangs musikalische Karriere begann bereits mit zwei Jahren, als sie die koreanischen Lieder ihrer Mutter auf dem Klavier nach Gehör nachspielte. Ein Jahr später erhielt sie ihren ersten Klavierunterricht. Im Alter von sechs Jahren wurde sie als jüngste Vorstudentin überhaupt an der Musikhochschule Lübeck aufgenommen. Danach studierte sie bis zu ihrem Abschluss vor fünf Jahren in Hannover weiter. 2011 wurde die große Pianistin Martha Argerich auf sie aufmerksam und fördert seitdem ihre Karriere.

Für ihr Heider Konzert hatte die Künstlerin ein technisch und künstlerisch hoch-anspruchsvolles Programm ausgewählt. Mit Werken von Scarlatti, Schubert, Chopin, Liszt und Brahms schlug sie einen großen Bogen durch die Klavier-Literatur und entführte die Zuhörer in eine Welt klassischer Poesie voller Klangfarben, wie man sie selten zu hören bekommt.

Faszinierend ist vor allem die gestalterische Bandbreite, die die Pianistin beherrscht. Kraftvoll zupackend, aber auch zart und zurückhaltend – schier unbegrenzt ist die Vielfalt der Darstellung. Das wurde schon deutlich bei der 25-minütigen „Wanderer-Fantasie“ von Franz Schubert. Ein nachdenkliches Adagio, ein heiter-aufgelockertes Presto, das fast tänzerisch erklang, aber auch kräftige Passagen darbot, führten zum emotional aufgewühlten Final-Allegro mit pompösem Schluss. Leicht und gefühlvoll hingegen war ihr Anschlag bei Scarlattis kurzer Sonata. Fast zärtlich schien sie bei Chopins „Nocturne“ die Tasten zu berühren, um dann beim virtuosen „Scherzo“ umso kräftiger die dramatischen Momente zu betonen.
Mit den „Paganini-Variationen“ von Brahms setzte Kang ihr Programm nach der Pause fort. Auch dieses Werk spielte sie in atemberaubender Technik und verstand es, den musikalischen Charakter selbst in schwierigsten Passagen herauszuarbeiten. Die Kielerin zeigte einen Komponisten, den wir aus dem Blickfeld verloren haben, nämlich Brahms, den Klaviervirtuosen mit seiner kauzigen Lust an pianistischen Kabinettstückchen und humorigen Verzerrungen.

Das Werk von Franz Liszt ist dem breiten Publikum weitestgehend bekannt. Und doch gibt es in seinem Oeuvre auch seltener gehörte Stücke. Wie seine „Rhapsodie espagnole“. Das schwer zu spielende Klavierstück, das auf sehr charmante Weise in eine spanisch-folkloristische Klangwelt entführt, erfuhr – wie zuvor die „Widmung“ - eine makellose Wiedergabe durch Shin-Heae Kang. Am Ende gab es Blumen, auch aus dem Publikum, ein Geburtstags-Ständchen und einen lang anhaltenden Beifall, der zu einem weiteren Chopin-Nocturne als Zugabe führte. (Text/Foto: Andreas Guballa)




Ein Abend musikalischer Gegensätze

Die Sängerin Neele Kramer, der Cellist Jonas Palm und der Pianist Philipp Heiß boten beim Adventskonzert der Brahms-Gesellschaft ein kontrastreiches Programm zwischen Romantik und Avantgarde.

Jonas Palm, Neele Kramer und Philipp Heiß (v.l.)Normalerweise ist das deutsche Kunstlied ein Sorgenkind für Konzertveranstalter. Für die Lieder der Romantik ist es oft schwer, ein größeres Publikum zu gewinnen – zumindest wenn kein bekannter Star auf dem Programm steht. Immerhin gehört das Genre zur anspruchsvollsten Gattung der Musikliteratur. Und so ist es der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein wieder einmal hoch anzurechnen, beim diesjährigen Adventskonzert dem begabten Nachwuchs eine Chancen zu bieten. Die Sängerin Neele Kramer, der Cellist Jonas Palm und der Pianist Philipp Heiß wurden im Frühjahr von der strengen Jury des Deutschen Musikrates zum Trio auserkoren und gastieren seit dem Sommer mit einem kontrastreichen Programm in ganz Deutschland, das die innigen Lieder von Schumann und Brahms mit Märchenvertonungen von Janacek, avantgardistischen Stimmgemälden von Frank und den Cabaret Songs von Britten zusammenbringt. Auf der gut besuchten Museumsinsel Lüttenheid fanden die drei jungen Künstler dafür ein aufmerksames Publikum. Der erste Konzertteil widmete sich ganz der Blütezeit des Kunstliedes, dem 19. Jahrhundert. Mit ihrem hellen, klaren Mezzosopran ist Neele Kramer die ideale Besetzung für den Liedgesang. Sowohl in der substanzvollen Balance mit Klavier und Cello in den „zwei Gesängen op. 91“ von Brahms als auch im Duo mit Philipp Heiß in einer Auswahl von Liedern aus Schumanns „Myrthen op. 25“ gelang es der Sopranistin mit ihren beiden Partnern, den subtilen Wechsel zwischen drängender Dramatik und selig-romantischer Melodik herauszuarbeiten. Auch die eingängigen und melodiösen Kostbarkeiten in Schumanns „fünf Stücken im Volkston op. 102 für Cello und Klavier“ erklangen in aller Klarheit und Prägnanz. Das Duospiel von Jonas Palm und Philipp Heiß vermittelte enorme Sicherheit und Vertrautheit im musikalischen Austausch und in der künstlerischen Dynamik.

Nach der Pause widmeten sich Palm und Heiß einer Komposition von Leos Janacek: „Pohádka“ (Märchen), eine musikalische Erzählung im Stile Tschaikowskys, in der beide Solisten sowohl die romantischen Passagen als auch die leidenschaftlichen Sätze mit ausgeprägter dynamischer Differenzierung interpretierten. Einen faszinierenden Einblick in die zeitgenössische Musik gelang dem Trio anschließend mit dem Auftragswerk „Art Brut VI“, einer Rekursion über Schuberts „An den Mond“ des 27jährigen Nürnberger Komponisten Andreas Eduardo Frank: ein farbenreicher Bilderbogen mit hier flirrenden, dort tänzelnden Figuren der kurz anklingenden Cellostimme und ungewöhnlichen Verschränkungen mit gezupften Klaviersaiten, während der Text zum Teil in ein Megafon gesungen wurde.

Mit Brittens reizvoll neckenden „Cabaret Songs“ über die Spielarten der Liebe und Previns gospelartigen „Songs für Gesang, Cello und Klavier“ beendete das Trio den Ausflug in die avantgardistische Musik und ihren eindrucksvollen Abend der musikalischen Gegensätze. (Text/Foto: Andreas Guballa)





Facettenreiches Spiel mit jugendlichem Esprit
Das Aris Streich-Quartett beherrscht die pure Lust am Musizieren

Mit Konzerten an ungewöhnlichen Orten will die Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein neue Zielgruppen erschließen und verstärkt Kinder und Jugendliche für klassische Musik begeistern. Aus diesem Grund gab es am Sonntag nicht nur das gewohnte Museumskonzert am Nachmittag, sondern anschließend noch ein Überraschungskonzert im Bistro „Marktpirat“.

Aris Streichquartett Mit dem Aris Quartett hatten die Veranstalter genau die richtigen Protagonisten gefunden. Das bereits mehrfach international ausgezeichnete Ensemble bewies zunächst auf der ausverkauften Museumsinsel Lüttenheid eindrucksvoll, warum die Gattung Streichquartett von der Wiener Klassik bis in die heutige Zeit als Königsdisziplin der Kammermusik gilt. Schon ins Beethovens kompaktem „Quartetto serioso“ op. 95 fanden Anna Katharina Wildermuth (Violine), Noémi Zipperling (Violine), Caspar Vinzens (Viola) und Lukas Sieber (Violoncello) einen überzeugenden Zugang und interpretierten die Gedanken und Motive in einem präzisen, farbenreichen Klangbild.

Der zweite Programmpunkt war einem zeitgenössischen Werk gewidmet, das „Officium breve“ op. 28 des 1926 geborenen ungarischen Komponisten György Kurtág. Dank einer kurzen Werkeinführung konnte Kurtágs Meisterschaft der kleinen Form, der atemberaubenden Beziehungen zwischen nur wenigen Tönen zum Gedenken an den verstorbenen Komponisten-Kollegen Endre Szervánszky vom Publikum plastisch nachvollzogen werden.

Voll ausspielen konnte sich das Ensemble nach der Pause bei dem 30-minütigen Streichquartett Nr. 4 e-Moll op.44/2 von Felix Mendelssohn, ein schon zur Zeit seiner Entstehung vom Publikum hoch geschätztes Werk und das erklärte Lieblingsstück der Musiker. Ganz „con passione“ gespielt von Anfang bis Ende, mit Hingabe und ungezügelter Lust entfaltete sich Quartett-Klang wie aus einem Guss.


Mit anhaltendem Applaus erklatschte sich das Auditorium als Zugabe den ersten Satz aus dem a-moll Quartett von Brahms, das das vor kurzem als eines der überzeugensten Newcomer-Formationen prämierte Ensemble mit sicherem Verständnis für die komplexe motivische Arbeit des Komponisten mit Dithmarscher Wurzeln interpretierte. Spätestens in diesem Moment stellte sich mancher Zuhörer die Frage, wohin sich die vier noch jungen Musiker entwickeln werden, wenn sie schon jetzt eine solche Perfektion an den Tag legen.

Dass das Aris Quartett die pure Lust am Musizieren beherrscht, bewiesen die talentierten Studenten der Frankfurter Aris StreichquartettMusikhochschule auch im anschließenden Überraschungskonzert im „Marktpirat“, für das ausschließlich über soziale Netzwerke geworben worden war. „Die Idee ist, dass wir zu den Leuten gehen und nicht darauf warten, dass sie zu uns kommen,“ so der neue Vorsitzende der Brahms-Gesellschaft, Joachim Nerger.
„So ein Konzert bietet eine größere Direktheit zum Publikum.“ Mit jugendlichem Esprit boten die vier Musiker noch einmal ein facettenreiches Spiel mit Mendelssohn, Bizet und Piazolla zwischen Bier und Burger. Dem Publikum gefiel's:„Glückwunsch zu diesem entspannten Setting!“, „Crossover der Stile - absolut gelungen!“ und „Unbedingt wiederholen“ waren nur einige der begeisterten Reaktionen. (Foto/Text: Andreas Guballa)




Jugendliche Frische und Leidenschaft
Kontrastreicher Saisonstart der Museumskonzerte

Besser hätte der Auftakt der Winterkonzertsaison nicht gelingen können. Die Brahms-Gesellschaft präsentierte am Sonntag auf der Museumsinsel Lüttenheid mit der Violinistin Friederike Jahn und dem Pianisten Asen Tanchev ein Duo, das jugendliche Frische und Leidenschaft mit Virtuosität und Spielfreunde paarte. In ihrem ausverkauften Konzert präsentierten sie ein kontrastreiches Programm, das die Hörgewohnheiten des Publikums herausforderte.

Duo Tanchev-Jahn Die 25jährige Dresdnerin Friederike Jahn und der 22jährige gebürtige Bulgare Asen Tanchev lernten sich 2010 bei einem Kammermusikfestival in den Niederlanden kennen und konzertieren seit drei Jahren als festes Duo regelmäßig im In- und Ausland. In den Jahren ihres Zusammenspiels haben sie eine bis ins kleinste Detail aufeinander abgestimmte Musizierweise entwickelt, die ihrem Konzert auf der ausverkauften Museumsinsel Lüttenheid sehr entgegenkam. Schon in Ludwig van Beethovens „Sonate Es-Dur op. 12 Nr. 3“ agierten beide Interpreten äußerst synchron. Jugendliche Frische im Eingangssatz, Eleganz und Grazie im bekannten Adagio und eine ungehinderte Musizierfreude im schnellen Rondo entsprachen ganz dem Inhalt des reinen Notentextes. Jeder ließ dem anderen seinen interpretatorischen Freiraum, um gemeinsam einen engen, musikalischen Klavier-Violinen-Dialog zu entwickeln. Deutlich arbeiteten die Musiker die kantablen Seitenthemen heraus und steigerten sich zu einem virtuosen Schlagabtausch in rasenden Läufen und galanter Ausführung.

Wie perfekt aufeinander abgestimmt die beiden Master-Studenten an der Musikhochschule Hannover sind, zeigte sich auch bei der dramatischen „Sonate f-Moll op. 80 Nr. 1“ von Sergej Prokofjew, die unter dem Eindruck des Zweiten Weltkrieges in den Jahren 1938 bis 1946 entstanden ist und immer wieder bearbeitet wurde. Mit gewagter Harmonik und Dissonanzen bringt Prokofjew seine Hörer bis an die äußersten Grenzen der Tonalität. Souverän und in perfektem Zusammenspiel brachten die beiden jungen Künstler die Musik voller bohrender Rhythmen und wilder Motorik zum Leben und vermittelten ihren Zuhörern den Eindruck brutaler kriegerischer Zusammenstöße. In dem vom Komponisten selbst mit „Wie über einen Kirchhof streichender Wind“ betitelten Stück schuf das Duo durch die Intensität und Leidenschaft ein dramatisches, musikalisches Bild des eisigen Frösteln Prokofjews, das die Hörgewohnheiten des Publikums herausforderte.

Für den zweiten Konzertteil hatten die beiden Musiker die „Sonate A-Dur op. 13 Nr. 1” von Gabriel Fauré gewählt, ein Stück voll von emotionalen Klangfarben, erfüllt mit Poesie und Wärme. Der Komponist spickt die Ecksätze mit anspruchsvollen geigerischen Delikatessen, hält das Klavier als quasi orchestrale Begleitung in steter Bewegung. Im Andante schwingt sich die Violine aus düsterem Moll chromatisch aufsteigend in schwindelerregende Höhen, während das Scherzo beiden Interpreten enorme technische Fähigkeiten abverlangt. Das Finale fordert nochmals romantische Höhenflüge, was Friederike Jahn und Asen Tanchev mühelos und mit großer Spielfreude bewältigten. Das begeisterte Publikum war sich einig: so ein inniges miteinander Musizieren wie bei diesem jungen Duo erlebt man nur selten.
(Foto/Text Andreas Guballa)




Klassik auf die Club-Art
Neue Führungsspitze der Brahms-Gesellschaft setzt auf den Nachwuchs


Anja Piening und Joachim NergerJoachim Nerger und Anja Piening will verstärkt Kinder und Jugendliche für klassische Musik begeistern. Vorurteile über klassische Musik gibt es einige – langweilig, sagen manche. Langatmig und schwerfällig, sagen andere. „Ich glaube, dass Menschen, die wenig mit klassischer Musik zu tun haben, sich eine zu enggestrickte Vorstellung von dieser Art Musik machen“, sagt Anja Piening, die neue Geschäftsführerin der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein.

Genau damit wollen Joachim Nerger, der neue Vorsitzende der Brahms-Gesellschaft, und sie bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aufräumen. „Ansätze dafür haben wir schon in den Köpfen“, sagt Nerger, der in Hamburg eine Künstler-Agentur für Musiker der Klassik betreibt. Wie im Jazz- und Pop-Bereich wollen sie künftig Club-Konzerte anbieten. „Diese Konzerte bieten eine größere Direktheit zum Publikum“, so der 60-Jährige.

Dafür sind Piening, die bereits für die Plattenfirmen Universal Music und Warner Music arbeitete, und er momentan auf der Suche nach geeigneten Veranstaltungsorten. „Die Idee ist, dass wir zu den Leuten gehen und nicht darauf warten, dass sie zu uns kommen“, sagt die 36-jährige Anja Piening. Wenn es sich anbiete, würden sie mit diesem Konzept auch über die Stadtgrenzen hinaus gehen. Und noch etwas soll bei den Club-Konzerten anders sein, als bei den üblichen Veranstaltungen der Gesellschaft: „Vielleicht macht man das auch mal zu einer ungewöhnlichen Zeit, und nicht um 18 oder 20 Uhr“, so Nerger. Die Auftritte sollen dann auch kürzer sein als ein üblicher Konzertabend.

Doch nicht nur die jungen Erwachsenen will die neue Führungsriege der Brahms-Gesellschaft für die klassische Musik gewinnen. Geplant sind auch Familien- und Kinderkonzerte. Die Idee dahinter: „Viele Eltern gehen zum Beispiel Sonntags nicht in ein Konzert, weil sie die Zeit lieber mit ihren Kindern verbringen“, sagt Piening, die selbst Mutter ist. Mit einem speziell auf Familien zugeschnittenen Programm kann man sowohl den Nachwuchs als auch die klassisch-interessierten Eltern zu den Auftritten locken.

An den Museumskonzerten im Herbst und Winter wird jedoch nicht gerüttelt. Dort soll alles beim alten bleiben. Ein anderer Wind soll es hingegen bei den Brahms-Wochen geben. „Wir wollen die Möglichkeit nutzen, auch ausländische Musiker wenigstens zu den Brahms-Wochen zu holen“, sagt Nerger. „Es gibt von Land zu Land immer einen anderen Blickwinkel.“
So hätten französische Musiker ein ganz anderes Verständnis für Brahms als hierzulande und deutsche Musiker ein anderes für Debussy als ihre Kollegen aus Frankreich. Vor diesem Hintergrund verspricht sich Joachim Nerger auch neue Eindrücke für das Publikum. Und auch im Brahms-Haus soll es im kommenden Jahr vorwärts gehen. „Schon unsere Vorgänger haben sich mit einer Neuausrichtung des Museums beschäftigt“, so Nerger. Momentan laufen Gespräche, wie die konkret aussehen könnte. Im Gespräch sind unter anderem eine andere Präsentation der vorhandenen Ausstellungsstücke, zum Beispiel mit Audio-Führungen – eine weitere frische Brise in dem Konzept der beiden. (Text/Foto: Dana Müller)



Feuer der Begeisterung für die Musik
Professor Eckart Besch mit der Verdienstmedaille der Stadt Heide ausgezeichnet

Thomas Quasthoff, Anne-Sophie Mutter und Thomanerchor Leipzig – ohne den Vorsitzenden der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein mit Sitz in Heide, Professor Eckart Besch, wären diese und andere Künstler von Weltformat nie nach Dithmarschen gekommen, ist sich Bürgermeister Ulf Stecher sicher. Dem heute 82jährigen sei es gelungen, die Stadt Heide immer wieder zu einem Ort von musikalischen Darbietungen auf höchstem künstlerischen Niveau zu machen. Für sein künstlerisches Engagement und seine außerordentlichen Verdienste wurde Eckart Besch nun mit der Verdienstmedaille der Stadt Heide ausgezeichnet.

„Eckart Besch hat ein Feuer der Begeisterung für die klassische Musik in unsere Stadt und Region getragen, welche unsere Gesellschaft kulturell reicher macht“, so Bürgermeister Ulf Stecher in seiner Laudatio. „Durch sein engagiertes niveauvolles Wirken hat er sich bleibende Verdienste um unsere Heimatstadt Heide erworben.“ Besch und der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein sei es zu verdanken, dass Heide heute selbstbewusst mit seinem kulturellen Erbe umgehe und in den vergangenen Jahren für weltbekannte Musikerinnen und Musiker zum vertrauten Terrain geworden sei, so Stecher weiter. Daneben habe sich das Brahms-Haus in Heide neben der Kieler Forschungsstelle der Johannes Brahms Gesamtausgabe an der Christian-Albrechts-Universität und dem Lübecker Brahms-Institut zu einem international anerkannten Zentrum der Brahms-Pflege entwickelt.

Dem damaligen Bürgermeister Jan Christian Erps ist es zu verdanken, den Pianisten und ehemaligen Hochschullehrer Besch in schwierigen Zeiten 1996 für den Vorsitz der Gesellschaft zu gewinnen. Mit ihm begann eine Ära, in der die Gesellschaft sehr rasch und anhaltend über nahezu zwei Jahrzehnte ihre stabile, glänzende Erscheinung erreichte, die man heute mit ihrem Namen verbindet. „Sie wurden niemals müde, den Bezug des großen Meisters Johannes Brahms zu seinem Stammhaus in Lüttenheid zu verkünden und dabei die Nähe zur benachbarten Klaus-Groth-Gesellschaft zu suchen“, begründete Stecher die Auszeichnung. Stechers Dank galt aber nicht nur dem Preisträger selbst. Seine Arbeit könne Eckart Besch nur deshalb so gut machen, weil ihm mit Elisabeth Piening eine tatkräftige Frau in der Geschäftsführung und seit langem auch in der gemeinsamen Lebensgestaltung zur Seite stehe. Dass Besch Dithmarschen so lange treu geblieben ist, habe sie wohl erst möglich gemacht. „Die Auszeichnung ist eine große Ehre für mich und die Brahms-Gesellschaft“ bedankte sich Besch und ergänzte gewohnt verschmitzt: „...und Freude bereitet sie mir auch“. Nach 18 erfolgreichen Jahren übergibt Besch den Vorsitz der Brahms-Gesellschaft an den Hamburger Musikwissenschaftler und Konzertveranstalter Joachim Nerger. Auch für Elisabeth Piening endet nach zwei Jahrzehnten die Arbeit als Geschäftsführerin. Ihre Nachfolge tritt die Medienkauffrau Anja Wirrwa an.




In perfektem Gleichgewicht
Die Brüder Benjamin und Johannes Moser wurden am Sonnabend in Heide mit dem mit 10 000 Euro dotierten Brahms-Preis 2014 ausgezeichnet.

Wenn ein langjähriger Weltstar und zwei junge Musiker auf dem Sprung zur Weltkarriere gemeinsam in Heide auftreten, kann das nur bedeuten: es ist Brahms-Preisverleihung. Am Sonnabend wurden der Cellist Johannes Moser (35) und sein Bruder, der Pianist Benjamin Moser (33), mit der renommierten Auszeichnung der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein geehrt.

Brahmspreisverleihung 2014Die Laudatio hielt die Tante der Preisträger, Kammersängerin Edda Moser. Der weltberühmte Opernstar machte deutlich, dass die Musik den Brüdern in die Wiege gelegt wurde: die Eltern sind Musiker, der Großvater war ein bekannter Musikwissenschaftler und der Urgroßvater künstlerisch und menschlich mit dem Komponisten Johannes Brahms befreundet. „Das größte Vergnügen meines Vaters bestand darin als kleiner Bub auf den Knien von Johannes Brahms geschaukelt zu werden,“ erinnerte sich die Sopranistin an sonntägliche Erzählungen aus ihrer Kindheit. „Nun tragt die Fackel weiter“ gab sie ihren Neffen, die auf den Konzertpodien dieser Welt zuhause sind, mit auf den Weg. Für die Musiker ist Johannes Brahms ein wichtiger Wegbegleiter ihrer bisherigen Laufbahn. Beide versicherten: „Der Brahms-Preis verpflichtet, sich der Auszeichnung würdig zu erweisen und weiter in den Brahms'schen Musikkosmos einzusteigen.“




In ihren Grußworten lobte Kulturministerin Anke Spoorendonk das wertvolle kulturelle Engagement der Brahms-Gesellschaft. Die Beschäftigung mit Johannes Brahms habe in Schleswig-Holstein eine gewisse Tradition, sie sei aus Sicht der Landesregierung hoch erfreulich und notwendig. „Brahms' Werke faszinieren noch heute, sie animieren zu Spitzenleistungen und geben auch den Preisträgern dieses Jahres eine würdige Aura“, so die Ministerin. Bereits im Vorfeld hatte Bürgermeister Ulf Stecher im Namen der Stadt Heide den Preisträgern und der Brahms-Gesellschaft zu ihrer ausgezeichneten Arbeit gratuliert: „Wir sind stolz, dass die heutige Verleihung des Brahms-Preises an zwei international renommierte Musiker ganz in der Nähe des historischen Stammhauses der Familie Brahms stattfindet.“ „Spitzen ihrer Zünfte“ nannte Vorsitzender Eckart Besch die Preisträger, die zwischen den Kontinenten pendeln und die Erfahrungen gewonnener Wettbewerbe in aller Welt für das Publikum in hinreißende Konzerterlebnisse verwandeln. 

Dass sie würdig sind, sich in die hochkarätige Reihe der Brahms-Preisträger einzureihen, bewiesen Benjamin undJohannes und Benjamin Moser Johannes Moser dann in der sonnendurchfluteten Atmosphäre von Heides „gläsernem Konzertsaal“ im Pavillon der Nord-Ostsee-Automobile. Obwohl die beiden Brüder bisher kaum zusammen musiziert haben, wirkte das Miteinander beider Ausnahmekünstler vertraut und harmonisch, was sich in perfektem Gleichgewicht niederschlug. Schon bei den einleitenden Interpretationen von Beethovens „Variationen über das Thema ,Bei Männern, welche Liebe fühlen‘“ und den Brahms-Liedern konnte man feststellen, dass sich die Brüder blendend verstehen und zu einer gemeinsamen Sprache gefunden haben. Obwohl beide renommierte Solisten mit großartigen Fähigkeiten sind, ging es ihnen nicht darum, sich selbst in den Vordergrund zu spielen.

Wie gut das Duo in Phrasierung und Ausdruck harmoniert, zeigte sich abschließend in Brahms‘ Sonate Nr. 1 e-Moll. In der Art wie die Beiden miteinander musizierten und aufeinander hörten, wurde die gemeinsame musikalische DNA spürbar. So viel ausgewogene Duokunst bedachte das Publikum mit begeistertem Beifall und erklatschte sich zwei Zugaben für den lauen Mitsommerabend. (Text/Fotos: Guballa)




Stehende Ovationen für den Maestro
Gefeiertes Jubiläums- und Geburtstagskonzert mit Justus Frantz und der Philharmonie der Nationen

Er darf sich Maestro nennen, und so wird Justus Frantz auch empfangen. Wenn der Stardirigent und Pianist nach Heide kommt, ist das Publikum begeistert.

Justus Frantz mit Solist Rodion Zamuruev und der Philharmonie der Nationen. Foto GuballaSeit Musik-Impresario Justus Frantz vor knapp 20 Jahren die Philharmonie der Nationen gründete, feiert er Welterfolge mit dem Gedanken von Völkerverständigung und Weltfrieden unter dem Motto „Let's make music as friends“. Für diese Idee wurde der Hamburger Weltbürger 1994 mit dem Brahms-Preis der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein ausgezeichnet. Zum 20jährigen Jubiläum der Preisverleihung kam der Stardirigent im Rahmen der Brahms-Wochen 2014 am Freitag – zwei Tage vor seinem 70. Geburtstag - ins Heider Tivoli. Neben seiner Philharmonie der Nationen hatte er für den Solopart in Mendelssohns Violinkonzert e-moll op 64 den russischen Geiger Rodion Zamuruev mitgebracht. Die rasanten Passagen, die virtuosen Kadenzen, mit erregtem Flattern, mit Doppelgriffen und rasenden Läufen, die in die höchsten Klangbereiche des Instruments führen, bewältigt der 45-jährige Oistrach-Stipendiat der Rostropowitsch-Stiftung mit Bravour.
Die Philharmonie begleitet souverän. Da passt jeder Ton, jeder Einsatz, die Ausgewogenheit zwischen Solist und Orchester ist perfekt. Immer wieder ist da Zwiegespräch zwischen dem Solisten und "Klangfeldern" aus dem Orchester: Klarinetten, Hörner, Flöte. Und immer wieder der Wechsel zwischen tänzerisch-schwungvoll und lyrisch, ehe Fanfarenstöße den Schlussspurt einleiten und die Solovioline einen hochvirtuosen Tanz intoniert, spritzig, prickelnd. Das Publikum rast vor Begeisterung.
Schon zuvor hatten die 52 Musiker aus allen Teilen der Welt in den „Haydn Variationen“ atmosphärisch dicht und kammermusikalisch transparent Brahms' weitgespannten Interpretationsbogen über den Choral St. Antoni zum Klingen gebracht.
In Beethovens 7. Sinfonie setzt Justus Frantz auf Kontraste und Konturen, die den seelischen Auftrag des Werkes unterstreichen. Beethoven befand sich zur Zeit ihrer Entstehung auf der Höhe seines Ruhms, allerdings verschlechterte sich gleichzeitig auch sein Gehör dramatisch. Nach Abstimmungsproblemen in der Hauptprobe am Nachmittag folgt das Orchester nun dem kleinsten Fingerzeig des Mannes am Pult und agiert auf luxuriösem musikalischem Niveau: in präziser Diktion, sensibel in nahtlosem Miteinander. Lupenreines Blech, homogene Streicher, überlegt, strukturiert, in vibrierender Vitalität.
Stehende Ovationen für den Maestro und seine jungen Musiker, die sich mit zwei Ungarischen Tänzen von Johannes Brahms bei den gut 500 Zuschauern bedanken. (Text/Foto: Guballa)




Ein unvergleichbarer Hörgenuss

Kammermusik mit Teufelsgeiger und Wunderhorn

Das Horn-Trio Breuninger – Mahni – Duis begeistert bei den Brahms-Wochen mit klangschöner Kammermusik des 19. Jahrhunderts

Warum Johannes Brahms im Mai 1865 in Baden-Baden ausgerechnet ein Trio für Violine, Waldhorn und Klavier komponierte, ist bis heute ungeklärt. Die Besetzung war bis dahin nicht existent, und erst 1982 hat György Ligeti ihr ein Schwesterwerk mit dem Titel „Hommage à Brahms“ an die Seite gestellt. Die einschlägige Brahms-Forschung vermutet, das Werk verdanke seine Entstehung einem eher außermusikalischen biographischen Anlass: Im Februar 1865 war in Hamburg die Mutter des Komponisten mit Dithmarscher Wurzeln verstorben und dies, so die Biographen, habe den 32-jährigen an das erste Lieblingsinstrument seiner Kindheit und Jugend erinnert: das Waldhorn. Bis heute gehört sein Opus 40 zu den klangschönsten und berührendsten Kammermusiken des 19. Jahrhunderts. Insbesondere wenn es von drei Persönlichkeiten der Musikszene dargeboten wird, wie es bei den Solisten der Brahms-Wochen 2014 am Sonntag auf der Museumsinsel Lüttenheid der Fall war. Sibylle Mahni (Horn), Laurent A. Breuninger (Violine) und Thomas Duis (Klavier) widmen sich mit großem Engagement der Kammermusik und sind auch international als Solisten gefragt. Die Ausdruckskraft jedes einzelnen, wie auch das harmonische Zusammenspiel des Trios ist außerordentlich und bietet einen unvergleichbaren Hörgenuss.

Laurent A. Breuninger verfügt über einen flexiblen runden Geigenton, der sich in Brahms' langsamen Satz voll und blühend entfalten und neben dem Ton des Horns bestehen kann. Die schwedische Hornistin Sibylle Mahni konnte mit warmem Hornklang, strömender Musikalität und schwelgerischer Emphase entzücken, getragen vom romantischen Klavierklang Thomas Duis'. Der genauen Abstimmung des Ensembles ist die gemeinsame Konzertpraxis anzumerken, so auch beim emotional tiefgründig interpretierten Adagio. Das vitale Allegro-Finale mit dem ungestüm galoppierenden Rhythmus markierte einen starken Abschluss.
Vor der Pause hatten die Künstler bereits in Duobesetzung ihre Meisterschaft bewiesen. Mit präziser, gleichwohl geschmeidiger Artikulation und reichen Klangschattierungen vermittelte Sibylle Mahni zusammen mit ihrem Klavierpartner Thomas Duis in Beethovens noch ganz der Naturtonmelodik und ihren Jagdmotiven verhafteter Sonate F-Dur ein äußerst lebendiges Bild ihres Wunderhorns.
Diesem Jugendwerk Beethovens stellten Laurent A. Breuninger und Thomas Duis in der berühmten A Dur Sonate ein Meisterwerk des reifen und gefestigten Komponisten César Franck gegenüber, das die Zuhörer durch ein großartiges Miteinander sofort mitnahm. Breuninger spielte auswendig, und das mit Feuer, Einfühlung und herrlicher Tongebung. Der Teufelsgeiger bestach mit Virtuosität, einer außerordentlichen Brillanz und perfekter Bogentechnik, die man bei manchem Geigenvirtuosen vergeblich sucht. Ihm zu Seite musizierte Duis in großer Sensibilität mit einem herrlich farbigen und variablen Anschlag bei müheloser Technik. Solopassagen kostete er blühend aus, und wie bei seinem Partner sind Läufe glitzernd, schimmernd, perlend. So viel ausgewogene Triokunst bedachte das Publikum der ausverkauften Soiree mit begeistertem Beifall und erklatschte sich mit Charles Koechlins zweitem Satz der „Quatre Petites Piecès“ ein romantisch-hauchzartes Musikstück für die laune Frühsommer-Nacht. (Text/Foto: Guballa)



Hohe Kunst des Volksliedes
Bariton Christoph von Weitzel gastiert im Brahmshaus

Volkslieder und das erlauchte „Konzert-Wohnzimmer“ im Brahmshaus, - passt das überhaupt zusammen? Aber sicher doch, und zwar ganz hervorragend! Insbesondere, wenn so hochkarätige Musiker wie der Sänger Christoph von Weitzel und Ulrich Pakusch am Klavier hinzukommen. Die Eintrittskarten für ihr Konzert waren binnen kurzer Zeit ausverkauft.

„Es ist uns ein tiefes Bedürfnis, während unserer Brahms-Wochen nicht nur elitäre Kammermusik anzubieten. Auch in dieser Hinsicht verwalten wir das Erbe von Johannes Brahms, der sich dem wertvollen Kulturgut der Volkslieder eng verbunden fühlte und sogar selbst einige volkstümliche Weisen komponiert hat“, sagt der langjährige Vorsitzende der Brahms-Gesellschaft, Professor Eckart Besch.
Dass Volkslieder-Texte einen tiefen Sinn haben können, führte Christoph von Weitzel durch seine intensive Interpretation vor Augen. Vertraute Lieder wie „Im schönsten Wiesengrunde“ oder „Der Lindenbaum“ klangen jetzt völlig neu. Das Kinderliedchen „Das bucklige Männlein“ wurde zu einer geheimnisvollen, aufregende Geschichte, und die locker-leichte Weise „Es hat ein Bauer ein schönes Weib“ kam wie eine spannungsgeladene Ballade daher. Einen völlig neuen, jetzt gar nicht mehr so schönen Sinn bekam das Heimatlied „Am Brunnen vor dem Tore“: „Bei eingehender Beschäftigung mit dem Text kam ich zu dem Schluss, dass hier nicht nur die Sehnsucht nach der Heimat, sondern auch nach dem Tod beschrieben wird“, so der Künstler.
Der dramaturgische Bogen seines Liederabends spannte sich vom Morgen bis zur Nacht, von der Kindheit bis zum Tod, vom Frühling bis zum Winter. Das begeisterte, meist ältere Publikum genoss den warmen, kraftvollen Bariton, ließ sich von der leidenschaftlichen Interpretation berühren und sang zwischendurch auch kräftig und textsicher mit. So auch Gottfried und Erna Wilhelm aus Erfde, die sich gegenseitig die Eintrittskarten zu ihrem 55. Hochzeitstag geschenkt hatten. „Das sind alles Lieder, die wir kennen und lieben. Viele davon haben wir auch selbst gesungen, - entweder im Chor oder zu Hause mit den Kindern“, freuten sie sich über den „wunderbaren und großartigen“ Vortrag, der erst nach zwei Zugaben beendet war.
Am Ende der Veranstaltung nahmen die Konzertgäste gern das Angebot wahr, den Abend in Anwesenheit der Künstler bei Wein und Gebäck ausklingen zu lassen. (Text/Foto Gaby Schütz)




Reibungsloser Übergang
Mitgliederversammlung der Brahms-Gesellschaft stellt Weichen für die Zukunft

Joachim Nerger und Anja Wirrwa übernehmen im August als Vorsitzender und Geschäftsführerin die Geschicke der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein. Das entschied am Freitag die Mitgliederversammlung mit überzeugender Mehrheit.

„Die Brahms-Gesellschaft ist gut aufgestellt und für die Zukunft gerüstet“ so das Fazit von Heinz-Dieter Schmidt, der für den erkrankten Schatzmeister Prof. Dr. Hans-Jürgen Block den Kassenbericht vortrug. Guten Gewissens kann daher Professor Eckart Besch den Vorsitz nach 18 Jahren im Sommer in jüngere Hände abgeben. Zumal mit Joachim Nerger ein idealer Nachfolger gefunden wurde, der einen reibungslosen Übergang garantiert. Der 59jährige Hamburger ist Inhaber eines Konzertbüros und kennt sich als langjähriger Künstlervermittler in der Klassikszene bestens aus. „Unter anderem habe ich ein Konzert für Justus Frantz und die polnische Kammerphilharmonie im Heider Tivoli organisiert“ stellte sich der studierte Ethnologe und Musikwissenschaftler den Mitgliedern vor. Er freue sich auf die neue Herausforderung und wolle das langjährige Erbe Beschs mit neuen Akzenten fortführen, denn „wer in große Fußstapfen tritt, hinterlässt keine eigenen Spuren.“ Nerger zur Seite wird zukünftig Anja Wirrwa als Geschäftsführerin stehen, denn auch Elisabeth Piening gibt diesen Posten nach zwei Jahrzehnten erfolgreicher Arbeit ab. Die gebürtige Dithmarscherin ist gelernte Medienkauffrau und hat lange Jahre in internationalen Musikverlagen gearbeitet. Familiäre Gründe führten die Mutter zweier Söhne vor kurzem zurück nach Oesterwurth. „Ich freue mich, mein Know How und meine Erfahrungen in der Musikbranche in die Brahms-Gesellschaft einbringen zu können“ so die 35jährige.

Eckart Besch unterstrich, wie schwierig es war, geeignete Fachleute zu finden, die sich der besonderen Anstrengung stellen, Kulturarbeit mit überregionaler Ausstrahlung auf dem platten Land zu gestalten. „Mit diesen beiden haben wir die Weichen für die Zukunft gestellt.“ Er freue sich, zukünftig die Früchte seiner langjährigen Arbeit entspannt als Zuschauer genießen zu können.

Professor Dr. Wolfgang Sandberger würdigte als stellvertretender Vorsitzender der Brahms-Gesellschaft und Leiter des Lübecker Brahms-Instituts die langjährige, erfolgreiche Arbeit des grandiosen 'Pas de deux' Besch/Piening, deren Wirken weit über Heide und die Region hinaus gewirkt habe. Auch Landrat Dr. Jörn Klimant bedankte sich bei dem 'Dreamteam' für deren Beitrag zur Kulturlandschaft Dithmarschens und wünschte dem neuen Führungsduo eine glückliche Hand. (Text/Foto: Andreas Guballa)




Musikgenuss hoch drei
Das Klarinettentrio Van Wauwe – Drescher – Gollej eröffnet die diesjährigen Brahms-Wochen

International, virtuos und äußerst erfolgreich präsentierte sich das Trio Van Wauwe – Drescher – Gollej zum Auftakt der diesjährigen Brahms-Wochen der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein: Alle drei Musikerinnen, die belgische, deutsch-koreanische und kasachische Wurzeln haben, vereint die Liebe zur Kammermusik, eine hochkarätige Ausbildung bei prominenten Lehrern sowie eine rege internationale Konzerttätigkeit.

Klarinettentrio Van Wauwe-Drescher-GollejEs ist kaum zu glauben, dass Anneline Van Wauwe (Klarinette), Simone Drescher (Cello) und Olga Gollej (Klavier) erst seit dem vergangenen Sommer zusammen musizieren – ganz zeitgemäß als Klarinettentrio gecastet vom Deutschen Musikrat - , denn einem solchen Gleichklang dreier Interpreten begegnet man nur selten. Sie scheinen nicht nur eins mit der Musik zu werden, sie verschmelzen – auch hinsichtlich des Ausschöpfens der klanglichen Möglichkeiten ihrer Instrumente – zu einem einzigen Klangkörper. Das mag zum einen daran liegen, dass das romantische Repertoire des Abends zu den bedeutsamsten und meistgespielten kammermusikalischen Werken für diese Instrumente gehört; zum anderen gehören die drei Romanzen von Schumann, die Sonate von Mendelssohn-Bartholdy und das Klarinettentrio von Brahms zu den „innig geliebten“ Stücken der jungen Musikerinnen.

Sehr schlüssig war das Programm konzipiert, das zunächst in Duobesetzung den gefühlvoll märchenhaften Seiten romantischer Klarinettenmusik gewidmet war. In den Schumann-Romanzen überzeugten die einfühlsame Wiedergabe und das ausgewogene Zusammenspiel. Anneline Van Wauwe spielte mit lebendigem Atem und seelenvoller Dynamik von Olga Gollej am Flügel mit feiner Anschlagskultur begleitet. Wilder und stürmischer stellte sich anschließend die junge Cellistin Simone Drescher mit der Sonate Nr. 2 D-Dur op. 58 für Violoncello und Klavier von Mendelssohn Bartholdy vor. Auch hier erlebte man wieder die wechselnde Führung der Instrumente - rasche Stimmungswechsel, expressives Forte und empfindsames Piano lagen eng beieinander.
In Brahms' Spätwerk, dem Klarinettentrio a-Moll op.114, konnten die drei Musikerinnen nach der Pause dann die durchgehend handwerklichen Qualitäten unter Beweis stellen, über die sie verfügen. Dem Trio gelang auf eindrückliche Weise die Herstellung einer spannungsgeladenen Stille. Immer wieder brachen die Instrumente aus der scheinbar ruhigen Atmosphäre aus. Hier gab es kein eindeutiges Soloinstrument, sondern drei kontrastierende Klangkörper, die sich vielschichtig ineinander weben.
Für den begeisterten Beifall bedankte sich das Trio abschließend mit dem 2. Satz des freundlich-heiteren Klarinettentrios von Carl Frühling aus dem Wiener Salon. (Text/Foto: Guballa)



Kammermusikabend mit außergewöhnlichem Programm
Das Rin Trio begeistert beim Abschlusskonzert der diesjährigen Museumskonzertsaison

Lesen Sie mehr über den Abend in der Dithmarscher Landeszeitung.



Musikalische Einstimmung auf Weihnachten

Es gibt Hunderte von weltlichen und geistlichen Weihnachtsliedern. Bei vielen kann man die Melodien mitsummen oder kennt die erste Strophe. Eine Auswahl der schönsten A Cappella Werke zwischen Renaissance und Romantik für diese Jahreszeit – oft in unbekanntem Arrangements - präsentierte das Ensemble Compagnia Vocale Hamburg mit ihrem Dirigenten Hans-Jürgen Wulf beim Adventskonzert der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein in der festlich geschmückten Museumsinsel Lüttenheid.

Document made with KompoZerDas Programm „Die lieben alten Weihnachtslieder“ sei eine Herzensangelegenheit von ihm gewesen, so der Vorsitzende Professor Eckart Besch bei der Begrüßung. Als junger Sänger des Leipziger Thomanerchores habe er selbst viele der Lieder und Motetten in der Adventszeit zur Aufführung gebracht. Und auch Johannes Brahms sei u.a. als Leiter des Wiener Singvereins von Komponisten wie Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach beeinflusst worden.

Die Reise durch die musikalische Jahrhunderte begann mit Andreas Hammerschmidts Vertonung über die Worte des 24. Psalms „Machet die Tore weit“ und stimmte die Zuhörer am dritten Adventssonntag auf das rund einstündige besinnliche und abwechslungsreiche Weihnachtskonzert mit kirchlichen, aber auch englischen und traditionellen Kompositionen ein. Zahlreiche Komponisten haben im Laufe der Zeit das berühmte „Es ist ein Ros entsprungen“ interpretiert – auf die verschiedensten Weisen. Eine kleine Auswahl von drei Versionen gab es auch im Rahmen des festlichen Adventskonzert zu bestaunen. Der mit 25 Stimmen besetzte Chor sang die dichten und ausdrucksstarken Kompositionen in stimmlicher Geschlossenheit. Wulf inspirierte seinen Chor mit dezenter Gestik zu fein nuancierter klanglicher Gestaltung: kraftvoll, doch ohne Forcieren im Forte, leuchtend auch im Piano, flexibel und mit klarer Diktion. Allerdings offenbarte die staubtrockene Akustik der Museumsinsel auch gnadenlos ehrlich jede Schwäche bei Intonation und Modulation. Das Publikum ließ sich einfangen von den bekannten, eingängigen Stücken wie „Es ist für uns eine Zeit angekommen“, „Was soll das bedeuten“ und „Ich steh an deiner Krippe hier“, die den Weihnachtsfunken überspringen ließen. Mit der Weihnachtshymne von Mendelssohn Bartholdy sowie der gemeinsam mit dem Publikum gesungenen ersten Strophe von „Es ist ein Ros entsprungen“ entließ das Ensemble die Zuhörer in bester vorweihnachtlicher Stimmung in den leider noch wenig winterlichen Dezemberabend. (Text/Foto: Guballa) 




Kammermusikalische Glanzlichter

Zwei junge, hochmusikalische Ausnahmetalente im Duo vereint: der 22jährige Geiger Tobias Feldmann und der 28jährige Pianist Boris Kusnezow. Beim Museumskonzert der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein setzten sie am Sonntag auf Lüttenheid mit einem Programm voller Pathos, Leidenschaft und Energie kammermusikalische Glanzlichter.

Tobias Feldmann und Boris KusnezowDie beiden Gewinner des Deutschen Musikwettbewerbs und Stipendiaten der Studienstiftung des deutschen Volkes musizieren erst seit gut zwei Jahren zusammen, doch einem solch' emotionalen Gleichklang zweier Interpreten begegnet man nur selten. Sie scheinen nicht nur eins mit der Musik zu werden, sie verschmelzen – auch hinsichtlich des Ausschöpfens der klanglichen Möglichkeiten ihrer Instrumente – zu einem gemeinsamen Klangkörper.
Schon in Ludwig van Beethovens Sonate Nr. 7 c-Moll agierten beide Interpreten äußerst synchron. Sie schmückten den Klang mit Farbe und Elastizität, sorgten für strukturelle Geschlossenheit der Komposition, arbeiteten widerstreitende Kräfte heraus und brachten sie gleichzeitig immer wieder in eine Balance.
Ungemein farbig präsentierte das Duo Claude Debussys Sonate g-Moll. Flageolett-Spitzentöne kontrastierten im Violinpart mit tief sonoren Lagen, begleitet von einem Pianisten, der mit seiner Interpretation des Werkes an Glockenklänge erinnerte. Dabei beeindruckte die Virtuosität beider Künstler, die das impressionistische Geflirre gewissermaßen mit intellektueller „Coolness“ bewältigten.
Mit ihrem dritten Stück, der Sonate in Es-Dur op.18 von Richard Strauss, setzten die beiden jungen Musiker dem Kammermusikabend einen fulminanten Schlusspunkt. Das wohl bedeutendste Kammermusikwerk des Romantik-Komponisten ist mit seiner überschäumenden Fantasie, thematischen Fülle und Farbigkeit eine beträchtliche Herausforderung für die jungen Interpreten. Großartig bewältigte Tobias Feldmann auf 'seiner' Stradivari von 1703,
die er von der Stiftung Deutsches Musikleben für 10 Jahre als Leihgabe erhalten hat, den schwierigen Violinpart. Er brachte sowohl das Klangsinnliche, die geschmeidige Eleganz, die irisierende Klangfarblichkeit als auch die rauschend virtuosen Passagen glänzend zur Wirkung. Glühend intensiv wirkte sein Spiel, dramatisch aufgebaut in den Steigerungen. Nicht minder faszinierend klang Boris Kusnezows Klavierpart in dieser Strauss-Sonate. Der Deutsch-Russe, der seine Kindheit in Dithmarschen verbrachte und erste musikalische Erfolge an der Dithmarscher Musikschule feierte, erwies sich als manuell blendender, sehr differenziert spielender Pianist, der die glitzernden, sehr bewegten Passagen mit aller Klarheit, Brillanz und Klangfarbengespür auf die Tasten legte. Das Publikum in der seit langem ausverkauften Museumsinsel - darunter Kusnezows damalige Klavierlehrerin Annegret Frick und Musikschullehrer Richard Ferret – zeigte sich höchst beeindruckt von diesem Duospiel. Für den langanhaltenden Beifall bedankte sich das hochmusikalische Duo mit einem schwärmerisch-melancholischen Liebesgruß: Edward Elgars Miniatur „Salut d'Amour“.
(Foto/Text: Andreas Guballa)




Vollkommene brüderliche Harmonie
Gelungener Auftakt der Museumskonzerte-Saison der Brahms-Gesellschaft

Ob es hinter den Kulissen genauso harmonisch zugeht wie auf der Bühne, wollten sie nicht verraten; doch beim Konzert der Brüder Wassily und Nicolai Gerassimez konnte das begeisterte Publikum am Sonntag ein perfektes Zusammenspiel der beiden Künstler erleben. Ein gelungener Auftakt der Museumskonzerte-Saison 2013-2014 der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein in Zusammenarbeit mit der Museumsinsel Lüttenheid.

Duo GerassimezVier Duo-Kompositionen bildeten das Programm, die Brüder blieben also durchweg unzertrennlich in diesem Konzert, der Ablauf wurde nicht durch solistische Interpretationen unterbrochen. Schnell wurde klar, dass ein derartig homogenes, nahezu intuitives Zusammenspiel zweier Künstler ein ganz enges künstlerisches aber auch persönliches Verhältnis voraussetzt. Schon seit ihrer frühen Kindheit musizieren die Brüder zusammen. Als Duo wie auch solistisch gewannen sie zahlreiche nationale und internationale Wettbewerbe.
Nach den vitaltänzerischen “Variationen über ein Thema von Rossini” des eher unbekannten Tschechen Bohuslav Martinu schien Schostakowitschs d-moll-Sonate dem Duo Gerassimez in den Genen zu stecken. Das Werk des russischen Komponisten meisterten der 22jährige Cellist und sein 28jähriger Bruder am Piano mit Spielfreude, Virtuosität und individueller Ausdruckskraft.
Ludwig van Beethovens Sonate Nr. 3 A-Dur bot den beiden Brüdern nach der Pause die Gelegenheit zu einem mitreißenden Wiedereinstieg ins Programm. Noch einmal zeigte sich, wie frei sich das Geschwisterduo in allen musikalischen Dimensionen bewegen kann. Die beiden Künstler spielten sich die musikalischen Bälle perfekt zu, sodass sich Klavier und Cello zu einer klanghaften Einheit verwoben.
Großen Tango erlebten die Zuhörer bei dem vierten Stück der Brüder. Tänzerisch, rhythmisch akzentuiert, von spielerisch leicht bis dramatisch – so präsentierten sie das Stück von Astor Piazzolla. Und man spürte die Begeisterung, mit der die beiden Brüder auf höchstem Niveau musizierten, ohne die individuellen interpretatorischen Freiheiten des einzelnen zu beschneiden. Nach reichlich Beifall gab es eine ganz besondere Zugabe: Die Eigenkomposition “Transition”, auf deutsch “Wandel”, von Wassily Gerassimez erkläre sich von selbst, so der Komponist. Stark an Jazz und klassischem Blues orientiert, hob das Werk die Grenzen zwischen den Instrumenten auf und verwandelte den Cellisten zum Solisten am Klavier und umgekehrt, forderte jeden der Brüder als Perkussionisten oder vereinte beide vierhändig an die Tastatur des Flügels.



Festliches Erlebnis großer Tastenkunst
Mit einem kraftvollen Finale enden die Brahms-Wochen 2013 in Heides gläsernem Konzertsaal

Wenn alljährlich bei Nord-Ostsee Automobile in Heide die Luxusschlitten aus der lichtdurchfluteten Ausstellungshalle geräumt werden und Platz für die Musik machen, dann heißt es wieder: „Herzlich Willkommen im gläsernen Konzertsaal zur Sommer-Klaviernacht der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein.“

Klavier-Sommernacht 2013

Gewidmet sind die musikalischen Sommerfeste, die mit zwei langen Pausen auch den Gesprächen und dem Genuss von kulinarischen Gaumenfreuden Raum geben, der großen Klaviermusik und ihren Interpreten: Mit David Theodor Schmidt, Elena Fischer-Dieskau und Ian Fountain war es dem Vorsitzenden Professor Eckart Besch wieder gelungen, drei Künstler aus der gegenwärtigen Weltspitze zu verpflichten, die das Publikum mit ihrem facettenreichen Spiel und einem vielfältigen Programm in Begeisterung versetzten.

David Theodor Schmidt

Seine Reife, glänzende Technik und Vielfalt pianistischer Ausdrucksmöglichkeiten bewies David Theodor Schmidt  bereits zu Beginn des Konzertmarathons mit Franz Liszts machtvoller Klaviertranskription "Präludium und Fuge über Bach". Das wirbelte, rauschte, explodierte, dass man zeitweilig den Eindruck hatte, der Solist müsse wohl jeweils vier Hände und Füße besitzen, um diesen unwiderstehlichen Mahlstrom in Gang zu setzen, der die Hörer unaufhaltsam in seinen Bann zog. Auch bei den 1854 von Johannes Brahms komponierten „Balladen Opus 10“ ist der 31jährige ganz in seinem Element und kostete den Reichtum an Farben und Emotionen genüsslich aus. Er hat sich tief in die Seele des jugendlichen Stürmers und Drängers hinein versenkt, der sich seine Erinnerungen an den Besuch bei den Schumanns von der Seele schrieb. Den Bogen schloss der Preisträger und Stipendiat bedeutender Organisationen mit Schumanns „Sonate für Klavier g-Moll op. 22“, die der Komponist 1838 seiner zukünftigen Frau Clara zusandte und die dramatisches Drängen mit Momenten verzückter Zartheit vereint. In Schmidts Interpretation klebte nirgendwo zu dick aufgetragenes Gefühl die Noten zusammen, vielmehr durchwehte eine erquickliche Herzensfrische die Sonate, der Erlanger spielte absolut natürlich: Alles ist durchdacht, minutiös analysiert und wunderbar poetisch gespielt.

Elena Fischer-DieskauAuch Elena Fischer-Dieskau, die Enkelin des Brahms-Preisträgers 1998 und Sängers Dietrich Fischer-Dieskau, hatte mit einer Auswahl aus „16 Walzern op. 39“ ihren Brahms im Gepäck. Das breite dynamische Spektrum wurde quer durch die kurzen Walzer so sorgfältig ausgeleuchtet wie die charakterliche Differenziertheit, in der sie zueinander stehen. Dann ließ die zierliche 25jährige den Flügel mit Sergej Prokojews „Sonate für Klavier op. 83“ erbeben. Die siebte Sonate genießt unter Pianisten den höchsten Ruf in technischer und inhaltlicher Hinsicht. Komponiert 1942 in den Wirren des Zweiten Weltkrieges stürzt die Sonate den Zuhörer in die bedrohliche Atmosphäre einer Welt, die das Gleichgewicht verloren hat. So begann Fischer-Dieskau den ersten Satz auch wild entschlossen und verlor sich dann lyrisch in ferne Traumwelten, um umso barbarisch virtuoser zurückzukehren. Unbarmherzig spritzig legte sie das Finale des Satzes hin. Die wunderschönen, getragenen Melodiebögen des zweiten Satzes entwickelte die Pianistin wie aus dem Augenblick heraus, als würde sie die Musik improvisieren. Liszts „Liebestraum“ bot dem gebannt lauschenden Publikum dann einen Moment des Atemholens.


Ian FountainNoch einen Schritt näher heran an die Kunst des intensiven Zuhörens führte Ian Fountain. Dank der Videoprojektionen auf zwei Leinwände konnte das Publikum nicht  nur hören, sondern fasziniert auch dabei zuschauen, wie der 42jährige Solist das kraftvolle Finale des Abends einläutete. Virtuose Akkord-Figurationen setzten in seiner Interpretation von Brahms "Vier Klavierstücken op. 119" magische Glanzpunkte. Johannes Brahms‘ letztes Werk für Klavier solo umfassen auf kurzem Raum noch einmal das ganze Ausdrucksspektrum seiner Klaviermusik: Sehnsüchtiges und Fröhliches, Graziöses und Pompöses, Heiteres und tief Trauriges. Fountain gestaltete das Spätwerk des Komponisten mit Dithmarscher Wurzeln geistvoll abgeklärt und traf den Sinn mit jeder einzelnen Note. So nah hat man Brahms in Tönen schon lange nicht mehr erlebt. Mit Beethovens berühmter Klaviersonate „Appassionata“ stellte der Brite dann noch einmal seine Meisterschaft des Abends unter Beweis. Das romantische Charakterstück gilt als Inbegriff expressiver solistischer Virtuosität und wird von wahren Beethoven-Kennern gleichmaßen geliebt wie gefürchtet. Auf dem Höhepunkt seiner kompositorischen Fähigkeiten hat Beethoven buchstäblich technisch alle Register gezogen. Mit hinreißender Technik, formal klar und transparent, dabei immer wieder eigene Akzente setzend meisterte Ian Fountain souverän das Standardwerk seiner Zunft. Selten hat man einen Pianisten gesehen, dessen Hände und Finger so schwindelerregend virtuos, so kraftvoll dynamisch, so spielerisch locker über die Tasten fliegen. „Da könnte ich ewig zuhören!“ flüsterte ein Zuhörer. Bravorufe und lang anhaltender Applaus belohnten den Interpreten für diese großartige Leistung und beendeten ein festliches Erlebnis großer Tastenkunst. (Text/Fotos: Guballa)




Ein deutsches Requiem nach Maß
Brahms-Preisverleihung: Festkonzert mit dem Flensburger Bach-Chor

Das deutsche Requiem von Johannes Brahms gehört seit Jahrzehnten zum festen Repertoire des Flensburger Bach-Chores. Nicht allein deshalb erhielten der Chor und sein Leiter Matthias Janz am 31. Mai den mit 10 000 Euro dotierten Brahms-Preis der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein.

Flensburger Bach-Chor und Matthias JanzBei einem Festakt in der Wesselburener St.-Bartholomäus-Kirche würdigte die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs das Wirken des Chores: „Solche Musik ist mehr als die Richtigkeit der Töne. Sie ist sogar mehr als die Komposition eines genialen Geistes wie Johannes Brahms.“ Musik sei eine Sprache, die wie keine andere „vermag, die Seele zu erreichen und das Herz“. Die Bischöfin, selbst in Wesselburen aufgewachsen, hob die regionale Besonderheit des Chores hervor, als grenzüberschreitendes Miteinander mit einer langen Tradition deutsch-dänischer Zusammenarbeit, oder wie der Vorsitzende der Brahm-Gesellschaft, Professor Eckart Besch hervorhob, „die nördlichste Bastion deutscher Brahms-Pflege.“ In Ihrem Grußwort für die Landesregierung dankte Kulturministerin Anke Spoorendonk der Brahms-Gesellschaft für ihr Engagement: „Ihre Arbeitund die ihrer Freunde bereichert unser Land. Sie haben mit dem Erhalt des Hauses der Familie Brahms in Heide, der Ausstellung im Hause selbst sowie den alljährlichen musikalischen Brahms-Wochen ein kulturelles Kleinod an der Westküste geschaffen, das viele Menschen und Musikfreunde unseres Landes und weit darüber hinaus begeistert.“
Es ist gewiss ein Schlüsselwerk von Johannes Brahms, ein naheliegendes Werk für einen Chor, der mit dem Brahms -Preis ausgezeichnet wird. „Ein deutsches Requiem“ ist Brahms‘ erstes größeres Werk für Chor und Orchester. Uraufgeführt 1869, ebnete es den Weg für den Durchbruch des jungen Komponisten. Die Komposition ist vielschichtig und lässt viele Aspekte anklingen, die zeigen, dass Brahms auf der Höhe seiner Zeit eindringliche Klangwelten erschloss. Losgelöst von der Tradition – ein Requiem ist ursprünglich eine Totenmesse – spendet das Brahms-Requiem vor allem Trost für die Hinterbliebenen, mehr noch, es ist ein anrührendes Erlebnis für die Nachwelt. Das Requiem will gehört werden. Der Flensburger Bachchor unter der Leitung von Matthias Janz sang in Wesselburen präzise und transparent, ausdrucksstark und begeisternd bis in kleinste Einzelheiten. Das Sønderjyllands Symfonieorkester  begleitete den Chor vortrefflich und dynamisch. Die Solisten Johanna Winkel, Sopran, und Martin Berner, Bariton, überzeugten mit ihren ausdrucksstarken Stimmen. Die Preisvergabe hat einmal die Aufmerksamkeit auf den Flensburger Chor gelenkt, der
eine feste musikalische Größe im Land ist. Allein die Aufführung des deutschen, des menschlichen Requiems in dieser Besetzung war den Preis wert.
Matthias Janz wurde 1947 in Lübeck geboren. Er studierte Musikwissenschaften und Theologie in Göttingen und Heidelberg/ Mannheim. 1975 kam er als Organist an die Sankt-Marien-Kirche in Flensburg. Seither hat er auch die Leitung des Bach-Chores inne.
Eine unvorhersehbare Unterbrechung gab es nach dem zweiten Satz. Eine Sicherung war herausgesprungen, der Paukist stand im Dunkeln und konnte seine Noten nicht lesen. Nachdem Ersatzbeleuchtung beschafft war, konnte das Konzert fortgesetzt werden, ein anrührendes Erlebnis, am Ende gab es lang anhaltenden Beifall.
(Quelle: DLZ/Text: Elko Laubeck/Fotos: Henning Voss.)
Einen Film über die Brahmspreisverleihung gibt es auf der Internetseite www.boyens-zeitungen.de.

Die Laudatio von Bischöfin Kirsten Fehrs finden Sie hier.

Document made with KompoZer
Vorsitzender Eckart Besch



Weltklasse-Sänger in Heide
Tenor Klaus Florian Vogt singt in seiner Heimatstadt

Benjamin MoserEs muss nicht immer Bayreuth, die Mailänder Scala oder die Metropolitan Opera in New York sein, um einen weltweit gefragten Wagner-Tenor zu erleben. Zwei Jahre lang hat die Brahms-Gesellschaft daran gearbeitet, den Sänger Klaus Florian Vogt, der 2012 den Echo Klassik als Sänger des Jahres erhalten hat, in seine Heimatstadt Heide zu holen. Am Dienstag ist ihr dieser Coup endlich gelungen. Und das begeisterte Publikum im lange ausverkauften Tivoli ließ sich nicht nur zum Mitsingen, sondern am Ende auch zu Standing Ovations hinreißen.

Er habe die Gralserzählung des Lohengrin „In fernem Land“ mittlerweile auf so vielen Bühnen der Welt gesungen, schmunzelte der sympathische Sänger, der gerade im Wagner-Jahr besonders gefragt ist. „Nun auch in Heide!“ Zusammen mit seiner Ehefrau, der Sopranistin Silvia Krüger, gestaltete Vogt für die Brahms-Wochen ein Programm, dass in der ersten Konzerthälfte mit Brahms-Vertonungen vor allem den Genius Loci würdigte; nach der Pause erklang ein Potpourri beliebter Opern- und Operettenmelodien.

Schon mit der Auswahl der Brahms-Lieder, darunter auch zwei Vertonungen von Groth-Gedichten, erwiesen sich die Sänger im Duett sowie solistisch als hervorragende Gestalter, die sowohl die melancholisch-ernsten wie auch die heiter-bewegten Gesänge mit sprachlicher und gesanglicher Klarheit, mit Intelligenz, Musikalität und erfrischender Geste vortrugen.

In der zweiten Konzerthälfte wechselten Vogt und Krüger mit zwei Mozart-Arien aus der „Zauberflöte“ dann zur eher leichten Muse. Mit der Puccini -Arie „O mio babbino caro“ (Oh mein liebes Väterchen) aus der Oper Gianni Schicchi eroberte Silvia Krüger, die ihrem berühmten Ehemann den ganzen Abend über ebenbürtig zur Seite stand, mit hell leuchtender Stimme und lebendigem Mienenspiel dann endgültig die Herzen der Zuhörer. Auch Klaus Florian Vogt hatte mit der Lohengrin-Arie sein Wagner-Bravourstück dabei. Wunderbar die ebenso sichere wie schmelzende Höhe der jungenhaft hellen Stimme, die über große Kraftreserven und langen Atem verfügt und dabei bemerkenswert artikulationssicher ist. Das hatte in jeder Hinsicht Bayreuth-Klasse. Zwischen den Arien plauderte Vogt munter über sein Debut als Tamino am Schleswig-Holsteinischen Landestheater in Flensburg, Pleiten, Pech und Pannen an der Dresdner Semperoper und peinliche Missgeschicke bei der Open-Air-Sommeroperette in Lübeck. Mit einer Auswahl schmissiger Operettenmelodien konnte das Sängerduo dann dem Affen am Ende noch einmal ordentlich Zucker geben, animierte das Publikum bei Kálmáns „Tanzen möcht' ich“ sogar zum Mitsingen. Standing Ovations und zwei Zugaben beendeten einen unvergesslicher Abend, der nicht nur dem Publikum, sondern auch den Künstlern sichtlich Spaß machte. (Foto/Text Andreas Guballa)



Klavierabend auf höchstem Niveau

Seit Benjamin Moser 2007 den Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerb gewann, hat er einen klingenden Namen in der Pianisten-Szene und ist ein gefragter Solist. Am Sonntag gastierte er im Rahmen der Brahms-Wochen 2013 auf der Museumsinsel Lüttenheid und sorgte mit der Kraft und Klarheit seines Spiels für Begeisterungsstürme.

Benjamin MoserSchon seine Auswahl der Musikstücke der deutschen Romantik zeugte von seinem immensen Können, denn das verlangte enorme Technik wie anmutige Klangpoesie. Als Hommage an den Jubilar Richard Wagner begann der 31jährige mit dem hochemotional gespielten Tristanvorspiel in einer Klavierbearbeitung von Zoltan Kocsis. Roberts Schumanns „Kinderszenen“ op. 15 würden zu unrecht als melodische Fingerübungen für Klavierschüler verkannt, so der Münchner Pianist, der das Programm demnächst beim Klavierfestival Ruhr spielen wird. Vielmehr seien die Miniaturen Kindheitserinnerungen aus den Augen eines Erwachsenen - verpackt in tiefgründige und philosophische Musik, mit denen der Komponist Maßstäbe für die romantische Klavierliteratur gesetzt hätte. Als ob er sie in diesem Moment selbst erlebte, interpretierte Moser diese Charakterstücke voller Klangfarbe, mit beseeltem Anschlag und zarten Schattierungen.
Aufregend gelang die 1. Klaviersonate von Johannes Brahms. Man konnte sich deutlich vorstellen, welch tiefen Eindruck der zwanzigjährige Brahms gemacht haben muss, als er sie 1853 in Düsseldorf dem Ehepaar Robert und Clara Schumann als musikalische Visitenkarte hinterließ. Auch Benjamin Moser gelang es, die quasi-orchestrale Farbigkeit der Musik herauszuarbeiten und dabei den volumenstarken Klang immer geschmeidig und transparent zu halten. Schwer vorstellbar, dass sich Johannes Brahms unter dem Eindruck von Mosers Spiel nicht mit seinem Jugendwerk ein wenig ausgesöhnt hätte.
Die ganze Reife seiner Interpretationskunst zeigte der junge Pianist nach der Pause in Franz Schuberts Sonate B-Dur aus dessen Sterbejahr 1828. Mit 31 Jahren, im Alter des Interpreten, schuf Schubert ein Meisterwerk des frühen romantischen Klavierstils, das das ganze Spektrum der menschlichen Gefühle entfaltet und durch ihren Reichtum an Empfindungen überwältigt. Mit bewundernswerter Konzentration legte Moser die endlosen melodischen Ströme des Werkes frei, dosierte die dynamischen Kontraste sparsam, aber sehr pointiert, formte den Einzelton ebenso kultiviert wie die weiten Gesangslinien. Die einkomponierten Stockungen, in denen die Zeit stehen zu bleiben scheint, erfüllte er mit so viel Dramatik, dass auch von Pausen zersetzte Teile ihren formalen Zusammenhalt behielten. Die nie nachlassende Spannung löste sich am Schluss in stürmischem Beifall. Benjamin Moser dankte mit der Prélude „Das flachsblonde Mädchen“ von Claude Debussy. Beim anschließenden Künstlertreff wünschten sich viele Besucher ein baldiges Wiederhören mit diesem exzellenten und sympathischen Interpreten, vielleicht im Zusammenspiel mit seinem Bruder Johannes, der zu den herausragenden Cellisten der jüngeren Generation gehört und mit dem er gerade ein Kammermusikrepertoire erarbeitet. (Text/Foto: Andreas Guballa)



Ersungenes Glück
Weltstar Edda Moser eröffnete die Brahms-Wochen 2013 mit
Einblicken in ihr bewegtes Leben

Kammersängerin Edda MoserSie ist die Königin der Nacht, die Opernsängerin des Weltalls: Edda Moser. Als Beispiel für die menschliche Gesangskunst wurde eine Aufnahme ihrer Interpretation der Arie „Der Hölle Rache“ aus Mozarts „Zauberflöte“ 1977 mit der Raumsonde „Voyager 2“ Richtung Mars geschickt und wird eine Billion Jahre im All kreisen. Doch nicht nur als Mozart-Interpretin brillierte Moser - die Sängerin zählte jahrelang zu den ganz Großen. Am Sonntag gab die 74jährige zum Auftakt der Brahms-Wochen 2013 im Gespräch mit Olivia Schnepf Einblicke in ihr bewegtes Leben auf der ausverkauften Museumsinsel Lüttenheid in Heide.

Am Ende des Abends brachte Heides Ehrenbürger Reinhard Woelk es auf den Punkt: „Es ist ein einmaliges Erlebnis dabei sein zu dürfen, wenn eine Künstlerin ihre Seele aufschließt.“ Vorher hatte die Kammersängerin das Publikum 90 Minuten lang mit auf ihren außergewöhnlichen Lebensweg genommen: vom Debut als Kate Linkerton 1962 an der Deutschen Oper Berlin über ihre Galeerenjahre durch kleinere Engagements an Provinztheatern, ihre Begegnungen mit dem Komponisten Hans Werner Henze, dem Dirigenten Herbert von Karajan, dem Sängerkollegen Luciano Pavarotti sowie dem Direktor der New Yorker Metropolitan Opera Rudolf Bing bis zu ihrem gesanglichen Vermächtnis, der Einspielung von Isoldes Liebestod „Mild und Leise“ aus Wagners „Tristan und Isolde“, nach der sie Abschied von der Bühne nahm. Denn eine Frage wollte sie nie hören: „Singt die Moser eigentlich noch?“
Frei nach dem Motto „Wenn das Glück an die Tür klopft, sollte man ihm öffnen“ hat sie stets mit Verve, einem Schuss Berliner Schnauze und dem nötigen Quentchen Fortuna ihre Chancen ergriffen, die sie auf den Gipfel des Erfolgs führten. Bis heute hält die Sängerin den Aufführungs-Rekord als Königin der Nacht und Donna Anna an der MET. Doch es war durchaus nicht immer Glück, das die Tochter des Musikwissenschaftlers Professor Hans Joachim Moser begleitete. Immer wieder auftauchende Selbstzweifel und Ängste, eine kurze, glücklose Ehe und die Einsamkeit waren ständige Wegbegleiter des Weltstars. „So war die Einsamkeit der beste Lehrer, der mich durch Disziplin, Demut vor dem Werk und grenzenlosem Fleiß zum ersungenen Glück führte“, so Moser in einem ergreifenden Moment.
Immer wieder setzte Moderatorin Olivia Schnepf im Gespräch mit der Künstlerin dezent Orientierungspunkte und ließ der unterhaltsamen Erzählerin Raum, selbst zu Wort zu kommen. Ihr Umgang mit der eigenen Vita ist erfrischend unverstellt, spontan und nicht immer schmeichelhaft für die Kollegenschaft. CD-Einspielungen ihrer Konzertarien, Oratorienpartien, Liederabende und natürlich der Rachearie verliehen den Erzählungen der Künstlerin dabei immer wieder eine besondere Note.
Als besonderer Tribut an den Genius Loci erklang auch Brahms' „Mainacht“; ihre Familie sei eng mit dem Komponisten verbunden, erzählte die Berlinerin. Ihr Großvater Andreas war Professor an der Königlichen Musikhochschule in Berlin und mit Johannes Brahms befreundet, ihr Vater habe auf Brahms' Schoss gesessen. Auch sie sei im Bewußtsein der Brahmschen Tradition aufgewachsen: „Wenn niemand da war, um auf das Kind aufzupassen, wurde Klein Edda unter dem Flügel geparkt, auf dem Vater Schumann und Brahms übte.“
Auch wenn Edda Moser sich von der Bühne zurückgezogen hat,
ist sie heute eine erfolgreiche, aber auch für ihre Strenge bekannte Gesangspädagogin und bringt als Professorin jungen Talenten das Singen bei. Darüber hinaus engagiert sie sich als Organisatorin des „Festspiels der deutschen Sprache“ für den Erhalt der deutschen Sprache. Ihr aktueller Coup: Um Finanzmittel aus dem Bundeskulturetat zu bekommen, hat sie dem Dramatiker Rolf Hochhuth abgerungen, ein Stück über das Leben von Martin Luther zu schreiben. Uraufführung am 6. September.

Nach dem fulminanten Auftakt der Brahms-Wochen mit Weltstar Edda Moser geht es am 21. April mit ihrem Neffen weiter. Denn die unerschöpfliche Familie der Mosers hat auch Benjamin Moser hervorgebracht, auf den sich besonders die Freunde des Klavierspiels freuen dürfen. Ein Pianist, der bereits international enormes Aufsehen erregt hat. Werke von Brahms, Wagner-Liszt, Debussy u.a. stehen auf seinem Programm. (Text/Fotos: Andreas Guballa)




Vier junge Musiker bezaubern das Publikum
Mariani-Klavierquartet zeigt instrumentale undvirtuose Meisterschaft

Sie kamen, sahen und bezauberten das Publikum: Die vier großartigen Musiker des Mariani-Klavierquartetts gastiertem im letzten Konzert der Wintersaison der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein in einem ausverkauften Haus auf der Museumsinsel.

Mariani KlavierquartettPhilipp Bohnen (Violine), Barbara  Buntrock (Viola), Peter-Philipp Staemmler (Violoncello) und Gerhard Vielhaber, (Klavier) hatten ein Programm ausgearbeitet, das im ersten Teil nicht nur Bequemes bot. Das Publikum war äußerst gespannt. Schon das Quartett von  Bohuslav Martinu verlangte Hörern und Interpreten größte Aufmerksamkeit ab. In diesem Werk verbinden sich konstruktive und streng  formale Elemente mit böhmisch- tschechischer Spielfreude. Es waren sehr ungewohnte Klänge für die Hörer der Brahms-Gesellschaft;  aber, so Professor Eckart Besch in seiner Begrüßung, die Brahms-Gesellschaft habe auch einen kulturellen Auftrag zu erfüllen und es gelte, auch Musik des 20. Jahrhunderts zur Kenntnis zu nehmen und zu erleben.
Zu einem Erlebnis  wurde der Quartettsatz  von Gustav Mahler und die folgende Hommage  á  Mahler  von Alfred Schnittke. Schnittkes grandiose Verarbeitung einiger Takte von Mahler weckten die Erinnerung an  diesen großen russischen Komponisten, der seine letzten Lebensjahre in Hamburg verbrachte und seiner langen Krankheit dort im Jahre 1998 erlag. Seine Musik spiegelt alles wider, was sein Leben ausmachte: Freude und Jubel, Komplexität und Aufschrei einer großen Seele. Das Publikum war von dieser modernen Musik tief ergriffen.
Nach der Pause war das Quartett in Es-Dur von Robert  Schumann zu hören, das den Interpreten noch einmal alle instrumentale und virtuose Meisterschaft abverlangt. Das Publikum war beglückt von der stupenden   Technik des Pianisten und der Klangseligkeit der wunderbar klingenden wertvollen Streichinstrumente.
Jubelnder Beifall, den der Geiger  Philipp Bohnen, der inzwischen Berliner Philharmoniker ist, mit der launigen Bemerkung quittierte:“  Wir danken Ihnen für diesen Beifall und möchten nicht von Hinnen ziehen, ohne eine Zugabe von Brahms zu spielen.“ Der letzte Satz des g-Moll Quartett von Brahms riss noch einmal zu Beifallsstürmen hin. Sie hatten gesiegt.




Es muss nicht immer Walzer sein
Spielfreudiges Duo Jeanquirit begeistert beim Neujahrskonzert der Brahms-Gesellschaft

Dass es nicht immer Wiener Walzer zum Jahreswechsel sein muss, bewies das Duo Jeanquirit beim Neujahrskonzert der Brahms-Gesellschaft auf der Museumsinsel Lüttenheid.

David Kindt (Klarinette) und Helge Aurich (Klavier)Stattdessen begeisterten David Kindt (Klarinette) und Helge Aurich (Klavier) auf ihrer Reise „In 80 Minuten um die Welt“ mit argentinischem Tango, polnischen Tanz-Präludien und andalusischen Sevillanas. Die beiden jungen Künstler, die beim Deutschen Musikwettbewerb als Duo mit einem Stipendium ausgezeichnet und damit in die Bundesauswahl „Konzerte Junger Künstler" aufgenommen wurden, musizieren seit Sommer 2010 zusammen. Der Name Jeanquirit war eines der vielen Pseudonyme Robert Schumanns bei den von ihm ins Leben gerufenen Davidsbündlern.„Der lachende Hans“ symbolisiert dabei die Freude am Musizieren, die Spontaneität und die Besinnung auf das Wesen der Musik.

Und so wählten die 27jährigen die gespielten Stücke folgerichtig nach der Devise „Was uns Spaß macht“ aus und brachten auf ihrer Weltreise von Land zu Land und Stück für Stück einen zunehmenden Hauch von Leichtigkeit in ihre Auswahl. Mit vier Sätzen aus „Fantasiestücke op. 43“ von Niels Wilhelm Gade begann die musikalische Rundreise in Dänemark. Wohlgeformte Phrasen machen die Komposition des Brahms-Zeitgenossen aus, der seinen Stil offenbar an Mendelssohn orientierte. Weiter ging es von Max Reger (Deutschland) in die USA. Hier spielten die Musiktalente zwei Sätze aus der Sonate für Klarinette und Klavier von Leonhard Bernstein. Seine ausdrucksstarke, im Finale jazzig-toccatenhafte Komposition läßt im Andantino schon die Tanznummern der 15 Jahre später uraufgeführten West Side Story erahnen. Auch David Kindt ließ auf seinem Instrument die Noten tanzen. Der Solo-Klarinettist im Sinfonieorchester Aachen hat nicht nur enorm flinke Finger, er hat auch den Rhythmus im Blut. Sein Spiel zeichnet sich durch eine solche Mühelosigkeit und Gelassenheit aus, dass man ahnt: Der kann noch viel mehr! Der Pianist Helge Aurich, technisch versiert und auf perfektes Zusammenspiel bedacht, agierte sanftgleitend und in den besten Momenten klangpoetisch differenziert. Von Astor Piazzolla (Argentinien), dem „Erfinder“ des Tango Nuevo, wählten sie am Ende des Sets „Café 1930“ und „Nightclub 1960“ aus „Histoire du Tango“.

Nach der Pause kam eher Zeitgenössisches zum Zuge. Das „Tombeau de Ravel“ von Arthur Benjamin (Australien) besticht durch seinen höchst eigentümlichen Stil, einem dichten Tongeflecht mit wunderbar lyrischen Momenten, unvermittelten Pausen und einem überraschenden Schluss. Witold Lutoslawski ist neben Chopin der faszinierendste polnische Komponist. Wie Kindt und Aurich seine „Tanz-Präludien“ zum Hüpfen bringen, forderte noch einmal in ihrer komplizierten Konstruktion die ganzen Virtuosen. Ihre musikalische Weltreise beendeten die beiden Musiker mit einer mitreißenden Interpretation der „Fantasie über Bizets Carmen“ des Spaniers Pablo de Sarasate. Heißblütig, aber auch dramatisch beschreibt der Komponist das Bild der wohl vielschichtigsten Frauengestalt der Operngeschichte. Zur „Beruhigung“ gab es noch einen Tango von Isaac Albeniz, den die beiden Musiker noch einmal mit großer Spielfreude interpretierten. (Text/Foto: Andreas Guballa)




Wundervoll ausgeleuchtete Klangbilder
Das Acelga-Trio verzauberte das Publikum beim diesjährigen Adventskonzert der Brahms-Gesellschaft

Einen musikalischen Bunten Teller bot das Acelga-Trio mit Flöte, Horn und Klavier beim Adventskonzert der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein am Freitag auf der Museumsinsel Lüttenheid. Eröffnet und beendet wurde der Abend mit Werken für die seltene Trio-Besetzung. Dazwischen gab es Solowerke und Duette für die Instrumente zu hören. Barock, Klassik und Romantik - hier war für jeden Liebhaber besonderer Kammermusik etwas dabei.

Document made with KompoZerSich „einfangen zu lassen durch die Musizierkunst“ - dieser Aufforderung zu folgen waren die Besucher des Adventskonzert gerne bereit. Und die an dem Konzert beteiligten Interpreten machten es nicht schwer, dem Wunsch zu folgen, mit dem der Vorsitzende der Brahms-Gesellschaft Eckart Besch seine Begrüßung beschlossen hatte.
Die drei jungen Musiker Hanna Mangold (Flöte), Miao Huang (Klavier) und Dániel Ember (Horn) aus Stuttgart, Berlin und Hamburg sind vielfach dekorierte Preisträger und Stipendiaten des deutschen Musikwettbewerbs und spielten ein Konzert, das durchgehend die handwerklichen Qualitäten unter Beweis stellte, über die die Ausführenden verfügen.
Schon zum Auftakt musizierte das Trio Georg Philipp Telemanns „Concerto a tre“, einer tänzerisch sehr beschwingten, galanten und unterhaltsamen Musik, mit virtuosem Duktus. Die Anmut der bukolisch heiteren Stimmungsbilder war einerseits der perfekten Teamtechnik, andererseits einer ungebremsten Interpretationslust zu verdanken.
Für ihr Querflöten-Solo hatte sich Hanna Mangold die „Partita für Flöte a-Moll“ von Johann Sebastian Bach ausgesucht, eine viersätzige Tanzsuite, die kontrapunktisch und harmonisch höchst anspruchsvoll ist. Mit sichtlicher Spielfreude und reichen Melodien beeindruckte die junge Mutter das Publikum und schaffte es, unglaubliche Bögen zu spannen. Die Sarabande gestaltete sie eher romantisch und verlieh der Bourrée ein frohes singendes Herz.
Eine romantische Klangmagie zauberte Dániel Ember mit zwei Sonaten für Horn und Klavier des Italieners Luigi Cherubini. Der Solohornist im Philharmonischen Staatsorchester Hamburg war für Amanda Kleinbart eingesprungen und phrasierte fließend, sein Ton schimmerte bronzen. Auch die Sonate in F-Dur für Klavier und Horn (op. 17) von Ludwig van Beethoven zeigte im Seitensatz die technischen Herausforderungen: Vorschläge, Triller und Doppelschläge stellten für den jungen Solisten kein Problem dar.
Die Klavierstücke op. 118 von Johannes Brahms boten in zwei Intermezzi und der Ballade Allegro energico Miao Huang reichlich Gelegenheit, Kontraste gegeneinander auszuspielen und mit einer leuchtenden Klangsinnlichkeit dem Spätwerk des Komponisten Lyrik und Glanz zu verleihen. Die aus China stammende deutsche Pianistin, die ihre musikalische Visitenkarte bereits bei der Klaviersommernacht vor zwei Jahren abgegeben hatte, überzeugte durch einen satten Klavierklang, einem streckenweise geradezu "norddeutsch" herben Zugriff, sowie viel Einfühlungsvermögen für den brahmseigenen Ausdruck von Leidenschaft.
Nach der Pause stellten die Musiker noch einmal ihr harmonisches Zusammenspiel in zwei Duo-Werken von Beethoven und Charles-Marie Widor unter Beweis, bevor sie im Trio Nr. 1 c-Moll von Frédéric Duvernoy wundervoll ausgeleuchtete Klangbilder auf die Bühne zauberten. Der Franzose war ein Lieblingsmusiker von Napoleon I. und komponierte ein Werk voll facettenreicher Schwungkraft und harmonischer Nonchalance. Die thematischen Zusammenhänge sowie der elektrisierende Zauber der einzelnen Motive wurden von den Musikern mit filigraner Sensibilität herausgearbeitet. Für den begeisterten Beifall bedankte sich das Trio abschließend mit der poetischen Originalkomposition „Esquisse“ von George Barboteu. (Text/Foto:Andreas Guballa)




Schwindelerregende Virtuosität am Klavier
Pianist Rolf Plagge begeistert beim Museumskonzert der Brahms-Gesellschaft

Imponierende pianistische Brillanz und geradezu schwindelerregende Virtuosität prägten den Klavierabend mit dem eingesprungenen Rolf Plagge beim Museumskonzert der Brahms-Gesellschaft. Eine Sternstunde der Klaviermusik.

Rolf PlaggeLudwig van Beethovens Klaviersonate Nr. 23 in f-Moll op. 57 mit dem Beinamen „Appassionata“ gehört zu den bekanntesten Klavierwerken des Komponisten und gilt als Inbegriff expressiver solistischer Virtuosität. „Leidenschaftlich-düster“ - dieses Prädikat erhält die Sonate oft in den Konzertführern. Darüber mag man streiten. Nicht aber über das unbändige Temperament, das sie verströmt. Wahre Beethoven-Kenner lieben und fürchten sie gleichermaßen, denn das Stück ist zweifellos eine der wirkungsmächtigsten Klaviersonaten überhaupt. Am Sonntagnachmittag meisterte Rolf Plagge, der kurzfristig für den erkrankten Wolf Harden eingesprungen war, beim ausverkauften Museumskonzert der Brahms-Gesellschaft auf Lüttenheid souverän das Standardwerk seiner Zunft: Mit hinreißender Technik, formal klar und transparent, dabei immer wieder eigene Akzente setzend. Selten hat man einen Pianisten gesehen, dessen Hände und Finger so schwindelerregend virtuos, so kraftvoll dynamisch, so spielerisch locker über die Tasten fliegen. Schon vor der Pause gab's dafür vom Publikum begeistertes Füßetrampeln.

Mit seinem Konzert hatte der gebürtige Norddeutsche, der seit 1991 am Salzburger Mozarteum als Hochschulprofessor unterrichtet, vertrautes Terrain betreten. Schon zwei Mal war Plagge zu Gast bei Konzerten der Brahms-Gesellschaft. Gern kam er daher der Bitte Professor Eckart Beschs nach, den er bereits als 14jährigen Teenager bei der Aufnahmeprüfung zur Hamburger Musikhochschule begeistert hatte, noch einmal nach Heide zu kommen. Obwohl sich der Gewinner vieler Wettbewerbspreise mit Vorliebe wenig bekanntem Repertoire widmet, hatte sich der heute 53jährige in seiner Programmauswahl für Klassiker der Klaviermusik entschieden. Schon vor der „Appassionata“ hatte der Pianist in Mozarts „Rondo a-Moll", diesem rätselhaften Spätwerk, das sowohl von heiteren, flüchtigen Passagen als auch von großer Not durchdrungen ist, die Untiefen der Dissonanz in aller Sorgfalt ausgelotet. Nach der Pause unterstrich Plagge mit dem Scherzo Nr. 2 b-Moll von Chopin und der Sonate a-Moll von Schubert, welch begnadeter Meister der Tasten er ist.

Blumen, Bravorufe und stehende Ovationen entlockten dem Klaviervirtuosen noch eine späte Bagatelle von Beethoven als Abschluss eines bestechenden Klavierabends, in dem Eindringlichkeit und Tiefe geschliffenen Spiels zur Leucht- und Überzeugungskraft führten. (Text/Foto: Andreas Guballa)



Klangdynamik im verdoppelten Wohnzimmer
Furioser Auftakt der Konzertsaison der Brahmsgesellschaft

Mit einem furiosen Auftritt beeindruckte ein junges Kammermusik-Duo zum zweiten Mal sein hiesiges Publikum zum Auftakt der Konzertreihe der Brahms-Gesellschaft.

Document made with KompoZerDie Violinistin Andrea Kim und der Pianist Florin von Radowitz waren seit einem Auftritt in der Postelvilla in guter Erinnerung. Beim jetzigen „Konzert im Wohnzimmer" der Brahms-Gesellschaft spielte das Duo Werke von Grieg, Brahms und Schostakowitsch. Der Raum im Brahmshaus wirkte bei den ersten Akkorden der Grieg-Sonate Nr. 3 fast zu klein für das kraftvolle Klavierspiel, doch dann entwickelte sich im Zusammenspiel der beiden Musiker ein Klanggewebe, das weniger laut als vielmehr sehr intensiv wirkte. So dicht am Publikum spielen selbst Kammermusiker selten. So konnten es sich die Beiden leisten, zwischen den kräftigsten und den leisesten Tönen eine Klangdynamik zu entwickeln, in der selbst der leise und flüchtig angerissene Geigenton noch deutlich vernehmbar war.

Andrea Kim und Florian von Radowitz fanden 2006 bei den Vorbereitungen zum Deutschen Musikwettbewerb 2007 zusammen, in dem das Duo prompt ein Stipendium gewann. Als Solisten wie als Ensemble-Musiker verfolgen beide seitdem beachtliche Karrieren. Das musikalische Spektrum reicht vom Barock bis in die Moderne und schließt zum Beispiel bei Andrea Kim auch den Tango Nuevo eines Astor Piazzolla ein. Diese Weite und Vielseitigkeit spiegelte sich in der Programmauswahl des Heider 70-Minuten-Konzerts wider. Das Scharnier zwischen zwei sehr gegensätzlichen Sonaten der Zeitgenossen Bach und Grieg aus dem Jahr 1886 bildeten vier kurze Préludes des Sowjetrussen Schostakowitsch vom Anfang der 1930er-Jahre. Nach den letzten Klängen gab es kräftigen Applaus, aber keine Zugabe. Man wüsste nicht, was man nach den starken Eindrücken der „Thuner Sonate" noch Angemessenes hinzufügen könne, meinte von Radowitz und traf damit auf ein verständnisvolles Publikum.

Vor dem Konzert hatte Professor Eckart Besch mit Stolz auf das wundersam verdoppelte „Wohnzimmer"des Brahmshauses hingewiesen. Denn auf der Rückseite des Raumes, hinter den Musikern, prangt die neue LED-Tapete.
1600 Leuchtdioden geben wandhoch den Blick in das originale Wiener Wohnzimmer von Johannes
Brahms frei, so wie es ein zeitgenössischer Maler um 1895 nach einer Fotografie verewigt hatte. Was aus Kostengründen für die meisten privaten Wohnzimmer noch Zukunftsmusik ist, konnte sich auch die Brahms-Gesellschaft nur Dank großzügiger Sponsorenunterstützung leisten. (Text/Foto: Werner Hajek)




Justus ist da!“
Der Initiator der Brahms-Gesellschaft, Justus Frantz, begeisterte bei der ausverkauften Sommer-Klaviernacht in Heide

Er kam, spielte und begeisterte. Bei der Sommer-Klaviernacht der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein bewies Justus Frantz sein Können als Pianist und Entertainer.

Heide (gub) – Es gäbe wohl kaum einen Künstler, der allein aufgrund seines Vornamens weltweit so bekannt sei, begrüßte der Vorsitzende der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein, Professor Eckart Besch, die über 300 Besucher zum Abschluss der diesjährigen Brahms-Wochen im lichtdurchfluteten Glaspavillion der Nord-Ostsee-Automobile in Heide. Statt langer Vorrede hieß es einfach: „Justus ist da!“. Im 25jährigen Jubiläumsjahr der Brahms-Gesellschaft war der Gründer des „Schleswig-Holstein Musik Festivals“, Justus Frantz, zurück in die Kreisstadt gekommen, wo er im Mai 1986 am Rande einer Pressekonferenz auf das heruntergekommene Brahmshaus auf Lüttenheid aufmerksam gemacht wurde und die Initialzündung zur Gründung der Brahms-Gesellschaft gab.

Pianist Da Sol KimStatt wie geplant mit seinem Sohn Christopher Tainton, der aufgrund eines Fahrrad-Unfalls nicht spielen konnte, hatte der Maestro den jungen Süd-Koreaner Da Sol Kim zur Sommer-Klaviernacht mitgebracht. Der 23jährige hatte vor kurzem einen der weltweit höchsten Publikumspreise, den Ocean Classical Award 2011, gewonnen und zog auch das Heider Publikum sofort in seinen Bann. Nahezu makellos, technisch brillant und mit klar-feinsinniger Artikulation trug Da Sol zwei Arabesquen von Robert Schumann sowie Brahms' sechs Klavierstücke op. 118 vor. Imponierend wie geistvoll abgeklärt der noch junge Pianist das Spätwerk Brahms' durchdrang. Da Sol atmet die Klavierstücke, übertreibt nicht die Tempi, beleuchtet mehr, als dass er ein Fest des Rausches erschaffen will.

Als Kontrapunkt zum tiefsinnigen Brahms hatte Justus Frantz für seinen Solo-Auftritt Mozart und Chopin ausgesucht. Mit viel Einfühlungsvermögen entfaltete der Gründer der Philharmonie der Nationen die Facetten der Klaviersonate F-Dur, KV 332. Die „Aufbruchsonate“, wie Justus Frantz das Klavierstück taufte wegen der Loslösung Mozarts von seinem Vater, gab sich beschwingt und leicht. Eingänge Melodien und teils halsbrecherischen Verzierungen, die in ihren klaren und hellen Tönen bezauberten, gingen Justus Frantz locker und nonchalant von der Hand. Wilde Soli, die Mozart immer wieder unvermittelt ausbremst, gefolgt von heftigen Attacken, die in herrlich perlende Läufe münden, wurden vom Maestro in virtuoser Meisterschaft hingeworfen. Mit der Sonate A-Dur KV 331 präsentierte Frantz zwei der bekanntesten Sätze Mozarts überhaupt. Die schnellen Sechzehntel perlen munter über das starre Taktschema hinweg, ordnen sich zu einem etwas ruhigeren Trio, bis sie schließlich unvermittelt in den weltberühmten Türkischen Marsch münden. Und den spielte Justus Frantz mit geradezu überschäumendem Temperament und sichtlicher Freude am effektvollen Spiel. Document made with KompoZer

Das Publikum, darunter erfreulich viele junge Besucher, war begeistert. Der Musikpädagoge, dessen Passion es ist, die klassische Musik als Kulturerbe zu erhalten und in die nächste Generationen weiter zu tragen, nutzte die Gelegenheit für seine Stiftung zugunsten junger Musiker zu werben und empfahl auch der Brahms-Gesellschaft verstärkt Jugendliche in den Verein einzubinden. „Dann würde ich auch jedes Jahr drei Mal zu deren Gunsten in Heide spielen.“ Munter plaudernd bewies der ehemalige „Achtung, Klassik!“-Moderator auch seine Entertainer-Qualitäten und streute immer wieder unterhaltsame Anekdoten aus seinem langen Musikerleben ein inklusive der Förderung einer russischen Schönheitskönigin, die sich als Anna Netrebko herausstellte.


Da Sol Kim und Justus FrantzIn der anschließenden Pause, in der das Catering Team der „Erheiterung Böhe“ für sinnlich-kulinarische Genüsse sorgte, gab der Publikumsliebling Autogramme und unterhielt sich fröhlich mit seinen Fans. Zum Abschluss der rundum gelungenen Sommer-Klaviernacht beleuchteten Altmeister Frantz und sein junger Eleve Da Sol mit Verve und feurigem Temperament in den Ungarischen Tänzen und Walzern op 39 vierhändig die volkstümliche Seele Johannes Brahms'.








Ensemble Quartonal bei den Brahms-Wochen 2012

Sie sind jung! Sie sehen gut aus! Und sie können singen, was das Zeug hält! Das A-Cappella-Quartett Quartonal  begeisterte am Freitag im Rahmen der Brahms-Wochen 2012 in der St. Jacobi-Kirche zu Neuenkirchen.

Ensemble QuartonalNeuenkirchen (gub) - Zum zweiten Mal war die Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein in dem gotischen Backsteinbau zu Gast und hatte eines seiner bisher jüngsten  Künstlerensembles eingeladen. Seit die vier ehemaligen Mitglieder der Chorknaben Uetersen im Jahr 2006 das Ensemble Quartonal gründeten, haben sich Mirko Ludwig (Tenor), Florian Sievers (Tenor), Christoph Behm (Bariton) und Sönke Tams Freier (Bass) ein breites A-cappella-Repertoire erarbeitet. In ihren Programmen findet sich fast alles, was die internationale Chorliteratur für ihre Besetzung bereithalt. Neben Renaissance-Madrigalen und Werken der Romantik, Pop-Arrangements sowie internationaler Folklore und neueren Kompositionen setzt das Quartett auch einen Schwerpunkt auf niederdeutsche Kompositionen.

Unter dem Titel „Wie gern wär' ich bei dir“ sangen die vier Charming Boys, die gerade den Publikumspreis beim international renommierten A Cappella-Wettbewerb in Leipzig gewonnen haben, mit feinem sprachlichem Witz und stimmlicher Brillanz zunächst deutsche Volkslieder über die aufregenden Momente der Liebe genauso wie über Schmerz und Enttäuschung.

Mit großem komödiantischen Talent und persiflierenden Gesten interpretierten die vier jungen Männer im anschließenden englischsprachigen Gesangsblock u.a. die Tragödie „The Goslings“ von Frederick Bridge. Die Moritat beschreibt das Schicksal von Gans und Gänserich, die erst im Kochtopf vereint werden. Da schnattert, scherzt und schmettert es durch den vollbesetzen Kirchenraum - schmerzlich verabschiedet in einer Moll-Fassung des Hochzeitsmarsches von Mendelssohn.

Auch in der zweiten Konzerthälfte zogen die vier Goldkehlchen das Publikum mit blitzsauberem Gesang, feinfühliger Dynamik und vor allem mit spürbarer Freude an der Musik in ihren Bann. Das Bemerkswerte daran ist nicht nur, dass sie alles wunderbar singen, sondern dass sie jeden Stimmungswechsel glaubwürdig transportieren. Während sie gerade noch die französischen Renaissance-Lieder Orlando di Lassos spielerisch interpretiert hatten, sorgten die Sänger wenig später mit dem Spiritual „Go Down Moses“ für Gänsehaut. Dass A Cappella Gesang alles andere als verstaubt klingen muss, bewiesen die Gewinner des Deutschen Chorwettbewerbs 2010 mit einem traumhaft schönen Arrangement des Coldplay-Hits „Viva La Vida“. Auch hier fügten sich die vier Stimmen mit jeweils ganz persönlicher Färbung gleichberechtigt zu einem melodischen Ganzen mit eigenem Stil – ein wichtiges Ticket zu weiteren Erfolgen. Spätestens mit der Zugabe „What shall we do with the drunken sailor“ sorgte das Ensemble aus der norddeutschen Provinz beim Publikum für Beifallsstürme und die Gewissheit, dass sie schon bald in der Liga ihrer Vorbilder, den „King's Singers“, mitspielen werden.                                                                                                                                                                                                                        



Festkonzert der Extraklasse
Brahms-Preisverleihung an das Fauré-Quartett in Wesselburen

Von Elko Laubeck

Brahms-Preisverleihung an das Fauré QuartettWesselburen - Kammermusik vom Feinsten: Mit dem Klavierquartett g-Moll opus 25 von Johannes Brahms stellten die vier Musiker des Fauré-Quartetts unter Beweis, dass sie würdig sind, sich in die Reihe der Brahms-Preisträger einzureihen, mehr noch: Sie zauberten in der Wesselburener Bartholomäuskirche hervorragende Klänge, präzise, temporeich, äußerst dynamisch und lupenrein.

In seiner launigen Begrüßung sprach der Vorsitzende der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein, Prof. Eckart Besch, von einem Gedankenblitz bei der Suche nach einem Preisträger im Jahr nach Anne-Sophie Mutter. Das Fauré-Quartett sei nun dran. Er erinnerte an den Boden, auf dem das Konzert stattfinden sollte: Johann Jakob Brahms nämlich, der Vater des Komponisten, habe als Jüngling in Wesselburen bei Kantor Müller sein Handwerk gelernt, „hier auf diesen Steinen, auf diesem Fußboden.“ Und der Geruch der Kirche sei heute bestimmt noch derselbe wie 1820.

Besch verriet mit der Ankündigung des Lobredners des Abends zudem, wer der Preisträger 2013 sein wird: Den mit 10 000 Euro dotierten Brahmspreis erhält dann Prof. Matthias Janz. Janz ist Kirchenmusikdirektor in Flensburg. Er wird im kommenden Jahr in Wesselburen mit dem Flensburger Bachchor das Brahms-Requiem aufführen.

Als Laudator des Abends würdigte er indes nicht nur das musikalische Spitzenniveau des Fauré-Quartetts, sondern auch die Leistung der Brahmsgesellschaft für das musikalische Geschehen im Land. „Ich finde es großartig, dass mit dem Fauré-Quartett der Bezug zu einer Besetzung hergestellt wird, für die Johannes Brahms drei wunderbare Werke komponiert hat.“ Die Brahms-Gesellschaft richte mit dieser Wahl die Aufmerksamkeit „aber auch auf die Kammermusik insgesamt.“

Allen vier Musikern sei eine solistische Karriere sicher gewesen, sagte Janz. „Rhythmische Präzision, Intonation und klangliche Balance sind aber vor allem auch im Zusammenspiel von hoher Perfektion und wirken dabei ganz natürlich und selbstverständlich. Jeder, der selbst Kammermusik gemacht hat, weiß um die Mühen, die damit verbunden sind, wenn man nur annähernd solche Ergebnisse erzielen möchte.“

Auch Kulturminister Dr. Ekkehard Klug lobte die Arbeit der Brahms-Gesellschaft: „Wer die Liste der bisherigen Brahmspreis-Träger durchgeht, kann daraus ablesen, wie zeitlos aktuell der Komponist in der internationalen Klassik-Musikszene geblieben ist.“ In diese Liste reihe sich das Fauré-Quartett in hervorragender Weise ein. „Sie spielen „Ihren Brahms“ frisch, temperamentvoll und präzise. Auf diese Weise holen sie ihn in unsere Gegenwart. Wer immer noch glaubt, dass klassische Musik verstaubt klingen muss, den belehren diese vier Künstler endgültig eines Besseren.“ Zur Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein passe der diesjährige Preisträger im 25-jährigen Jubiläumsjahr hervorragend. Das Fauré Quartett gehöre zu den Interpreten, die das musikalische Erbe von Johannes Brahms in die Zukunft tragen. „Der Brahms-Preis drückt Anerkennung und Dank für diese Leistung aus“, so Klug.

Der Minister hob hervor, dass die Preisträger sich insbesondere um die junge Hörerschaft bemühten und unter anderem mit Schulkonzerten versuchten, Kinder und Jugendliche für die klassische Musik zu gewinnen. „Aus meiner Sicht ist dies ein hervorragender Beitrag zur kulturellen Bildung.“

Das Fauré-Quartett, das sind Erika Geldsetzer, Violine, Sascha Frömbling, Viola, Konstantin Heidrich, Cello, und Dirk Mommertz, Klavier, gab sich äußerst spielfreudig. Voller Gestik und Mimik reichten sie sich die Melodie, voller Emotion trugen sie zunächst das Klavierquartett von Brahms und danach das Klavierquartett g-Moll opus 45 von Namensgeber Gabriel Fauré vor, dabei von einer unglaublichen Präzision. Da stimmte jeder Anschlag, jede Intonation von fortissimo bis in die zartesten Saitenklänge.

Etwas ungewöhnliche Klänge gab es am Schluss als Zugabe, als das Fauré-Quartett noch einen Tango zum Besten gab, den der Argentinier Eduardo Hubert eigens für das befreundete Quartett komponiert hatte: Faurétango. Als Kontrapunkt ein Rhythmus-betonter Schlussstrich unter ein Konzert der Extraklasse.

Die Laudatio von KMD  Matthias Janz gibt es hier.




Brahms' Kompositionen sind wie Muttermilch“
Das Fauré Quartett erhältlich den Brahms-Preis 2012/ Interview mit dem Pianisten Dirk Mommertz

„Überflieger“ und „Shootingstars“ - über diese Bezeichnungen kann das Fauré Quartett nur geschmeichelt lächeln. Immerhin werden die Musiker von der Klassikszene schon seit Jahren wegen ihrer Originalität und Präzision geliebt. Die vier Musiker fanden 1995 beim gemeinsamen Studium in Karlsruhe zusammen. Ihr endgültiger Durchbruch gelang 2006 mit einer Mozart-Aufnahme. Zwei Jahre später erschien eine CD mit Kammerquartetten von Brahms. Die CD „Popsongs“ mit modernen Arrangements ausgesuchter Songs der Popgeschichte sorgte 2009 nicht nur in der Fachwelt und vor allem beim jungen Publikum für Aufsehen, sondern sicherte ihnen den zweiten ECHO Klassik. Am 20. Mai wird dem Fauré Quartett in der St. Bartholomäuskirche in Wesselburen der Brahmspreis 2012 der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein verliehen. Andreas Guballa sprach mit dem Pianisten Dirk Mommertz.

Sie haben im Jahr 2008 für Ihre Einspielung der Klavierquartette von Johannes Brahms den ECHO Klassik erhalten sowie den Preis der deutschen Schallplattenkritik. Nun wird Ihnen der diesjährige Brahms-Preis 2012 verliehen. Was bedeutet das für Sie?

Es gibt ja unterschiedliche Arten von Preisen; zum Beispiel Preise, für die man sich bewirbt und für die man auch Wettbewerbe fährt. Da ist man in starkem Konkurrenzkampf auf der Bühne und eineJury bewertet den Augenblick. Dafür bekommt man einen Preis oder nicht. So eine Auszeichnung wie der Brahms-Preis ist natürlich etwas ganz anderes. Er wird vergeben für etwas, was man über viele Jahre aufgebaut hat und woran man lange gearbeitet hat. Für uns bedeuten solche Preise natürlich wesentlich mehr als Wettbewerbspreise.

Erstmals erhält ein Kammermusikensemble diese Auszeichnung. Sind Klavierquartette zu wenig im Fokus der Öffentlichkeit? Immerhin haben Sie es 2008 sogar in die deutschen Klassik-Charts geschafft, was sonst nur Solisten wie Anna Netrebko oder Rolando Villazon gelingt.

Wir beobachten das mit großer Freude, denn es gibt einige Felder, auf denen wir als Kammermusikensemble Neuland betreten. Das liegt vielleicht daran, dass die Gattung Klavierquartett eher selten ist. Es gibt kaum feste Ensembles, die sich diesem Genre genauso verschreiben wie ein Streichquartett.

Was fasziniert Sie als Musiker an Brahms? Was macht Brahms' Klangwelt so eigentümlich und unverwechselbar?

Wenn man als Musiker in Deutschland aufwächst, ist Brahms so etwas wie Muttermilch. Er gehört zur musikalischen Basis, die man sowohl als Musiker als auch als Konzertgänger mit auf den Weg bekommt. Für uns hat jeder Komponist seine eigene Klangsprache. Bei der Einspielung der Brahms-Quartette haben wir uns intensiv damit auseinander gesetzt und bemüht eine Sprache zu finden, die ihm gerecht wird. Seine Musik hat so einen Fluss, eine Kraft, eine Energie, dass wir die Kompositionen mit dem großen Strom Rhein verglichen haben.

Welchen Stellenwert hat Brahms als Komponist für Sie als Quartett?

Das sind schon die zentralen Werte für Kammermusikquartette. Jedes Jahr haben wir mindestens ein Werk von Brahms in unserem Repertoire. Von den Kammermusikwerken insgesamt sind sie Höhepunkte der abendländischen Musik.

Wenn man Rezensionen über Sie liest, wird dort stets Ihre Originalität und Präzision gelobt. Was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs?

Es gibt so viele Faktoren, die zum Erfolg führen. Ein Hauptfaktor ist sehr harte, gründliche und konsequente Arbeit; eine absolute Hingabe für das, was man macht. Unser Probenalltag ist sehr intensiv. Und wir wagen uns erst an ein Aufnahmeprojekt, wenn wir mindestens fünf Jahre daran gearbeitet haben. Dann hat Erfolg natürlich auch mit Glück zu tun. Auf der einen Seite müssen wir als Klavierquartett zeigen, dass die Gattung absolut gleichberechtigt ist mit dem Streichquartett. Das macht uns den Stand nicht leichter. Allerdings haben wir dadurch die Möglichkeit, die Leute zu überraschen. Schließlich nehmen wir uns den Luxus, ein Repertoire wachsen zu lassen und wir proben heute noch immer die Stücke, mit denen wir 1995 angefangen haben.

Kammermusik gilt immer noch als elitär. Können Sie durch Ihre Schulkonzerte Hemmschwellen abbauen, um den Zugang zu klassischer Musik zu erleichtern?

Dass das Klassik-Publikum jünger sein könnte, das ist uns schon ein Anliegen – nicht nur als Kammermusiker, sondern das wollen wir Musiker allgemein. Daher investieren wir viel Zeit bspw. für Schulkonzerte. Wir arbeiten sehr eng zusammen mit dem Projekt „Rhapsody in School“, das im September 2005 auf Initiative des Pianisten Lars Vogt [Brahms-Preisträger 2004; Anm. der Redaktion] gegründet wurde und seitdem mehr als 20.000 Schüler an über 700 Schulen erreicht hat. Seit diesem Jahr haben wir unser eigenes Festival, den Festspielfrühling Rügen, und verpflichten die Musiker, die wir einladen, uns an die Schulen zu begleiten.
Das hat den Effekt, dass die Jugendlichen in die Abendkonzerte kommen. Das sind so kleine Schritte, die man geht, aber die sehr wichtig sind. Auch durch die Produktion der CD „Popsongs“ konnten wir Türen aufgestoßen und ein Publikum erreichen, das sonst nicht auf Klassikkonzerten anzutreffen ist. Wenn nur ein Schüler dadurch abends in ein klassisches Konzert kommt, ist schon viel erreicht.

Wie werden Sie die Brahms-Preisverleihung am 20. Mai musikalisch gestalten?

Wir präsentieren uns dort natürlich mit dem Brahms schlechthin, also dem Klavierquartett op 25, das seine erste Aufführung mit Clara Schumann am Klavier feierte. Das setzen wir in Verbindung mit dem Fauré Quartett Nr. 2, dem weniger bekannten Werk unseres Namensgebers. Es ist experimentierfreudiger, moderner und spezieller als das C-Moll-Quartett, dem Klassiker der französischen Literatur. Dadurch dass die Komponisten sehr unterschiedlich sind, wird es ein sehr abwechslungsreiches Programm. Freuen Sie sich also auf eine unglaubliche Klangzauberei und zwei energiegeladene Werke.

Was sind Ihre nächsten Pläne?

Wir sind jetzt schon voll in der Vorbereitung des Festspielfrühlings Rügen im März 2013. Dann spielen wir kurz vor der Brahms-Preisverleihung in einem der schönsten Konzerthäuser Europas, dem Palau de la Música in Barcelona und anschließend zum ersten Mal in der Türkei. Das ist schon etwas aufregend, denn nach soviel Jahren gibt es kaum noch ein Land, in dem wir nicht waren. Die Konzertsaison bis zum Sommer geht heiß her; u.a. mit den Brühler Schlosskonzerten und zum Finale der Europa-Meisterschaft werden wir in Finnland auf einem Festival spielen. Außerdem bereiten wir eine neue CD vor, die nächstes Jahr erscheinen wird. Ein sehr spannendes Projekt, das so noch nicht da gewesen ist – mehr kann ich darüber aber noch nicht verraten.

Faure Quartett

Programm:

Grußworte von Prof. Eckart Besch und Kulturminister Dr. Ekkehard Klug
Johannes Brahms – Klavierquartett Nr. 1 g-Moll op 25
Laudatio: KMD Professor Matthias Janz
Preisübergabe durch Prof. Eckart Besch
Gabriel Fauré – Klavierquartett Nr. 2 g-Moll op 45










Die Brahms-Gesellschaft ist ein Glücksfall für unser Land“
Jubiläumskonzert mit Meister-Cellist David Geringas

Kulturminister Dr. Ekkehard KlugDie Brahms-Gesellschaft ist ein Glücksfall für unser Land“ Mit diesen Worten überbrachte Kulturminister Dr. Ekkehard Klug am Mittwoch im Heider Tivoli die Glückwünsche der Landesregierung zum 25-jährigen Bestehen des Vereins, der auf Initiative von Prof. Justus Frantz am 2. Mai 1987 in eben diesem Jahrhundertwendesaal gegründet worden war, nachdem der Maestro bei einem Besuch
in der Kreisstadt auf das heruntergekommene Brahmshaus auf Lüttenheid aufmerksam gemacht wurde, in dem sich eine Autovermietung befand und lediglich ein Schild mit dem Hinweis „Stammhaus der Familie Brahms“ den Betrachter neugierig machte. Der Minister unterstrich das kulturelle Wirken in den vergangenen 25 Jahren. Justus Frantz und der Brahms-Gesellschaft sei es zu verdanken, dass Schleswig-Holstein heute selbstbewusst mit seinem kulturellen Erbe umgehe und in den vergangenen Jahren für weltbekannte Musikerinnen und Musiker zum vertrauten Terrain geworden sei. Professor Eckart Besch dankte Klug für sein unermüdliches Wirken, den Vereinszweck stets mit Leben zu füllen. „Wir tun gut daran, das Erbe von Johannes Brahms nicht in eine Schublade der Musikgeschichte zu zwängen, sondern immer wieder neu zur Wirkung zu bringen.“

Der Vorsitzende der Brahms-Gesellschaft lobte in seiner Begrüßung die Protagonisten der ersten Stunde, die die Gesellschaft auch in schwerem Fahrwasser - als die Prominenz längs von der Bildfläche verschwunden war - auf Kurs gehalten hatten. Insbesondere erinnerte Besch an Konsul Karl-Uwe Böttcher, durch dessen großzügige Schenkung der Brahms-Preis dauerhaft finanziell abgesichert werden konnte und dadurch heute internationale Wahrnehmung genießt.

Star-Cellist David GeringasMit Star-Cellist David Geringas wartete dann ein musikalischer Glücksfall besonderer Art auf das gespannte Festpublikum. Wer jemals Zeuge der vollkommen unaffektierten Kunst des Rostropovich-Schülers wurde, schliesst diesen Virtuosen sofort ins Herz. Dass der 65jährige ein Meisterspieler von altem Schliff und feinstem Korn ist, bestätigte Geringas mit jedem Takt. Ob in ruppigen oder rasanten Phrasen, David Geringas bestach durch eine feinnervige Tonqualität, die auch in lyrischem Schwelgen nie in Kitsch ausartete. Dass der Litauer im Verbund mit seiner Klavier-Partnerin Keiko Tamura auch die große Geste beherrscht, zeigte sich in der quirligen F-Dur-Sonate von Johannes Brahms. Hier wurden beiderseits Kraft und Intensität nicht mit falschem Pathos und überbordender Emotion verwechselt. Eine geradezu "blinde" Verständigung der beiden Musiker, vor allem in den rhythmischen Finessen und dynamischen Abstufungen, bewiesen, dass der trotz aller klassizistischen Formenstrenge orchestral-vollgriffige Spätstil Brahms' hier in vier besten Händen lag.

Mal lyrisch schwärmerisch mit ausholendem Celloklang, mal temperamentvoll bewegt: Die ganze (Gefühls-)Palette breiteten die zwei Musiker anschließend in Schumanns Fantasiestücken op. 73 aus, bevor sie nach der Pause mit einem spanisch-französischen Programm aus Werken von de Falla, Gilin, Debussy und Cassado aufwarteten. Auch hier geriet technische Perfektion nie zum Selbstzweck, sogar komplizierteste Läufe und Figuren, die andere zu funkensprühenden Räuschen verführen, absolvierte Geringas in nobler, puristischer Eleganz. Da wirkt keine Note langweilig, kein Pianissimo verpufft, kein Crescendo ins Leere getrieben. Hier stimmte das Zusammenspiel bis ins kleinste Detail. Nachdem das Duo das begeisterte Publikum am Ende des Jubiläumskonzerts mit drei Zugaben reichlich belohnte, konnte kein Besucher mehr Zweifel daran hegen, an diesem Abend etwas Außergewöhnliches erlebt zu haben. Und alle waren sich einig: „Die Brahms-Gesellschaft ist ein Glücksfall – für Heide, für Dithmarschen und für Schleswig-Holstein.“

Foto/Text: Andreas Guballa




David Geringas: "Brahms ist ein Gigant

Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein feiert mit Star-Cellisten ihr 25jähriges Bestehen

Am 2. Mai 2012 feiert die Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein mit Sitz in Heide ihr 25jähriges Bestehen. „Wir begehen dieses Jubiläum nicht lautlos, sondern wir machen uns bemerkbar – mit viel Vergnügen“ verspricht Professor Eckart Besch, der seit 1996 die Geschicke der Brahms-Gesellschaft leitet, mit Blick auf die diesjährigen Brahms-Wochen. Fürs Jubiläumskonzert im Heider Tivoli konnte der Star-Cellist David Geringas gewonnen werden. Der in Vilnius/Litauen geborene Künstler zählt zur musikalischen Elite der Gegenwart und ist einer der vielseitigsten Musiker unserer Zeit. Ein ungewöhnlich breites Repertoire vom frühesten Barock bis zur zeitgenössischen Musik zeugt von der Flexibilität und Neugierde des Cellisten und Dirigenten. Seine intellektuelle Strenge, seine stilistische Vielseitigkeit, sein melodisches Sentiment und seine Klangsinnlichkeit haben ihm Auszeichnungen auf der ganzen Welt eingebracht. Mit der Japanerin Keiko Tamura am Klavier bestreiten sie das Jubiläumskonzert mit Werken von Brahms, Schumann, de Falla, Debussy u.a. Andreas Guballa sprach mit dem Musiker.

Star-Cellist David Geringas  Herr Geringas, was braucht ein Musiker, um solange erfolgreich zu sein?

 Viel Geschick, Glück und Liebe zur Musik.

 Wenn man Sie auf dem Konzertpodium spielen sieht, fällt Ihre physische  
 Hingabe an die Musik auf. Ist das in diesem Moment nicht der einsamste Job 
 der Welt?

 Nein, man ist ja nicht allein. Selbst wenn es kein Publikum gäbe, ist man mit der
 ganzen Welt, in der man lebt, vereint. Mich fasziniert der Prozess, dass die Musik in
 dem Moment entsteht und nie wiederholt werden kann.

 Was geht während eines Konzerts durch den Kopf? Sind Sie da immer voll in
 der Musik oder denken Sie auch an Sachen, die mit dem Konzert nichts zu tun
 haben?

 Wenn man anfängt, über etwas nachzudenken, was mit dem Konzert nichts zu tun
 hat, sollte man mit dem Beruf aufhören.

 Im Juli werden Sie 66 Jahre alt. Ist Alter ein Thema für Sie?

 „Mit 66 Jahren - da fängt das Leben an...“ – das nehme ich wörtlich.

 Was faszinert Sie am Komponisten Johannes Brahms?

 Brahms ist immer ein Ozean von Musik und Gefühlen. Für mich gehört er zum
 Weltkulturgut. Er ist ein Gigant - und sich mit ihm zu beschäftigen ist immer eine
 Herausforderung und unglaubliche Freude.

 Auf welches Programm dürfen wir uns am 2. Mai freuen?

 Aus Verneigung vor dem Genius Loci fangen wir gleich mit einem quirligen Brahms
 an, der Sonate F-Dur. Dann folgen die drei Fantasiestücke op. 73 von Robert
 Schumann, um auch das Umfeld von Brahms auszuleuchten. Nach der Pause wollen
 wir das Publikum mit einem spanisch-französischen Programm unterhalten.

 Dass Johannes Brahms glückliche Sommermonate in der Schweiz verbrachte,
 als er seine F-Dur Sonate schrieb, hört man in der Musik. Was sind die
 Glücksmomente Ihres Musikerlebens?


So wunderbare Musik wie die von Brahms spielen zu dürfen; und wenn es eine Übereinstimmung im Geist mit dem Komponisten gibt.

Freuen Sie sich, wieder nach Schleswig-Holstein zu kommen?

Ich habe sehr lange an der Musikhochschule Lübeck gearbeitet und fühle mich dem Land daher sehr verbunden. Als baltischer Mensch freue ich mich immer, in Norddeutschland zu spielen. Es erinnert mich an meine Heimat Litauen.

Vielen Dank für das Gespräch

Programm:

Grußworte von Prof. Eckart Besch und Kulturminister Dr. Ekkehard Klug
Johannes Brahms – Sonate F-Dur op 99
Robert Schumann – Fantasiestücke op.73
Manuel de Falla - „Siete canciones populares espanolas“
Benny Gilin – Ballade „Rachel aus Toledo“
Claude Debussy - „Clair de lune“
Gaspar Cassado - „Requiebros“

 

Auftakt der Brahms-Wochen 2012 mit "musikalischen Erinnerungen" von Klaus Groth
Schauspieler Christian Quadflieg begeistert mit musikalisch-literarischem Programm

Als Landarzt Dr. Karsten Mattiesen begeisterte er die Nation. Heute zieht er die Lyrik vor. Zum Abschluss der Klaus-Groth-Tagung und Auftakt der Brahms-Wochen gastierte Schauspieler Christian Quadflieg am Sonntag auf der Museumsinsel Lüttenheid und begeisterte das Publium mit seinem Programm „Klaus Groth und die Musik“.

Christian Quadflieg (67) greift seit einiger Zeit gezielt auf das elementare Werkzeug eines Schauspielers zurück: Die Sprache. Als Rezitator leiht er seine Stimme jenen, deren Werke ihn in besonderer Weise begeistern – wie dem Heider Volksdichter Klaus Groth. Unter dem Titel "Musikalische Erinnerungen" las er aus den Memoiren und Gedichten des Schriftstellers. Darin beschreibt Groth, wie er sich als junger Schreiber in der Heider Landvogtei zunächst das Notenlesen und dann das Klavierspiel selbst beibrachte. Als Groth später in Kiel lebte, gehörte er zu den aktiven Musik- und Konzertförderern der Landeshauptstadt und lernte die bedeutenden Musiker seiner Zeit kennen.

Christian Quadflieg, der am Nachmittag im Hamburger Schauspielhaus noch den Gustaf-Gründgens-Preis an John Neumeier verliehen hatte, nahm den Faden auf, den Professor Dr. Heinrich Detering am Vorabend in seinem Festvortrag über die Vertonungen der Grothschen Gedichte durch Johannes Brahms geknüpft hatte. Zusammen mit den Zuhörern auf der seit langem ausverkauften Museumsinsel schwelgte Quadflieg in den Erinnerungen des „Quickborn“-Dichters, entführte in dessen Knabenzeit, als „in Dithmarschen noch gesungen wurde“ und spürte der musikalischen Leidenschaft Groths in späteren Jahren nach, als er mit dem „Musikschatz von Brahms bis Bach vertraut wurde.“ Zwischen humorvollem Plauderton und hochkünstlerischen Rezitation wechselnd visualisierte der Schauspieler die knisternd erotische Begegnung Groths mit der Sängerin und schwedischen „Nachtigall“ Jenny Lind, den schmerzlichen Verlust des Freundes Robert Schumann und das kurze, aber folgenreiche Treffen mit Franz Liszt in Budapest.

Keineswegs nur musikalische Untermalung, sondern Programmpunkt der Extraklasse lieferte die russische Pianistin Ekaterina Doubkova mit der Interpretation passend ausgewählter Stücke von Brahms, Schumann, Liszt, Mendelssohn, Reinecke und Chopin. Aufmerksam verfolgte das Publikum auf der Museumsinsel die Leichtigkeit, mit der sie die Stücke meisterte, ihre Hände schienen ein Eigenleben zu führen.

Am Ende zeigte der enthusiastische Beifall, dass der Versuch, die geistige Nähe der beiden Protagonisten Brahms und Groth und die nach ihnen benannten Gesellschaften stärken zu betonen, mehr als aufgegangen ist. Beim anschließenden Künstlertreff im Brahmshaus wurden bereits intensive Gespräche geführt, wie die starke Achse der beiden Künstlerhäuser auf dem einzigartigen Museumsterrain Lüttenheid ausgebaut werden könnte.

                                                                                                                                                                         Andreas Guballa


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angeregte Pausengespräche
jung und alt begeistert
KÜnstlertreff

Impressionen vom Auftakt der Brahms-Wochen 2012  mit Schauspieler Christian Quadflieg und Pianistin Ekaterina Doubkova. Fotos Guballa

 

Musikalische Glücksmomente
Arthur Hornig (Cello) und Julia Golkhovaya (Klavier) begeistern beim Museumskonzert der Brahms-Gesellschaft

Dass Johannes Brahms glückliche Sommermonate in der Schweiz verbrachte, als er seine Sonate für Violoncello und Klavier F-Dur op. 99 schrieb, hört man in der Musik. Glücksmomente gab es auch am Sonntag beim Saisonabschlusskonzert der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein, als Arthur Hornig (Cello) und Julia Golkhovaya (Klavier) diese zweite Brahms-Sonate auf der Museumsinsel Lüttenheid spielten.

Die beiden Stipendiaten des Deutschen Musikwettbewerbs musizieren erst seit gut einem Jahr zusammen, doch einem solch' emotionalen Gleichklang zweier Interpreten begegnet man nur selten. Sie scheinen nicht nur eins mit der Musik zu werden, sie verschmelzen – auch hinsichtlich des Ausschöpfens der klanglichen Möglichkeiten ihrer Instrumente – zu einem einzigen Klangkörper. Das mag zum einen daran liegen, dass das Repertoire des Abends zu den bedeutsamsten und meistgespielten kammermusikalischen Werken für Klavier und Cello gehört, an denen sich jeder Instrumentalist messen lassen muss; zum anderen gehören die Sonaten von Beethoven und Brahms sowie die Fantasiestücke von Schumann zu den „innig geliebten“ Stücken der jungen Musiker.
Wunderbar leicht, poetisch und befeuernd im Zwiegespräch legen die beiden Künstler zunächst Schumanns drei Fantasietücke op. 73 dar. Je weiter der Abend fortschreitet, desto dichter verspinnen sich die musikalischen Fäden zu einem Klanggebilde von hoher Intensität und Intimität.
Was den 24jährigen Solocellisten der Deutschen Oper Berlin und die deutsch-russische Pianistin verbindet, sind nicht nur die Energie und das spieltechnische Können, sondern auch die Hingabe der kammermusikalischen Dialoge. Da wirkt keine Note langweilig, kein Pianissimo verpufft, kein Crescendo ins Leere getrieben. Hier stimmt das Zusammenspiel bis ins kleinste Detail, wenn etwa Hornig eine rasche Spielfigur seiner Partnerin mit herrlichem Celloton auffängt und sie dann ganz organisch weiterführt.
Nachdem Schumann durch seine Poesie entzückt hat, begeistern Beethoven durch betörende Leidenschaft und Brahms durch inneres Feuer, welche das Cello mit seinem tiefen, glühenden Gesang beschwört. Und zum Schluss geben die beiden dem Affen noch Zucker mit dem dritten Satz aus Astor Piazzollas „Grand Tango“.
                                                                                                                                                                                                    Andreas Guballa

Mit den Brahms-Wochen 2012 startet der nächste Konzertreigen der Brahms-Gesellschaft ab dem 22. April. Den Auftakt machen Christian Quadflieg (Rezitation) und Ekaterina Doubkova (Klavier) auf der Museumsinsel Lüttenheid.

Arthur Hornig und Julia Golkhovaya

 

Virtuose Tastentänze
Motoi Kawahima vereint beim Adventskonzert der Brahms-Gesellschaft Technik und Emotion

Im nächsten Jahr feiert die Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein 25jähriges Jubiläum. In dieser Zeit ist viel passiert. Aber eine Konzertverzögerung durch einen defekten Treppenlift wird wohl einmalig in den Annalen des Vereins bleiben. Eine durchgebrannte Sicherung löste den Alarm – ein hochfrequentiges Piepsen - beim Behindertenaufzug auf der Museumsinsel Lüttenheid aus, der erst nach 15 Minuten durch den richtigen Dreh beendet werden konnte. Dieser Zwischenfall tat der Konzentration des Pianisten Motoi Kawahima aber offenbar keinen Abbruch, der im Laufe des Abends mit ausbalanciertem Programm, einwandfreier Technik und blitzschnellen Fingern beeindruckte.

Der Japaner kam nach seinem Konzertexamen in Tokio nach Europa, um sich in Weimar und Berlin sowie in zahlreichen Meisterkursen bei den ganz Großen seiner Zunft den letzten künstlerischen Schliff zu holen. Seitdem konzertiert er in den bedeutendsten Sälen und arbeitet mit renommierten internationalen Orchestern und Dirigenten. Klassikkenner der Region war der 38jährigen noch von der Klaviersommernacht im letzten Jahr bekannt, bei der er mit einer Stückauswahl auf sich aufmerksam machte, die ihren Ursprung in der Ballettmusik haben. Bevor der Pianist im März als Professor an die Musikhochschule Tokio in sein Heimatland zurückkehrt, gab's nun noch einmal die letzte Chance ihn in Heide spielen zu hören.

An den Beginn seines Auftritts stellt er Mozarts Klassikhit, den „Türkischem Marsch“, und demonstriert mit virtuosen Tastentänzen eindrucksvoll seine Fähigkeit, kraftvoll angelegte Klavierläufe, mit romantischen Passagen voller Feinheit und Tiefgang zu verknüpfen.
Intensive Kontraste prägen Kawahimas Interpretation von Chopins „Polonaise-Fantasie in As-Dur op. 61“. Mit Nachdruck und Leidenschaft entfaltet er das emotionale Spektrum der Musik, ohne dabei in äußerliches Pathos zu verfallen. Sein ausdrucksvolles, zugleich aber tief verinnerlichtes Spiel vermittelt den Eindruck, einem Zwiegespräch zwischen Interpreten und Komponisten zu lauschen.
Als veritabler Klavierpoet entpuppt sich Kawahima nach der Konzertpause. Da werden Ravels Miniaturen „Valses nobles et sentimentales“ zu fantasiereichen Tänzen leichter Art und mit Schuberts „Wandererfantasie“, einem temperamentvollen, über weite Strecken heiteren Klavierwerk des großen Romantikers, führt der Japaner die Zuhörer musikalisch über Berg und Tal, durch wild zerklüftete Schluchten und reißende Gebirgsbäche, vorbei an romantischen Weilern und saftigen Weiden.
Mit Poulencs „Hommage an Edith Piaf“ und Schumanns „Träumerei“ belohnt der Solist das begeisterte Publikum reichlich mit Zugaben und stellt sich beim anschließenden Künstlertreff im Brahmshaus noch den interessierten Fragen der Fans über die Situation in Japan nach der Nuklear-Katastrophe sowie seiner künstlerischen Zukunft.

Pianist Motoi Kawahima
Pianist Motoi Kawahima. Foto Guballa


angeregte Pausengespräche
jung und alt begeistert
KÜnstlertreff

Impressionen vom Adventskonzert mit Motoi Kawahima. Fotos Guballa


 

Musikgenuss hoch drei
Das Trio Christian/ von Gutzeit/ Achkar eröffnet Reihe der Museumskonzerte auf Lüttenheid

Es gibt Ensembles, die ein halbes Leben lang gemeinsam musizieren, immer in derselben Besetzung. Es gibt auch Musiker, die ihren eigenen Weg gehen, und sich hin und wieder mit Gleichgesinnten treffen, um gemeinsam ein Projekt zu erarbeiten. Welche Richtung das Trio Christian/ von Gutzeit/ Achkar einschlagen wird, ist noch ungewiss, denn die drei jungen Musikerinnen haben sich erst vor kurz gefunden – ganz zeitgemäß als Klaviertrio gecastet vom Deutschen Musikrat. Am Sonntagnachmittag eröffneten sie die neue Konzertreihe der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein auf der Museumsinsel Lüttenheid (ehemals Postelsoirée).

Sarah Christian (Violine), Konstanze von Gutzeit (Violoncello) und Sonia Achkar (Klavier) sind jede für sich bereits von zahlreichen Jurys ausgezeichnet und besitzen Solisten-Qualitäten; als Trio bieten sie musikalisch wie optisch einen Genuss hoch drei. Über den Sommer haben sich die Stipendiatinnen kennengelernt, musikalisch zusammengefunden und vier Konzertprogramme entwickelt, mit denen sie nun ein Jahr lang bei den „Konzerten Junger Künstler“ in ganz Deutschland gastieren werden. Nebenbei warten Solo-Verpflichtungen und die Fortsetzung des Musikstudiums.

Unter dem Motto „Geisternacht“ präsentierten die drei Amazonen in Heide vor ausverkauftem Saal zwei Klassiker der Klaviertrioliteratur, Beethovens „Geistertrio“ und Dvoraks „Dumky Trio“, die zwei Werke bedeutender ungarischer Komponisten des 20. Jahrhunderts umrahmen: Kodálys Duo für Violine und Violoncello sowie Ligetis Sonate für Violoncello solo.
Das Spiel der drei Musikerinnen wirkt außerordentlich impulsiv und frisch. Jeder Takt der Musik wird aus einem spontanen Erleben heraus gespiesen, und doch harmonieren sie im feinen Zusammenspiel. Achkars klares, fein perlendes Klavierspiel begleitet die beiden Streicherinnen einfühlsam, drückt sie niemals akustisch an die Wand. Die bedanken sich dafür mit überraschend fahl-geheimnisvollen Zwischentönen, beweisen aber auch Temperament mit glutvollem Spiel, insbesondere bei Dvoraks beliebtem „Dumky Trio“ mit volkstümlichem Einschlag, das zwischen Schwermut und Ausgelassenheit pendelt und dessen Intensität selbst dem größten Gefühlsmuffel das Herz auftaut. „Ein gelungener Auftakt der neuen Konzertreihe“, war sich das Publikum einig. „So wünscht man sich Kammermusikabende!“ Andreas Guballa

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v.l. Sarah Christian, Sonia Achkar, Konstanze von Gutzeit. Foto Guballa


 

Ein Weltstar in Dithmarschen
Brahms-Preisverleihung an Anne-Sophie Mutter

Wesselburen - Sie war Karajans Wunderkind und hat seitdem alles erreicht, was eine Geigerin erreichen kann: Anne-Sophie Mutter. „In großer Ehrerbietung vor ihrer seit Jahrzehnten leuchtenden instrumentalen Meisterschaft, in Würdigung der Ausstrahlung ihrer künstlerischen Persönlichkeit und ihrer Menschlichkeit sowie in Dankbarkeit für ihre weltweit anerkannte und Maßstäbe setzende Interpretationen auch der Werke von Johannes Brahms“ ist dem Weltstar nun am Freitagabend in Wesselburen der mit 10 000 Euro dotierte Brahms-Preis der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein mit Sitz in Heide verliehen worden.

Der Brahms-Preis ist für uns in Schleswig-Holstein die ideale Möglichkeit, um Ihnen unsere hohe Wertschätzung auszudrücken“, gratulierte Kulturminister Dr. Ekkehard Klug der Brahms-Preisträgerin. Ausgezeichnet werde eine „große Künstlerin, einfühlsame Brahms-Interpretin und Persönlichkeit“, betonte der Minister.

Der Brahms-Preis wird seit 1988 von der Brahms-Gesellschaft verliehen. Er würdigt Persönlichkeiten, die sich um die Pflege Brahms’scher Musik und des künstlerischen Erbes von Johannes Brahms verdient gemacht haben. Minister Dr. Klug: „Der Preis ist ein Bekenntnis zu einem kulturellen Raum und zu einer Landschaft, die Künstler immer wieder neu inspiriert.“

Anne-Sophie Mutter nahm den Preis sichtlich bewegt im Rahmen eines Festkonzerts in der bis auf den letzten Platz ausverkauften St. Bartholomäus-Kirche entgegen. Eine geweihte Stätte für die Brahms-Gesellschaft, so deren Vorsitzender Professor Eckart Besch: „Hier begann die Musik bei den Brahmsens, als vor fast 200 Jahren Johann Jacob Brahms, der Vater von Johannes Brahms, damals noch ein Jüngling in der Kirche ein und aus ging. Drei Jahre lang nahm er hier gezielten Unterricht beim damaligen Organisten. Die Berufsausbildung endete mit einem ordentlichen Lehrbrief. Welch ein Bogen der Beziehung, den wir schlagen zu heute.“

Auch Laudator Michael Russ, Stuttgarter Konzertveranstalter und Vorsitzender der Anne-Sophie Mutter Stiftung, schlug einen großen Bogen von den Anfängen der Karriere Mutters als „deutsches Mädchenwunder“, die ihren ersten Auftritt als 13jährige beim Festival in Luzern hatte, bis zur unbestrittenen Meisterschaft als Spitzengeigerin unserer Zeit.
Darüber hinaus habe es sich Anne-Sophie Mutter zur Aufgabe gemacht, junge hochbegabte Streicher-Solisten weltweit zu fördern. Im Herbst 1997 gründete sie deshalb den "Freundeskreis Anne-Sophie Mutter Stiftung e.V.". Im Rahmen dieser Institution werden die Stipendiaten nach ihren individuellen Bedürfnissen unterstützt: sei es durch Bereitstellung von Instrumenten, Vermittlung von Lehrern, Vorspieltermine bei Dirigenten, Stipendien. Zahlreiche arrivierte Künstler sind aus dieser Förderung hervorgegangen und bestätigen somit deren hervorragende Arbeit. Für ihren Besuch in Wesselburen hatte die 48jährige den jungen Russen Vladimir Babeshko mitgebracht, der das Publikum mit der Sonate Es-Dur op. 120, Nr. 2 von Johannes Brahms verzauberte. Die Brahms-Preisträgerin 2011, die sich selbst in der Tradition von Joseph Joachim und Dawid Oistrach sieht, bedankte sich mit einer musikalisch intimen und spannungsgeladen Interpretation von Brahms' berühmter Sonate Nr. 3 d-Moll op. 108; am Flügel meisterhaft begleitet von ihrem langjährigen Duo-Partner Lambert Orkis - zwei Koryphäen des Zusammenspiels, deren interpretatorische Kompetenz vom ersten Ton an bezaubert. Ein Genuss, Mutter und Orkis bei der künstlerischen Arbeit aus nächster Nähe beobachten zu dürfen. Mit Standing Ovations und vollständig vom Muttervirus befallen bedachten die zirka 1000 Besucher die Star-Geigerin und entlockten ihr als Zugabe "zur Abwechslung noch ein bisschen mehr Brahms", wie Mutter mit einem Schmunzeln sagte. Nach dessen höchst beschwingt vorgetragenem Ungarischen Tänzen Nr. 5 und Nr. 3, wechselten die Musiker ins Opernfach und ließen den Abend mit der "Meditation" aus der Oper "Thais" von Jules Massenet träumerisch ausklingen.


Anne-Sophie Mutter und Prof. Eckart Besch
Küsschen von der Brahms-Preisträgerin 2011
Anne-Sophie Mutter und Lambert Orkis
Bad in der Menge
Vladimir Babeshko bei der Brahms-Preisverleihung
 

Verliebt in die Bratsche

Seit 35 Jahren ist sie die Geigen-Virtuosin schlechthin, stand bereits auf allen großen Bühnen der Welt und überzeugt mit ihrem Ausnahme-Talent. Für ihre künstlerische Leistung wird Anne-Sophie Mutter am 8. Juli in Wesselburen mit dem Brahmspreis 2011 der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein ausgezeichnet. Mit ihr zusammen wird der russische Bratschist Vladimir Babeshko das Preisträgerkonzert gestalten. Der 27jährige ist als erster Bratschist Stipendiat des Freundeskreises der Anne-Sophie Mutter Stiftung. Diese Stiftung hat bereits Klassikstars wie Arabella Steinbacher und Daniel Müller-Schott gefördert. Andreas Guballa sprach mit dem Nachwuchs-Solisten.

Sie haben in einem Alter begonnen Musik zu machen, als andere Jungen lieber Fußball spielten statt ein Instrument zu lernen. Wann war klar, dass Sie Solist werden wollen?

Ich wollte schon immer auf der Bühne stehen und für die Menschen Musik machen. Mit vier Jahren habe ich das erste Mal mit meiner Mutter darüber gesprochen und mir seitdem keine Sorgen machen müssen, dass es nicht klappen könnte. Ich habe es auch nie bedauert zu üben statt Fußball zu spielen.

Sie haben mit sechs Jahren angefangen, Geige zu spielen und sind dann mit 13 Jahren zur Bratsche gewechselt. Warum?

Der Klang hat mir besser gefallen; dieser warme, tiefere Ton. Ich habe später immer wieder versucht, diesen Ausdruck auf der Geige hinzubekommen, aber es hat mich nicht befriedigt. Und als ich dann Konzerte und Aufnahmen von Maestro Yuri Bashmet gehört habe, war ich endgültig in die Bratsche verliebt.

Sind Sie stolz darauf, als erster Bratschist Stipendiat des Freundeskreises der Anne-Sophie Mutter Stiftung zu sein?

Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Ich bin einfach glücklich, mit Frau Mutter zusammenarbeiten zu können.

Wie wird man Stipendiat der Stiftung?

Man muss sich bewerben, später vorspielen und mit Glück wird man ausgewählt. Ich weiss, dass Anne-Sophie Mutter sich persönlich jede Bewerbungs-DVD anschaut und die Musiker zum persönlichen Vorspielen einlädt.

Wie oft treffen Sie sie dann persönlich?

Das ist unterschiedlich. Ich bin einfach froh und glücklich, dass ich ihr vorspielen durfte. Und im März habe ich mit ihr und anderen Stipendiaten eine Kammermusik-Tournee gemacht. Außerdem kann man sich immer melden, wenn man eine Idee oder Fragen hat.

Was lernen Sie von Frau Mutter?

Die Ideen und Inspirationen, die sie hat, sind einfach toll. Man lernt beispielsweise wie man nach einem anstrengenden Flug im Konzertsaal sofort sein Bestes geben kann; wie man immer positiv denkt und freundlich ist.Auch im Umgang mit Journalisten und dem Publikum lernt man viel von ihr. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel Energie sie hat. Nach der Tournee waren wir alle sehr erschöpft, nur Frau Mutter hätte gern noch eine Woche länger mit uns zusammengespielt.

Gibt es weitere Vorteile als Stipendiat?

Ich bekomme ein monatliches Stipendium, so dass ich mich weiter um meine Karriere als Solist kümmern kann. Außerdem zahlt die Stiftung Reisekosten, Hotelübernachtung und Meisterkursgebühren. Daneben organisiert Anne-Sophie Mutter das Vorspielen bei Dirigenten und vermittelt uns an Konzertagenturen. Diese persönliche Unterstützung von ihr ist sehr wichtig für uns Stipendiaten, denn sie ist ein Vorbild und immerhin eine der besten Musikerinnen der Welt.

Was braucht man heutzutage auf dem Musikmarkt, um Erfolg zu haben?

Bei Anne-Sophie Mutter reicht es, das Beste zu geben. Für uns junge Künstler muss noch viel Glück dazu kommen und die Konzentration auf die Musik.

Wie wichtig ist das Auftreten in der Öffentlichkeit und der Presse bei der Vermarktung als Künstler? Im Gegensatz zu Ihrem Bratschisten-Kollegen Nils Mönkemeyer scheinen Sie eher ein ruhigerer Typ zu sein.

Ich glaube, man darf keine Rolle spielen, sondern muss ganz authentisch sein. Dann wird man auch so akzeptiert wie man ist.

Was sind Ihre bisherigen musikalischen Highlights?

Im September 2010 war ich mit Anne-Sophie Mutter auf Tournee in Russland und wurde dort Valery Gergiev vorgestellt. Ihm durfte ich später auch vorspielen. Auch die Europa-Tournee im März mit den anderen Stipendiaten war fantastisch. Es war sehr lehrreich, sich jeden Tag auf einen neuen Konzertsaal einstellen zu müssen und frisch, energievoll und wach zu spielen.

Wie würden Sie Ihren momentanen künstlerischen Standort beschreiben?

Ich möchte meine Musik mit den Menschen teilen und mich immer weiterentwickeln. Ich glaube, ich bin auf einem guten Weg.

Es gibt Menschen, die meinen, ein gebürtiger Russe würden einen russische Komposition anders spielen als beispielsweise einen Brahms. Stimmt das?

Natürlich liegt mir ein Schostakowitsch oder Schnittke näher als ein deutscher Komponist. Aber deshalb ist Brahms nicht unbedingt schwerer für mich, sondern einfach anders. Im Zusammenspiel mit anderen Musikern lernt man aus deren Interpretation und entwickelt solche Stücke für sich weiter.

Hören Sie in Ihrer Freizeit auch klassische Musik?

Nein, ich höre überhaupt keine Musik.

Was können Sie als 27jähriger dafür tun, Gleichaltrige für Klassik zu begeistern?

Man muss ihnen die Angst vor einem Konzert nehmen. Viele glauben, man muss sich mit der Musik auskennen und gut gekleidet ins Konzert gehen. In kleinem Rahmen kann man über die Musik sprechen und mit dem Publikum kommunizieren, um diese Hemmungen abzubauen.

Was sind Ihre nächsten Pläne und Herausforderungen?

Ich freue mich schon sehr bei der Brahmspreis-Verleihung zusammen mit Anne-Sophie Mutter und Lambert Orkis spielen zu dürfen. Zusammen mit anderen Stipendiaten gibt es im Sommer dann ein Konzert beim Verbier Festival.

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

In Russland sagt man, es bringt Unglück darüber zu sprechen. Daher schweige ich lieber zu dieser Frage.

Das wollen wir natürlich nicht riskieren. Viel Erfolg für Ihre Zukunft und danke für das Gespräch.


Bratschist Vladimir Babeshko
Bratschist Vladimir Babeshko. FotoUlrich Schepp

 

Fest der Tasten und Töne
Sommer-Klaviernacht bietet Kunstgenuss auf höchstem Niveau

Was für ein Fest der Tasten und der Töne! Dort wo sonst Luxuswagen auf Käufer warten, herrschte festliche Stimmung und gespannte Erwartung bei den 250 Besuchern der Sommer-Klaviernacht der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein im Glaspavillion von Nord-Ostsee-Automobile Heide. Zu Recht versprach der Vorsitzende, Professor Eckart Besch, einen Kunst-Genuss der Sonderklasse. In drei Konzertabschnitten boten vier Klavierkünstler ein abwechslungsreiches Programm klassischer und moderner Stücke und zogen das Publikum in ihren Bann. Für sinnlich-kulinarische Genüsse in den Pausen sorgte das Catering Team der „Erheiterung Böhe“. „Eine Bereicherung des Heider Kulturlebens,“ war sich Regina Cornelius am Ende des Abends mit allen Anwesenden einig.

Blitzsauber, artikuliert mit einer glasklaren musikalischen Intelligenz ging Miao Hung gleich mit einer selten gespielten Rarität an den Start des Konzertmarathons, der Busoni-Bearbeitung von Bachs "d-Moll-Chaconne". Die frisch gebackene Gewinnerin des Deutschen Musikwettbewerbs verzauberte das Publikum mit ihrem Gespür für die Architektur dieser Komposition. Johannes Brahms Klavierstücke op. 119 ging die junge, zierliche Deutsch-Chinesin dann mit einer Unaufgeregtheit und Ruhe an, als wolle sie sich als Exegetin eigentlich unsichtbar machen. Dass Huangs Spiel flüssig, unsentimental und von großer Klarheit ist, zeigte sich auch bei Ligetis "Etude Nr. 4 Fanfares" und Chopins "Scherzo Nr. 3 cis-Moll op.39", mit denen die Künstlerin den wunderbaren Steinway-Flügel an diesem eindrucksvollen Abend auf herrliche Weise zum Klingen brachte. „Inspirierend“ schwärmte Jana Fiebelkorn, Klavierschülerin der Dithmarscher Musikschule.

Nach der Pause loteten Barbara und Sebastian Bartmann dann zunächst die unterschiedlichen Klangwelten Johannes Brahms' aus. Mit einem diffizilen Anschlag, einer frappierenden Elastizität und Geschmeidigkeit des Spiels verstand es das Ehepaar die herben Kontraste zwischen sakraler Innigkeit („Elf Choralbearbeitungen op. posth. 122“) und weltlicher Verspieltheit („Ungarische Tänze“) seiner Kompositionen in einer eigenen Bearbeitung für Klavier zu vier Händen klingen zu lassen. Dass das Zusammenspiel hinter der Bühne genauso harmonisch funktioniert wie auf der Bühne, beweist der dreieinhalbmonatige Elias als musikalischer Nachwuchs.

Mit der Eigenkomposition "Liquid Moods" von Sebastian Bartmann servierte das Duo zum Abschluss dieses Konzertblocks akustische Cocktails, die zu Erlebnisbildern inspirieren sollen. Vierhändig werden hier die New Yorker Großstadthektik, aber auch die Einsamkeit in der großen Stadt beschrieben, Trauertöne und Zeitebenen gemischt und mit südamerikanischen und Jazz-Rhythmen zur Beach-Party eingeladen. Keith Jarrett lässt grüßen. „Das hätte Brahms gefallen“ so das Urteil von Klassikfan Peter Gill.

Noch einen Schritt näher heran an die Kunst des intensiven Zuhörens führte abschließend Oliver Kern. Dank der Videoprojektionen auf zwei Leinwände konnte das Publikum nicht nur hören, sondern fasziniert auch dabei zuschauen, wie der 41jährige Solist mit sich und dem vielfältigen Klavierkosmos aus drei Jahrhunderten eine Welt offenbarte und doch mit sich allein war.

Zunächst spielte Oliver Kern die selten gespielte "Fantasie in H-Dur" von Beethoven mit einer pianistischen Bravour sondergleichen. Bestechend die mitreißende Spontanität und Wucht seines Vortrages in den eruptiven Akkordfolgen und rasanten Läufen, aber auch die tiefe Beseeltheit in der Gestaltung der melodischen Sequenzen. In der nachfolgenden Interpretation von Brahms "Klavierstücken op. 118, 1-3" setzen virtuose Akkord-Figurationen elegant-ironische Glanzpunkte. In vorwärtsdrängenden Linien und dahin fließender schwellender Sinnlichkeit, jedoch ganz ohne Schwülstigkeit, von vibrierenden Tremoli durchsetzt, kostete Kern die klangüppige "Fantasie h-Moll op. 28" von Skrjabin aus, ein Wunderwerk an durchsichtiger Klangmalerei angesichts der komplexen Harmonik und dichten Textur. Nach dem zeitlosen Ohrwurm-Klassiker, Gershwins "Rhapsody in Blue", hätte es kaum einer Zugabe bedurft. Doch Kern verwöhnte das begeisterte Publikum noch mit einer Schumann-Bearbeitung von Liszts "Widmung".





Die Künstler der Sommer-Klaviernacht
v.l.: Miao Huang, Barbara und Sebastian Bartmann, Oliver Kern. Foto/Text: Andreas Guballa
                          





Musiker aus Leidenschaft
Weltklassepianist Oliver Kern spielt bei der Klavier-Sommernacht

"Subtil und präzise, aber dennoch beseelt und temperamentvoll" umschreibt die Süddeutsche Zeitung das Spiel von Oliver Kern. Das schien auch die Jury des ARD-Wettbewerbes zu überzeugen. Dem 2. Preis in München - ein erster wurde nicht vergeben - schloss sich der 1. Preis beim Internationalen Beethoven-Wettbewerb Wien an, den er als erster Deutscher überhaupt gewinnen konnte. Dies war ein weiterer Höhepunkt in der an Erfolgen nicht eben armen Karriere des heute 41jährigen: Mehr als ein Dutzend Mal reüssierte Kern bei internationalen Konkurrenzen und ist mittlerweile als Solist auf den Bühnen dieser Welt zuhause. Neben seiner Karriere als Pianist lehrt Oliver Kern seit 2008 an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg als Professor für Klavier. 

Am 28. Mai spielt er zum Abschluss der Sommer-Klaviernacht der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein im Pavillion der Nord-Ostsee-Automobile in Heide. Ein Interview mit dem Pianisten über musikalische DNA und die Faszination für Johannes Brahms.

Herr Kern, gab es ein prägendes Erlebnis, das Sie zum Klavier spielen gebracht hat?

Mein Vater war Klavierlehrer und ich soll mich während des Unterrichts immer ins Zimmer geschlichen haben, um unterm Flügel wohlig einzuschlafen. So hat sich mein Interesse an der Musik wohl zum ersten Mal bemerkbar gemacht. Mit vier Jahren habe ich mich dann selbst an den Flügel gesetzt und auf dem heimischen Instrument spielen gelernt. Im Alter von sieben Jahren wurde ich zu Jugend musiziert geschickt, wo ich gleich einen ersten Preis gewonnen habe; und so hat sich das langsam weiterentwickelt.

Es gibt Fachleute, die vertreten die Meinung, jeder Musiker hat einen eigenen, unverwechselbaren Klang wie eine DNA. Wie würden Sie Ihren Klang beschreiben?

Das ist ein Klischee, das nur bis zu einem gewissen Grad stimmt. Ich mag eher einen dunklen, warmen Klang, was damit zu tun haben kann, dass ich Linkshänder bin. Daher bin ich auch absoluter Brahmsfan. Ich könnte mein ganzes Leben mit Brahms verbringen. Aber die Kunst ist es ja, diesen eigenen Klang jedem Komponisten anzupassen. Natürlich fühlt man sich aber bei bestimmten Komponisten besonders wohl. Bei mir sind das neben Brahms noch Beethoven und Schumann.

Johannes Brahms' Klavierkompositionen haben Sie mehrfach komplett auf Festivals aufgeführt. Was faszinatiert Sie an diesem Komponisten mit Dithmarscher Wurzeln?

Ich bin eigentlich durch Zufall auf ihn gestoßen. Auf Anhieb hat mich seine Musik gepackt und ich hatte sehr schnell einen Zugang dazu. Ich fühle mich bei der Beschäftigung mit Johannes Brahms einfach sehr wohl. Seine Klangwelt ist etwas, was mich wahnsinnig begeistert.

Entdecken Sie manchmal noch Neues an seinen Kompositionen?

Glücklicherweise jedes Mal. Man sollte niemals von sich behaupten, man versteht ein Stück komplett. Das ist wie beim Brunnengraben: je tiefer man gräbt, auf desto mehr Wasser stößt man. So ein Musikstück ist wie ein Lebenspartner. Man entwickelt sich weiter, verändert sich und entwickelt einen anderen Blick.Dann ist es sehr beglückend auf neue Details zu stoßen. Das passiert manchmal beim Üben, aber viel öfter auf der Bühne. Die 150 Prozent Konzentration, die man dort hat, lassen einen noch tiefer ins Werk blicken. Man sollte also eine Partitur aufschlagen und jedes Mal so lesen, als ob man sie noch nie gesehen hätte.

Sie sind auf den Podien dieser Welt unterwegs. Was braucht ein Pianist, um erfolgreich zu sein?

Zuerst sollte man seinen Beruf als Berufung begreifen. Einen Job im Musikleben zu machen, geht meines Erachtens nicht. Sowas ist schnell zu merken. Denn man selbst ist nicht die wichtigste Person, sondern nur ein Medium und hat die Idee des Komponisten zu vertreten. Wenn man Musik aus rein finanziellen Gründen betreibt oder um sich zu profilieren, dann funktioniert das alles nicht. Die Liebe zur Musik ist das Entscheidende. Natürlich ist es auch harte Arbeit und man muss die Bereitschaft mitbringen, ständig dazu zu lernen.

Ist es nicht der einsamste Job der Welt, allein auf der Bühne zu sein, obwohl man von tausend, zweitausend Paar Augen beobachtet wird?

Ja und Nein. Es gibt diese einsamen Momente. Aber ich spiele ja nicht ausschließlich Solorepertoire. Für mich ist Kammermusik genauso wichtig. Dabei lernt man klanglich sehr viel von den anderen Instrumenten, man lernt auch einen Komponisten kompletter kennen. Sowohl musikalisch als auch menschlich muss da die Chemie stimmen, daher ist es so schwer, gute Kammermusikensemble zu gründen. Und mit Orchester zu spielen ist für mich eigentlich die größte Form der Kammermusik, denn ich stehe ständig mit den Soloinstrumenten des Orchesters in Verbindung.

Seit 2008 sind Sie Professor an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Was geben Sie dem musikalischen Nachwuchs mit auf den Weg?

Für mich ist das Forschen nach der Wahrheit sehr wichtig. Es gibt soviele Möglichkeiten etwas auszudrücken. Wichtig ist, dass sie ganz genau durchdacht sind. Meine Aufgabe besteht darin, die Studierenden zu fördern und zu fordern, sich eine eigene Meinung zu bilden, wie man an ein Werk herangeht. Sie sollen keine Kopie von mir werden.

Am 28. Mai sind Sie zu Gast bei der Klavier-Sommernacht. Worauf darf das Publikum sich freuen?

Es ist immer wunderbar dort zu sein, wo der Geist Johannes Brahms' zu spüren ist. Und ich kenne Heide schon aus Konzerten während meiner Studienzeit, als ich über ein Stipendium des Deutschen Musikrats dort spielen durfte. Das Programm am 28. Mai ist sehr rhapsodisch geprägt und hat einen Augenmerk auf einigen Fantasien. Darunter die faszinierende und abwechslungsreiche Fantasie op.77 von Beethoven, die einzige, die er schriftlich niedergelegt hat. Relativ wenig gespielt, obwohl es ein unglaublich schönes Stück ist, ist die Fantasie op 28. von Skrjabin. Natürlich darf Johannes Brahms nicht fehlen. Und meinen Auftritt beende ich mit der Rhapsodie in blue.

Interview: Andreas Guballa


Foto: Boun-Sook Koo


Thema Wasser schlägt musikalische Brücke zwischen Museen
Vater Wolfgang und Tochter Larissa Manz harmonieren bei den Brahms-Wochen

Heide - Die Geschichte Heides ist geprägt vom Wasser. Die Fischpumpe im Markt, der Wasserturm, aber auch die Dithmarscher Wasserwelt sind Zeitzeugen für den alltäglichen Gebrauch des nassen Elements früher und heute. „Wasser verbindet“ erklärte Adrian Hartke treffenderweise bei der Einführung in die von ihm konzipierte Ausstellung „WassErLeben“ auf der Museumsinsel Lüttenheid, die am vergangenen Sonntag im Rahmen der Museumstour 2011 eröffnet wurde. Am 17. April stellte das Thema Wasser nun eine musikalische Brücke her zum Brahmshaus in Laufweite des Ausstellungsortes. Anlässlich der Brahms-Wochen 2011 gestalteten Wolfgang Manz (Klavier) und Tochter Larissa (Violine) den Start zum Museums-Hopping zwischen den beiden Kulturinstitutionen. Unter dem Motto „Auf dem Wasser zu spielen“ standen Stücke auf dem Programm, von denen jedes in seinem Titel den Begriff Wasser trägt.

„Bei Vater und Tochter dürfen wir wohl ein besonders harmonisches Zusammenspiel erwarten.“ Diese Worte, mit denen der Vorsitzende der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein, Professor Eckart Besch, das Duo ankündigte, sollten sich schon bei der „Regenlied-Sonate“ von Johannes Brahms bewahrheiten. Es war nicht zu überhören und zu übersehen: Hier musizieren zwei bestens aufeinander eingestimmte Solisten. Brahms zitiert in seiner Sonate für Violine und Klavier Nr. 1 G-Dur op. 78 Elemente aus einer Groth-Vertonung, die vom Regen erzählt. Das Duo Manz ließ die Sonate durchsichtig, sehnig und jugendfrisch klingen. Auch bei den folgenden Klavierstücken plätschert nichts dahin. Wolfgang Manz, der bereits vor mehreren Jahren zu Gast bei der Klavier-Sommernacht war, zeigte sich wie damals auch am Sonntag als klanggewaltiger Virtuose. Der Liszt-Bearbeitung des Schubert-Liedes „Auf dem Wasser zu singen“ verlieh er einen romantisch-verträumten Anstrich, während er bei den zwei Kompositionen aus Liszts „Années de Pèlerinage“ die richtige Interpretation findet mit feinem Gespür für leise Zwischentöne und einem sensiblen Tempobewusstsein. Mit Debussys „Poisson d'or“ (Goldfisch) gewährte der Professor für Klavier an der Hochschule für Musik Nürnberg-Augsburg einen kurzen Einblick in die Kompositionen des Impressionismus, in der es zahlreiche Anspielungen auf das Thema Wasser gibt.

Für den kräftigen Beifall bedankten sich Vater und Tochter noch einmal mit ihrem „harmonischen Zusammenspiel“ in Jules Massenets Klassik-Ohrwurm „Meditation“ aus der Oper „Thäis“, bevor das Auditorium zur Museumsinsel weiterzog. „Ein gelungenes Experiment“ waren sich die Besucher einig. „So stelle ich mir eine lebendige Kulturvermittlung vor“, begeisterte sich Regine Cornelius. „Das sollte man öfter machen“, ermutigte auch Elke Trieglaff-Grabe die Veranstalter.

Duo Larissa und Wolfgang Manz
Harmonisches Zusammenspiel: Vater Wolfgang und Tochter Larissa Manz. Text/ Foto Guballa

Zwei schlagkräftige Brüder
Spitzenduo Gerassimez zu Gast bei den Brahms-Wochen in Marne

Marne - Ein ungewöhnlicher Anblick bot sich den rund 200 Besuchern des zweiten Konzerts der Brahms-Wochen 2011 in der Maria-Magdalenenkirche in Marne. Im Altarraum waren neben einem Flügel ein Drum Set, eine Marimba, ein Vibraphon und allerlei anderes Schlagwerk aufgebaut. Doch wer von diesem Konzert für Percussion und Klavier befürchtete hatte, von Rhythmen überwältigt zu werden, wurde angenehm überrascht: Tonalität, Klang und konzertante Strukturen spielen bei den Brüdern Alexej und Nicolai Gerassimez eine durchaus gleichgewichtige Rolle. Mit ihrer hohen Virtuosität, für ihr Alter (23 und 25 Jahre) ungewöhnlichen Meisterschaft und der charmanten Bühnenpräsenz bescherten sie den Zuhörern einen außergewöhnlichen, kurzweiligen Konzert-Abend. Mit dem im Ruhrpott aufgewachsenen Brüderpaar hatte die Brahms-Gesellschaft wieder ein unvergleichbares Gespür für zwei junge Stars bewiesen, die am Beginn einer großen internationalen Karriere stehen. Unzählige Preise und Auszeichnungen begleiten die beiden jungen Musiker bereits auf ihrem Weg.

Zum Öffnen der Ohren stellten die Künstler Rimski-Korsakows „Hummelflug“ an den Beginn des Konzertabends. In jeder Hand zwei Schlagklöppel haltend, spielte Alexej Gerassimez das Instrument mit einer Hingabe, die das Publikum von Anfang an begeisterte. Im Stück „Famim2“ für Vibraphon, Marimba und Klavier hat Komponist Emmanuel Séjourné in Erinnerung an Chick Corea auf einen Reichtum an Formen und Farben in der Musik zurückgegriffen. Der 23jährige Schlagzeuger Alexej Gerassimez bestach durch eine technisch perfekte, virtuose Schlegeltechnik, mit der er schillernde Akkorde, rasante Läufe und lange Töne aus den Instrumenten holte. Sein zwei Jahre älterer Bruder Nicolai am Klavier hat es schwerer. Er steht gegen die Urgewalt des sinfonischen Schlagwerks etwas im Hintergrund. Doch auch sein Solospiel wirkte subtil, mit viel Seelentiefe und so rhythmisch genau wie das des Bruders am Schlagwerk, etwa bei vier kurzen Präludien von Shostakovich oder dem Solo „Paganini Jazz“ von Fazil Say. Die Schlagkräftigkeit von Alexej konnte nicht überzeugender als durch die eigene Komposition „Asventuras“ für Snare Drum bestätigt werden. Schier unglaublich verwob er die Rhythmen, entlockte dem kleinen Instrument alle nur erdenklichen Töne und Klänge. In Tobias Broströms „Arena“ setzte er zusätzlich das gesamte sinfonische Schlagwerk zu verwirrender Rhythmik ein. In Anbetracht der Virtuosität des Variationswerkes „Paganini Personal“ von Toshi Ichiyanagi, das auf der Grundlage einer Capricce für Violine in der Musikgeschichte von Brahms bis Lutóslawski vielfach Verwendung findet, sowie des diffizil-sinnlichen Maracas-Solo von Javier Alvarez konnte kein Besucher mehr Zweifel hegen, an diesem Abend etwas ganz Außergewöhnliches erlebt zu haben. Mit Richard Michaels „Jazzsuite“, deren ersten Satz man bei youtube von dem Duo nachhören kann, endete ein grandioser Abend.

Duo Gerassimez
Nicolai (li) und Alexej Gerassimez in der Maria-Magdalenen-Kirche in Marne. Text/Foto: Guballa

Auftakt der Brahms-Wochen mit dem Duo Staemmler

Heide (jek) Bei einem Popkonzert hätte es das Publikum von den Stühlen gerissen. Denn was das Duo Staemmler zum Auftakt der Brahmswochen mit Klavier und Violoncello anstellt, ist schlicht und einfach atemberaubend. Immerhin erntet das Brüderpaar lang anhaltenden und begeisterten Beifall. Der furiose Erkundungsritt durch die Kammermusik der Klassik und Romantik endet mit einem umjubelten Zugabe: dem Feuertanz von Manuel de Falla.

Zum ersten Mal starten die Brahmswochen im Veranstaltungsaal der Museumsinsel Lüttenheid. „Hier war früher der Drogenboden“, erinnert sich die Konzertbesucherin Heidi Theege. In jungen Jahren hat sie bei dem damals hier ansässigen Pharma-Großhandel ihre Lehre gemacht. Nun ist der hohe Raum also nicht mehr erfüllt vom Geruch heilender und vielleicht auch stimulierender Kräuter, die berauschende Wirkung von Tönen ist aber auch nicht zu unterschätzen. Für die Musik von Brahms, Beethoven und Chopin bietet der Raum das ideale Ambiente und eine hervorragende Akustik, wie Professor Eckart Besch namens der Brahms-Gesellschaft in seiner Begrüßung hervorhob. Mit der Verlegung der Konzerte von der Postelvilla in die Museumsinsel sorgen Brahms-Gesellschaft und Stadt dafür, dass hier an Lüttenheid das kulturelle Herz Heides noch einen Tick kräftiger schlägt.

In der Pause begutachten die Besucher mit neugierigem Interesse das renovierte Obergeschoss des zur Straße hin liegenden Stade-Hauses. Wie im Rest des Gebäudekomplexes werden im Stade-Haus Ziegelmauern und Balken nicht übertüncht, sondern hervorgehoben – ein architektonisches Bekenntnis zur früheren Nutzung. Denn auf Lüttenheid haben die Vorfahren nicht repräsentiert, sondern gearbeitet, ob am Schmiedefeuer oder im Pferdehandel.

Beim ersten Museums-Konzert liefern die Brüder Staemmler allerdings beides, sowohl Arbeit wie Repräsentanz: ihre Musik ist Schwerarbeit mit höchster Präzision und gleichzeitig eine repräsentative Visitenkarte für die Veranstalter. Die Brahms-Gesellschaft beweist mit der Verpflichtung der hoch dekorierten Brüder ihr Geschick, talentierte Nachwuchskünstler an sich zu binden. Hansjacob und Peter-Philipp Stammler sind unter anderem Preisträger des deutschen Musikwettbewerbes – und just in der vergangenen Woche erhielt diesen Preis auch die Pianistin Miao Huang, die am 28. Mai zur Klaviernacht der Brahmsgesellschaft nach Heide kommen wird.


Hansjacob (links) und Peter Philipp Staemmler: temporeich und präzise. Foto Werner Hajek


Dithmarscher Kulturpreis an Professor Eckart Besch verliehen

Heide (dh) Das Duo di Mar flutete den eher nüchternen Kreistags-Sitzungssaal mit wunderschöner Gitarren- und Flötenmusik, und die Blumen standen bereit: Am 18. März 2011 ist Professor Eckart Besch mit dem Kulturpreis 2010 des Kreises Dithmarschen ausgezeichnet worden.
Seit 1996 ist der national und international renommierte Pianist und emeritierte Hochschulprofessor Vorsitzender der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein, die ihren Sitz in Heide hat. In dieser Zeit führte Eckart Besch die Brahms-Gesellschaft aus ihrem Schattendasein heraus und hat sie "und ihre Konzerte auf dem Weltniveau verankert, das Johannes Brahms gebührt", würdigte Bernd Rachuth in seiner Laudatio den 1931 in Weimar geborenen Preisträger.
Professor Eckart Besch holte weltberühmte Künstler wie Thomas Quasthoff, Simone Young oder den Thomaner-Chor nach Dithmarschen. Als "kulturellen Leuchtturm der Region" bezeichnete Landrat Dr. Jörn Klimant den Preisträger und lobte dessen Fähigkeit, "sein Wissen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen zu können". Besch habe "berühmte Menschen in die Region geholt und hier Musik-Ereignisse" geschaffen. Auch die Ausnahme-Geigerin Anne-Sophie Mutter wird in diesem Sommer zur Verleihung des Brahms-Preises nach Dithmarschen kommen.
"Was das Ansehen der Brahms-Stadt Heide und der Brahms-Landschaft Dithmarschen angeht, so hat Professor Eckart Besch ihm in eineinhalb Jahrzehnten ein unverkennbar scharfes und leuchtendes Profil gegeben", sagte Laudator Bernd Rachuth, Chef des Boyens Buchverlages und Mitstreiter im Vorstand der Brahms-Gesellschaft. Der Vorsitzende Eckart Besch ist in Personalunion Intendant der jährlich stattfindenden Brahms-Wochen und der Postel-Soireen, Kurator des Brahms-Preises und Leiter des Brahms-Hauses in Heide. Rachuths Dank galt aber nicht nur dem Preisträger selbst. Seine Arbeit könne Eckart Besch nur deshalb so gut machen, "weil ihm mit Elisabeth Piening eine überaus tüchtige Kraft in der Geschäftsführung und seit langem auch in der gemeinsamen Lebensgestaltung zur Seite steht". Dass Besch Dithmarschen so lange treu geblieben ist, habe sie wohl auch erst möglich gemacht.
Der Träger des mit 3000 Euro dotierten Kulturpreises gestand gestern, dass es tatsächlich eine Zeit gab, "als ich nicht wusste, wo Dithmarschen liegt". 1996 bekam er einen Anruf vom damaligen Heider Bürgermeister Jan-Christian Erps. Dessen Bitte und Idee: Übernehmen Sie den Vorsitz der Brahms-Gesellschaft.
Besch sagte zu und wusste damals noch nicht, was er heute weiß: Er hatte "eine Aufgabe für einen ganzen Lebensabschnitt" übernommen. Schon beim Frühstück, verriet Eckart Besch dem Publikum, sei die Brahms-Gesellschaft oft ein Thema.
Mittlerweile weiß Eckart Besch nicht nur, wo der Kreis liegt: "Dithmarschen hat mich in den Griff genommen." Die Tiefe der Landschaft sei notwendig, um sich Brahms zu nähern. Allerdings hat Besch auch, wie er gestern sagte, "die Weite seines Horizonts und die Grenzen kennengelernt" - und jeder Zuhörer konnte sich Gedanken darüber machen, ob das nur geografisch gemeint war. Auf jeden Fall sei der Preis "eine große Ehre für mich und die Brahms-Gesellschaft - und Freude bereitet er mir auch".
Nach so viel Brahms beschloss das Duo di Mar den offiziellen Teil der Feier nicht mit Musik des in Hamburg geborenen Komponisten, sondern mit einem Tango von Astor Piazzolla. Und dann bat der Landrat ans leckere Büfett.

Foto: Dieter Höfer

Freude bei der Verleihung des Dithmarscher Kulturpreises (von links): Professor Eckart Besch, Elisabeth Piening, Landrat Dr. Jörn Klimant und Kreispräsident Karsten Peters. Foto: Höfer


Hier können Sie die Laudatio von Bernd Rachuth nachlesen.

 
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