![]() |
![]() |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
Weltklasse-Sänger in Heide
Er habe die Gralserzählung des Lohengrin „In fernem Land“ mittlerweile auf so vielen Bühnen der Welt gesungen, schmunzelte der sympathische Sänger, der gerade im Wagner-Jahr besonders gefragt ist. „Nun auch in Heide!“ Zusammen mit seiner Ehefrau, der Sopranistin Silvia Krüger, gestaltete Vogt für die Brahms-Wochen ein Programm, dass in der ersten Konzerthälfte mit Brahms-Vertonungen vor allem den Genius Loci würdigte; nach der Pause erklang ein Potpourri beliebter Opern- und Operettenmelodien. Schon mit der Auswahl der Brahms-Lieder, darunter auch zwei Vertonungen von Groth-Gedichten, erwiesen sich die Sänger im Duett sowie solistisch als hervorragende Gestalter, die sowohl die melancholisch-ernsten wie auch die heiter-bewegten Gesänge mit sprachlicher und gesanglicher Klarheit, mit Intelligenz, Musikalität und erfrischender Geste vortrugen. In der zweiten Konzerthälfte wechselten Vogt und Krüger mit zwei Mozart-Arien aus der „Zauberflöte“ dann zur eher leichten Muse. Mit der Puccini -Arie „O mio babbino caro“ (Oh mein liebes Väterchen) aus der Oper Gianni Schicchi eroberte Silvia Krüger, die ihrem berühmten Ehemann den ganzen Abend über ebenbürtig zur Seite stand, mit hell leuchtender Stimme und lebendigem Mienenspiel dann endgültig die Herzen der Zuhörer. Auch Klaus Florian Vogt hatte mit der Lohengrin-Arie sein Wagner-Bravourstück dabei. Wunderbar die ebenso sichere wie schmelzende Höhe der jungenhaft hellen Stimme, die über große Kraftreserven und langen Atem verfügt und dabei bemerkenswert artikulationssicher ist. Das hatte in jeder Hinsicht Bayreuth-Klasse. Zwischen den Arien plauderte Vogt munter über sein Debut als Tamino am Schleswig-Holsteinischen Landestheater in Flensburg, Pleiten, Pech und Pannen an der Dresdner Semperoper und peinliche Missgeschicke bei der Open-Air-Sommeroperette in Lübeck. Mit einer Auswahl schmissiger Operettenmelodien konnte das Sängerduo dann dem Affen am Ende noch einmal ordentlich Zucker geben, animierte das Publikum bei Kálmáns „Tanzen möcht' ich“ sogar zum Mitsingen. Standing Ovations und zwei Zugaben beendeten einen unvergesslicher Abend, der nicht nur dem Publikum, sondern auch den Künstlern sichtlich Spaß machte. (Foto/Text Andreas Guballa)
Klavierabend auf höchstem Niveau Seit Benjamin Moser 2007 den Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerb gewann, hat er einen klingenden Namen in der Pianisten-Szene und ist ein gefragter Solist. Am Sonntag gastierte er im Rahmen der Brahms-Wochen 2013 auf der Museumsinsel Lüttenheid und sorgte mit der Kraft und Klarheit seines Spiels für Begeisterungsstürme.
Ersungenes Glück
Am
Ende des Abends brachte Heides Ehrenbürger Reinhard Woelk es auf den
Punkt: „Es ist ein einmaliges Erlebnis dabei sein zu dürfen, wenn
eine Künstlerin ihre Seele aufschließt.“ Vorher hatte die
Kammersängerin das Publikum 90 Minuten lang mit auf ihren
außergewöhnlichen Lebensweg genommen: vom Debut als Kate Linkerton
1962 an der Deutschen Oper Berlin über ihre Galeerenjahre durch
kleinere Engagements an Provinztheatern, ihre Begegnungen mit dem
Komponisten Hans Werner Henze, dem Dirigenten Herbert von Karajan,
dem Sängerkollegen Luciano Pavarotti sowie dem Direktor der New
Yorker Metropolitan Opera Rudolf Bing bis zu ihrem gesanglichen
Vermächtnis, der Einspielung von Isoldes Liebestod
„Mild und Leise“ aus Wagners „Tristan und Isolde“, nach der
sie Abschied von der Bühne nahm. Denn eine Frage wollte sie nie
hören: „Singt die Moser eigentlich noch?“ Nach dem fulminanten Auftakt der Brahms-Wochen mit Weltstar Edda Moser geht es am 21. April mit ihrem Neffen weiter. Denn die unerschöpfliche Familie der Mosers hat auch Benjamin Moser hervorgebracht, auf den sich besonders die Freunde des Klavierspiels freuen dürfen. Ein Pianist, der bereits international enormes Aufsehen erregt hat. Werke von Brahms, Wagner-Liszt, Debussy u.a. stehen auf seinem Programm. (Text/Fotos: Andreas Guballa)
Vier junge Musiker
bezaubern das Publikum Sie kamen, sahen und bezauberten das Publikum: Die vier großartigen Musiker des Mariani-Klavierquartetts gastiertem im letzten Konzert der Wintersaison der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein in einem ausverkauften Haus auf der Museumsinsel.
Es muss nicht immer Walzer
sein
Dass es nicht immer Wiener Walzer zum Jahreswechsel sein muss, bewies das Duo Jeanquirit beim Neujahrskonzert der Brahms-Gesellschaft auf der Museumsinsel Lüttenheid.
Und so wählten die 27jährigen die gespielten Stücke folgerichtig nach der Devise „Was uns Spaß macht“ aus und brachten auf ihrer Weltreise von Land zu Land und Stück für Stück einen zunehmenden Hauch von Leichtigkeit in ihre Auswahl. Mit vier Sätzen aus „Fantasiestücke op. 43“ von Niels Wilhelm Gade begann die musikalische Rundreise in Dänemark. Wohlgeformte Phrasen machen die Komposition des Brahms-Zeitgenossen aus, der seinen Stil offenbar an Mendelssohn orientierte. Weiter ging es von Max Reger (Deutschland) in die USA. Hier spielten die Musiktalente zwei Sätze aus der Sonate für Klarinette und Klavier von Leonhard Bernstein. Seine ausdrucksstarke, im Finale jazzig-toccatenhafte Komposition läßt im Andantino schon die Tanznummern der 15 Jahre später uraufgeführten West Side Story erahnen. Auch David Kindt ließ auf seinem Instrument die Noten tanzen. Der Solo-Klarinettist im Sinfonieorchester Aachen hat nicht nur enorm flinke Finger, er hat auch den Rhythmus im Blut. Sein Spiel zeichnet sich durch eine solche Mühelosigkeit und Gelassenheit aus, dass man ahnt: Der kann noch viel mehr! Der Pianist Helge Aurich, technisch versiert und auf perfektes Zusammenspiel bedacht, agierte sanftgleitend und in den besten Momenten klangpoetisch differenziert. Von Astor Piazzolla (Argentinien), dem „Erfinder“ des Tango Nuevo, wählten sie am Ende des Sets „Café 1930“ und „Nightclub 1960“ aus „Histoire du Tango“. Nach der Pause kam eher
Zeitgenössisches zum Zuge. Das „Tombeau de Ravel“ von Arthur
Benjamin (Australien) besticht durch seinen höchst eigentümlichen
Stil, einem dichten Tongeflecht mit wunderbar lyrischen Momenten,
unvermittelten Pausen und einem überraschenden Schluss. Witold
Lutoslawski ist neben Chopin der faszinierendste polnische Komponist.
Wie Kindt und Aurich seine „Tanz-Präludien“ zum Hüpfen bringen,
forderte noch einmal in ihrer komplizierten Konstruktion die ganzen
Virtuosen. Ihre musikalische Weltreise beendeten die beiden Musiker
mit einer mitreißenden Interpretation der „Fantasie über Bizets
Carmen“ des Spaniers Pablo de Sarasate. Heißblütig, aber auch
dramatisch beschreibt der Komponist das Bild der wohl vielschichtigsten
Frauengestalt der Operngeschichte. Zur „Beruhigung“ gab es noch einen
Tango von Isaac
Albeniz, den die beiden Musiker noch einmal mit großer Spielfreude
interpretierten. (Text/Foto: Andreas Guballa)
Wundervoll
ausgeleuchtete Klangbilder Einen musikalischen Bunten Teller bot das Acelga-Trio mit Flöte, Horn und Klavier beim Adventskonzert der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein am Freitag auf der Museumsinsel Lüttenheid. Eröffnet und beendet wurde der Abend mit Werken für die seltene Trio-Besetzung. Dazwischen gab es Solowerke und Duette für die Instrumente zu hören. Barock, Klassik und Romantik - hier war für jeden Liebhaber besonderer Kammermusik etwas dabei.
Schwindelerregende
Virtuosität am
Klavier
Imponierende pianistische Brillanz und geradezu schwindelerregende Virtuosität prägten den Klavierabend mit dem eingesprungenen Rolf Plagge beim Museumskonzert der Brahms-Gesellschaft. Eine Sternstunde der Klaviermusik.
Mit seinem Konzert hatte der gebürtige Norddeutsche, der seit 1991 am Salzburger Mozarteum als Hochschulprofessor unterrichtet, vertrautes Terrain betreten. Schon zwei Mal war Plagge zu Gast bei Konzerten der Brahms-Gesellschaft. Gern kam er daher der Bitte Professor Eckart Beschs nach, den er bereits als 14jährigen Teenager bei der Aufnahmeprüfung zur Hamburger Musikhochschule begeistert hatte, noch einmal nach Heide zu kommen. Obwohl sich der Gewinner vieler Wettbewerbspreise mit Vorliebe wenig bekanntem Repertoire widmet, hatte sich der heute 53jährige in seiner Programmauswahl für Klassiker der Klaviermusik entschieden. Schon vor der „Appassionata“ hatte der Pianist in Mozarts „Rondo a-Moll", diesem rätselhaften Spätwerk, das sowohl von heiteren, flüchtigen Passagen als auch von großer Not durchdrungen ist, die Untiefen der Dissonanz in aller Sorgfalt ausgelotet. Nach der Pause unterstrich Plagge mit dem Scherzo Nr. 2 b-Moll von Chopin und der Sonate a-Moll von Schubert, welch begnadeter Meister der Tasten er ist. Blumen, Bravorufe und stehende Ovationen entlockten dem Klaviervirtuosen noch eine späte Bagatelle von Beethoven als Abschluss eines bestechenden Klavierabends, in dem Eindringlichkeit und Tiefe geschliffenen Spiels zur Leucht- und Überzeugungskraft führten. (Text/Foto: Andreas Guballa)
Klangdynamik im verdoppelten Wohnzimmer Mit einem furiosen Auftritt beeindruckte ein junges Kammermusik-Duo zum zweiten Mal sein hiesiges Publikum zum Auftakt der Konzertreihe der Brahms-Gesellschaft.
Andrea Kim und Florian von Radowitz fanden 2006 bei den Vorbereitungen zum Deutschen Musikwettbewerb 2007 zusammen, in dem das Duo prompt ein Stipendium gewann. Als Solisten wie als Ensemble-Musiker verfolgen beide seitdem beachtliche Karrieren. Das musikalische Spektrum reicht vom Barock bis in die Moderne und schließt zum Beispiel bei Andrea Kim auch den Tango Nuevo eines Astor Piazzolla ein. Diese Weite und Vielseitigkeit spiegelte sich in der Programmauswahl des Heider 70-Minuten-Konzerts wider. Das Scharnier zwischen zwei sehr gegensätzlichen Sonaten der Zeitgenossen Bach und Grieg aus dem Jahr 1886 bildeten vier kurze Préludes des Sowjetrussen Schostakowitsch vom Anfang der 1930er-Jahre. Nach den letzten Klängen gab es kräftigen Applaus, aber keine Zugabe. Man wüsste nicht, was man nach den starken Eindrücken der „Thuner Sonate" noch Angemessenes hinzufügen könne, meinte von Radowitz und traf damit auf ein verständnisvolles Publikum. Vor dem Konzert
hatte Professor Eckart Besch mit Stolz auf das wundersam verdoppelte
„Wohnzimmer"des Brahmshauses hingewiesen. Denn auf der
Rückseite des Raumes, hinter den Musikern, prangt die neue
LED-Tapete.
„Justus ist da!“
Er kam,
spielte und begeisterte. Bei der Sommer-Klaviernacht der
Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein bewies Justus Frantz sein
Können als Pianist und Entertainer. Heide (gub) – Es gäbe wohl kaum
einen Künstler, der allein aufgrund seines Vornamens weltweit so
bekannt sei, begrüßte der Vorsitzende der Brahms-Gesellschaft
Schleswig-Holstein, Professor Eckart Besch, die über 300 Besucher
zum Abschluss der diesjährigen Brahms-Wochen im lichtdurchfluteten
Glaspavillion der Nord-Ostsee-Automobile in Heide. Statt langer
Vorrede hieß es einfach: „Justus ist da!“. Im 25jährigen
Jubiläumsjahr der Brahms-Gesellschaft war der Gründer des
„Schleswig-Holstein Musik Festivals“, Justus Frantz, zurück in
die Kreisstadt gekommen, wo er im Mai 1986 am Rande einer
Pressekonferenz auf das
heruntergekommene Brahmshaus auf Lüttenheid aufmerksam gemacht wurde
und die Initialzündung zur Gründung der Brahms-Gesellschaft gab.
Als
Kontrapunkt zum tiefsinnigen Brahms hatte Justus Frantz für seinen
Solo-Auftritt Mozart und Chopin ausgesucht. Mit viel
Einfühlungsvermögen entfaltete der Gründer der Philharmonie der
Nationen die Facetten der Klaviersonate F-Dur, KV 332. Die
„Aufbruchsonate“, wie Justus Frantz das Klavierstück taufte
wegen der Loslösung Mozarts von seinem Vater, gab sich beschwingt
und leicht. Eingänge Melodien und teils halsbrecherischen
Verzierungen, die in ihren klaren und hellen Tönen bezauberten,
gingen Justus Frantz locker und nonchalant von der Hand. Wilde Soli,
die Mozart immer wieder unvermittelt ausbremst, gefolgt von heftigen
Attacken, die in herrlich
perlende Läufe münden, wurden vom Maestro
in virtuoser Meisterschaft hingeworfen. Mit der Sonate A-Dur KV 331
präsentierte Frantz zwei der bekanntesten Sätze Mozarts überhaupt.
Die schnellen Sechzehntel perlen munter über das starre Taktschema
hinweg, ordnen sich zu einem etwas ruhigeren Trio, bis sie
schließlich unvermittelt in den weltberühmten Türkischen Marsch
münden. Und den spielte Justus Frantz mit geradezu überschäumendem
Temperament und sichtlicher Freude am effektvollen Spiel. Das Publikum, darunter erfreulich viele junge Besucher, war begeistert. Der Musikpädagoge, dessen Passion es ist, die klassische Musik als Kulturerbe zu erhalten und in die nächste Generationen weiter zu tragen, nutzte die Gelegenheit für seine Stiftung zugunsten junger Musiker zu werben und empfahl auch der Brahms-Gesellschaft verstärkt Jugendliche in den Verein einzubinden. „Dann würde ich auch jedes Jahr drei Mal zu deren Gunsten in Heide spielen.“ Munter plaudernd bewies der ehemalige „Achtung, Klassik!“-Moderator auch seine Entertainer-Qualitäten und streute immer wieder unterhaltsame Anekdoten aus seinem langen Musikerleben ein inklusive der Förderung einer russischen Schönheitskönigin, die sich als Anna Netrebko herausstellte.
Ensemble Quartonal bei den Brahms-Wochen 2012
Sie sind jung! Sie sehen gut aus! Und sie können singen, was das Zeug hält! Das A-Cappella-Quartett Quartonal begeisterte am Freitag im Rahmen der Brahms-Wochen 2012 in der St. Jacobi-Kirche zu Neuenkirchen.
Mit großem komödiantischen Talent und persiflierenden Gesten interpretierten die vier jungen Männer im anschließenden englischsprachigen Gesangsblock u.a. die Tragödie „The Goslings“ von Frederick Bridge. Die Moritat beschreibt das Schicksal von Gans und Gänserich, die erst im Kochtopf vereint werden. Da schnattert, scherzt und schmettert es durch den vollbesetzen Kirchenraum - schmerzlich verabschiedet in einer Moll-Fassung des Hochzeitsmarsches von Mendelssohn. Auch
in der zweiten Konzerthälfte zogen die vier Goldkehlchen
das
Publikum mit blitzsauberem Gesang, feinfühliger Dynamik und vor
allem mit spürbarer Freude an der Musik in ihren Bann. Das
Bemerkswerte daran ist nicht nur, dass sie alles wunderbar singen,
sondern dass sie jeden Stimmungswechsel glaubwürdig transportieren.
Während sie gerade noch die französischen Renaissance-Lieder
Orlando di Lassos spielerisch interpretiert hatten, sorgten die
Sänger wenig später mit dem Spiritual „Go Down Moses“ für
Gänsehaut. Dass A Cappella Gesang alles andere als verstaubt klingen
muss, bewiesen die Gewinner des Deutschen Chorwettbewerbs 2010 mit
einem traumhaft
schönen Arrangement
des Coldplay-Hits „Viva La Vida“. Auch hier fügten sich die vier
Stimmen mit jeweils ganz persönlicher Färbung gleichberechtigt zu
einem melodischen Ganzen mit eigenem Stil – ein wichtiges Ticket
zu weiteren Erfolgen. Spätestens
mit der Zugabe „What shall we do with the drunken sailor“ sorgte
das Ensemble aus der norddeutschen Provinz beim Publikum für
Beifallsstürme und die Gewissheit, dass sie schon bald in der Liga
ihrer Vorbilder, den „King's Singers“, mitspielen werden.
Festkonzert
der Extraklasse Von Elko Laubeck
In seiner launigen Begrüßung sprach der Vorsitzende der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein, Prof. Eckart Besch, von einem Gedankenblitz bei der Suche nach einem Preisträger im Jahr nach Anne-Sophie Mutter. Das Fauré-Quartett sei nun dran. Er erinnerte an den Boden, auf dem das Konzert stattfinden sollte: Johann Jakob Brahms nämlich, der Vater des Komponisten, habe als Jüngling in Wesselburen bei Kantor Müller sein Handwerk gelernt, „hier auf diesen Steinen, auf diesem Fußboden.“ Und der Geruch der Kirche sei heute bestimmt noch derselbe wie 1820. Besch verriet mit der Ankündigung des Lobredners des Abends zudem, wer der Preisträger 2013 sein wird: Den mit 10 000 Euro dotierten Brahmspreis erhält dann Prof. Matthias Janz. Janz ist Kirchenmusikdirektor in Flensburg. Er wird im kommenden Jahr in Wesselburen mit dem Flensburger Bachchor das Brahms-Requiem aufführen. Als Laudator des Abends würdigte er indes nicht nur das musikalische Spitzenniveau des Fauré-Quartetts, sondern auch die Leistung der Brahmsgesellschaft für das musikalische Geschehen im Land. „Ich finde es großartig, dass mit dem Fauré-Quartett der Bezug zu einer Besetzung hergestellt wird, für die Johannes Brahms drei wunderbare Werke komponiert hat.“ Die Brahms-Gesellschaft richte mit dieser Wahl die Aufmerksamkeit „aber auch auf die Kammermusik insgesamt.“ Allen vier Musikern sei eine solistische Karriere sicher gewesen, sagte Janz. „Rhythmische Präzision, Intonation und klangliche Balance sind aber vor allem auch im Zusammenspiel von hoher Perfektion und wirken dabei ganz natürlich und selbstverständlich. Jeder, der selbst Kammermusik gemacht hat, weiß um die Mühen, die damit verbunden sind, wenn man nur annähernd solche Ergebnisse erzielen möchte.“ Auch Kulturminister Dr. Ekkehard Klug lobte die Arbeit der Brahms-Gesellschaft: „Wer die Liste der bisherigen Brahmspreis-Träger durchgeht, kann daraus ablesen, wie zeitlos aktuell der Komponist in der internationalen Klassik-Musikszene geblieben ist.“ In diese Liste reihe sich das Fauré-Quartett in hervorragender Weise ein. „Sie spielen „Ihren Brahms“ frisch, temperamentvoll und präzise. Auf diese Weise holen sie ihn in unsere Gegenwart. Wer immer noch glaubt, dass klassische Musik verstaubt klingen muss, den belehren diese vier Künstler endgültig eines Besseren.“ Zur Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein passe der diesjährige Preisträger im 25-jährigen Jubiläumsjahr hervorragend. Das Fauré Quartett gehöre zu den Interpreten, die das musikalische Erbe von Johannes Brahms in die Zukunft tragen. „Der Brahms-Preis drückt Anerkennung und Dank für diese Leistung aus“, so Klug. Der Minister hob hervor, dass die Preisträger sich insbesondere um die junge Hörerschaft bemühten und unter anderem mit Schulkonzerten versuchten, Kinder und Jugendliche für die klassische Musik zu gewinnen. „Aus meiner Sicht ist dies ein hervorragender Beitrag zur kulturellen Bildung.“ Das Fauré-Quartett, das sind Erika Geldsetzer, Violine, Sascha Frömbling, Viola, Konstantin Heidrich, Cello, und Dirk Mommertz, Klavier, gab sich äußerst spielfreudig. Voller Gestik und Mimik reichten sie sich die Melodie, voller Emotion trugen sie zunächst das Klavierquartett von Brahms und danach das Klavierquartett g-Moll opus 45 von Namensgeber Gabriel Fauré vor, dabei von einer unglaublichen Präzision. Da stimmte jeder Anschlag, jede Intonation von fortissimo bis in die zartesten Saitenklänge. Etwas ungewöhnliche Klänge gab es am Schluss als Zugabe, als das Fauré-Quartett noch einen Tango zum Besten gab, den der Argentinier Eduardo Hubert eigens für das befreundete Quartett komponiert hatte: Faurétango. Als Kontrapunkt ein Rhythmus-betonter Schlussstrich unter ein Konzert der Extraklasse. Die Laudatio von KMD
Matthias Janz gibt es hier. „Brahms' Kompositionen
sind wie
Muttermilch“
„Überflieger“ und „Shootingstars“ - über diese Bezeichnungen kann das Fauré Quartett nur geschmeichelt lächeln. Immerhin werden die Musiker von der Klassikszene schon seit Jahren wegen ihrer Originalität und Präzision geliebt. Die vier Musiker fanden 1995 beim gemeinsamen Studium in Karlsruhe zusammen. Ihr endgültiger Durchbruch gelang 2006 mit einer Mozart-Aufnahme. Zwei Jahre später erschien eine CD mit Kammerquartetten von Brahms. Die CD „Popsongs“ mit modernen Arrangements ausgesuchter Songs der Popgeschichte sorgte 2009 nicht nur in der Fachwelt und vor allem beim jungen Publikum für Aufsehen, sondern sicherte ihnen den zweiten ECHO Klassik. Am 20. Mai wird dem Fauré Quartett in der St. Bartholomäuskirche in Wesselburen der Brahmspreis 2012 der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein verliehen. Andreas Guballa sprach mit dem Pianisten Dirk Mommertz. Sie haben im Jahr 2008 für Ihre Einspielung der Klavierquartette von Johannes Brahms den ECHO Klassik erhalten sowie den Preis der deutschen Schallplattenkritik. Nun wird Ihnen der diesjährige Brahms-Preis 2012 verliehen. Was bedeutet das für Sie? Es gibt ja unterschiedliche Arten von Preisen; zum Beispiel Preise, für die man sich bewirbt und für die man auch Wettbewerbe fährt. Da ist man in starkem Konkurrenzkampf auf der Bühne und eineJury bewertet den Augenblick. Dafür bekommt man einen Preis oder nicht. So eine Auszeichnung wie der Brahms-Preis ist natürlich etwas ganz anderes. Er wird vergeben für etwas, was man über viele Jahre aufgebaut hat und woran man lange gearbeitet hat. Für uns bedeuten solche Preise natürlich wesentlich mehr als Wettbewerbspreise. Erstmals erhält ein Kammermusikensemble diese Auszeichnung. Sind Klavierquartette zu wenig im Fokus der Öffentlichkeit? Immerhin haben Sie es 2008 sogar in die deutschen Klassik-Charts geschafft, was sonst nur Solisten wie Anna Netrebko oder Rolando Villazon gelingt. Wir beobachten das mit großer Freude, denn es gibt einige Felder, auf denen wir als Kammermusikensemble Neuland betreten. Das liegt vielleicht daran, dass die Gattung Klavierquartett eher selten ist. Es gibt kaum feste Ensembles, die sich diesem Genre genauso verschreiben wie ein Streichquartett. Was fasziniert Sie als Musiker an Brahms? Was macht Brahms' Klangwelt so eigentümlich und unverwechselbar? Wenn man als Musiker in Deutschland aufwächst, ist Brahms so etwas wie Muttermilch. Er gehört zur musikalischen Basis, die man sowohl als Musiker als auch als Konzertgänger mit auf den Weg bekommt. Für uns hat jeder Komponist seine eigene Klangsprache. Bei der Einspielung der Brahms-Quartette haben wir uns intensiv damit auseinander gesetzt und bemüht eine Sprache zu finden, die ihm gerecht wird. Seine Musik hat so einen Fluss, eine Kraft, eine Energie, dass wir die Kompositionen mit dem großen Strom Rhein verglichen haben. Welchen Stellenwert hat Brahms als Komponist für Sie als Quartett? Das sind schon die zentralen Werte für Kammermusikquartette. Jedes Jahr haben wir mindestens ein Werk von Brahms in unserem Repertoire. Von den Kammermusikwerken insgesamt sind sie Höhepunkte der abendländischen Musik. Wenn man Rezensionen über Sie liest, wird dort stets Ihre Originalität und Präzision gelobt. Was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs? Es gibt so viele Faktoren, die zum Erfolg führen. Ein Hauptfaktor ist sehr harte, gründliche und konsequente Arbeit; eine absolute Hingabe für das, was man macht. Unser Probenalltag ist sehr intensiv. Und wir wagen uns erst an ein Aufnahmeprojekt, wenn wir mindestens fünf Jahre daran gearbeitet haben. Dann hat Erfolg natürlich auch mit Glück zu tun. Auf der einen Seite müssen wir als Klavierquartett zeigen, dass die Gattung absolut gleichberechtigt ist mit dem Streichquartett. Das macht uns den Stand nicht leichter. Allerdings haben wir dadurch die Möglichkeit, die Leute zu überraschen. Schließlich nehmen wir uns den Luxus, ein Repertoire wachsen zu lassen und wir proben heute noch immer die Stücke, mit denen wir 1995 angefangen haben. Kammermusik gilt immer noch als elitär. Können Sie durch Ihre Schulkonzerte Hemmschwellen abbauen, um den Zugang zu klassischer Musik zu erleichtern? Dass das
Klassik-Publikum jünger sein könnte, das ist uns schon ein Anliegen
– nicht nur als Kammermusiker, sondern das wollen wir Musiker
allgemein. Daher investieren wir viel Zeit bspw. für Schulkonzerte.
Wir arbeiten sehr eng zusammen mit dem Projekt „Rhapsody
in School“, das
im September 2005 auf Initiative des Pianisten Lars Vogt
[Brahms-Preisträger 2004; Anm. der Redaktion] gegründet wurde und
seitdem mehr als 20.000 Schüler an über 700 Schulen erreicht hat.
Seit diesem Jahr haben
wir unser eigenes Festival, den Festspielfrühling Rügen, und
verpflichten die Musiker, die wir einladen, uns an die Schulen zu
begleiten. Wie werden Sie die Brahms-Preisverleihung am 20. Mai musikalisch gestalten? Wir präsentieren uns dort natürlich mit dem Brahms schlechthin, also dem Klavierquartett op 25, das seine erste Aufführung mit Clara Schumann am Klavier feierte. Das setzen wir in Verbindung mit dem Fauré Quartett Nr. 2, dem weniger bekannten Werk unseres Namensgebers. Es ist experimentierfreudiger, moderner und spezieller als das C-Moll-Quartett, dem Klassiker der französischen Literatur. Dadurch dass die Komponisten sehr unterschiedlich sind, wird es ein sehr abwechslungsreiches Programm. Freuen Sie sich also auf eine unglaubliche Klangzauberei und zwei energiegeladene Werke. Was sind Ihre nächsten Pläne? Wir sind jetzt schon voll in der Vorbereitung des Festspielfrühlings Rügen im März 2013. Dann spielen wir kurz vor der Brahms-Preisverleihung in einem der schönsten Konzerthäuser Europas, dem Palau de la Música in Barcelona und anschließend zum ersten Mal in der Türkei. Das ist schon etwas aufregend, denn nach soviel Jahren gibt es kaum noch ein Land, in dem wir nicht waren. Die Konzertsaison bis zum Sommer geht heiß her; u.a. mit den Brühler Schlosskonzerten und zum Finale der Europa-Meisterschaft werden wir in Finnland auf einem Festival spielen. Außerdem bereiten wir eine neue CD vor, die nächstes Jahr erscheinen wird. Ein sehr spannendes Projekt, das so noch nicht da gewesen ist – mehr kann ich darüber aber noch nicht verraten. Programm: Grußworte von Prof. Eckart Besch
und
Kulturminister Dr. Ekkehard Klug
„Die Brahms-Gesellschaft
ist
ein
Glücksfall für unser Land“
„Die
Brahms-Gesellschaft ist ein Glücksfall für unser Land“ Mit diesen
Worten überbrachte Kulturminister Dr. Ekkehard Klug am Mittwoch im
Heider Tivoli die Glückwünsche der Landesregierung zum 25-jährigen
Bestehen des Vereins, der auf Initiative von Prof. Justus Frantz am
2. Mai 1987 in eben diesem Jahrhundertwendesaal gegründet worden
war, nachdem der Maestro bei einem Besuchin der Kreisstadt auf das heruntergekommene Brahmshaus auf Lüttenheid aufmerksam gemacht wurde, in dem sich eine Autovermietung befand und lediglich ein Schild mit dem Hinweis „Stammhaus der Familie Brahms“ den Betrachter neugierig machte. Der Minister unterstrich das kulturelle Wirken in den vergangenen 25 Jahren. Justus Frantz und der Brahms-Gesellschaft sei es zu verdanken, dass Schleswig-Holstein heute selbstbewusst mit seinem kulturellen Erbe umgehe und in den vergangenen Jahren für weltbekannte Musikerinnen und Musiker zum vertrauten Terrain geworden sei. Professor Eckart Besch dankte Klug für sein unermüdliches Wirken, den Vereinszweck stets mit Leben zu füllen. „Wir tun gut daran, das Erbe von Johannes Brahms nicht in eine Schublade der Musikgeschichte zu zwängen, sondern immer wieder neu zur Wirkung zu bringen.“
Der Vorsitzende der Brahms-Gesellschaft lobte in seiner Begrüßung die Protagonisten der ersten Stunde, die die Gesellschaft auch in schwerem Fahrwasser - als die Prominenz längs von der Bildfläche verschwunden war - auf Kurs gehalten hatten. Insbesondere erinnerte Besch an Konsul Karl-Uwe Böttcher, durch dessen großzügige Schenkung der Brahms-Preis dauerhaft finanziell abgesichert werden konnte und dadurch heute internationale Wahrnehmung genießt.
Mal lyrisch schwärmerisch mit ausholendem Celloklang, mal
temperamentvoll bewegt: Die ganze (Gefühls-)Palette breiteten die
zwei Musiker anschließend in Schumanns Fantasiestücken op. 73 aus,
bevor sie nach der Pause mit einem spanisch-französischen Programm
aus Werken von de Falla, Gilin, Debussy und Cassado aufwarteten. Auch
hier geriet technische Perfektion nie zum Selbstzweck, sogar
komplizierteste Läufe und Figuren, die andere zu funkensprühenden
Räuschen verführen, absolvierte Geringas in nobler, puristischer
Eleganz. Da wirkt keine Note langweilig, kein Pianissimo verpufft,
kein Crescendo ins Leere getrieben. Hier stimmte das Zusammenspiel
bis ins kleinste Detail. Nachdem das Duo das begeisterte Publikum am
Ende des Jubiläumskonzerts mit drei Zugaben reichlich belohnte,
konnte kein Besucher mehr Zweifel daran hegen, an diesem Abend etwas
Außergewöhnliches erlebt zu haben. Und alle waren sich einig: „Die
Brahms-Gesellschaft ist ein Glücksfall – für Heide, für
Dithmarschen und für Schleswig-Holstein.“
Am 2. Mai 2012 feiert die Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein mit Sitz in Heide ihr 25jähriges Bestehen. „Wir begehen dieses Jubiläum nicht lautlos, sondern wir machen uns bemerkbar – mit viel Vergnügen“ verspricht Professor Eckart Besch, der seit 1996 die Geschicke der Brahms-Gesellschaft leitet, mit Blick auf die diesjährigen Brahms-Wochen. Fürs Jubiläumskonzert im Heider Tivoli konnte der Star-Cellist David Geringas gewonnen werden. Der in Vilnius/Litauen geborene Künstler zählt zur musikalischen Elite der Gegenwart und ist einer der vielseitigsten Musiker unserer Zeit. Ein ungewöhnlich breites Repertoire vom frühesten Barock bis zur zeitgenössischen Musik zeugt von der Flexibilität und Neugierde des Cellisten und Dirigenten. Seine intellektuelle Strenge, seine stilistische Vielseitigkeit, sein melodisches Sentiment und seine Klangsinnlichkeit haben ihm Auszeichnungen auf der ganzen Welt eingebracht. Mit der Japanerin Keiko Tamura am Klavier bestreiten sie das Jubiläumskonzert mit Werken von Brahms, Schumann, de Falla, Debussy u.a. Andreas Guballa sprach mit dem Musiker.
Viel Geschick, Glück und Liebe zur Musik. Wenn man Sie auf dem
Konzertpodium
spielen sieht, fällt Ihre physische Nein, man ist ja nicht
allein.
Selbst
wenn es kein Publikum gäbe, ist man mit der Was geht während eines
Konzerts
durch den Kopf? Sind Sie da immer voll in Wenn man anfängt, über etwas
nachzudenken, was mit dem Konzert nichts zu tun Im Juli werden Sie 66 Jahre alt. Ist Alter ein Thema für Sie? „Mit 66 Jahren - da fängt das Leben an...“ – das nehme ich wörtlich. Was faszinert Sie am Komponisten Johannes Brahms? Brahms ist immer ein Ozean
von
Musik
und Gefühlen. Für mich gehört er zum Auf welches Programm dürfen wir uns am 2. Mai freuen? Aus Verneigung vor dem
Genius Loci
fangen wir gleich mit einem quirligen Brahms Dass Johannes Brahms
glückliche
Sommermonate in der Schweiz verbrachte,
Freuen Sie sich, wieder nach Schleswig-Holstein zu kommen? Ich habe sehr lange an der Musikhochschule Lübeck gearbeitet und fühle mich dem Land daher sehr verbunden. Als baltischer Mensch freue ich mich immer, in Norddeutschland zu spielen. Es erinnert mich an meine Heimat Litauen. Vielen Dank für das Gespräch
Programm: Grußworte von Prof. Eckart Besch
und
Kulturminister Dr. Ekkehard Klug
Auftakt der Brahms-Wochen 2012 mit "musikalischen
Erinnerungen" von Klaus Groth
Als Landarzt Dr. Karsten
Mattiesen
begeisterte er die Nation. Heute zieht er die Lyrik vor. Zum
Abschluss der Klaus-Groth-Tagung und Auftakt der Brahms-Wochen
gastierte Schauspieler Christian Quadflieg am Sonntag auf der
Museumsinsel Lüttenheid und begeisterte das Publium mit seinem
Programm „Klaus Groth und die Musik“. Christian Quadflieg (67) greift seit einiger Zeit gezielt auf das elementare Werkzeug eines Schauspielers zurück: Die Sprache. Als Rezitator leiht er seine Stimme jenen, deren Werke ihn in besonderer Weise begeistern – wie dem Heider Volksdichter Klaus Groth. Unter dem Titel "Musikalische Erinnerungen" las er aus den Memoiren und Gedichten des Schriftstellers. Darin beschreibt Groth, wie er sich als junger Schreiber in der Heider Landvogtei zunächst das Notenlesen und dann das Klavierspiel selbst beibrachte. Als Groth später in Kiel lebte, gehörte er zu den aktiven Musik- und Konzertförderern der Landeshauptstadt und lernte die bedeutenden Musiker seiner Zeit kennen. Christian Quadflieg, der am Nachmittag im Hamburger Schauspielhaus noch den Gustaf-Gründgens-Preis an John Neumeier verliehen hatte, nahm den Faden auf, den Professor Dr. Heinrich Detering am Vorabend in seinem Festvortrag über die Vertonungen der Grothschen Gedichte durch Johannes Brahms geknüpft hatte. Zusammen mit den Zuhörern auf der seit langem ausverkauften Museumsinsel schwelgte Quadflieg in den Erinnerungen des „Quickborn“-Dichters, entführte in dessen Knabenzeit, als „in Dithmarschen noch gesungen wurde“ und spürte der musikalischen Leidenschaft Groths in späteren Jahren nach, als er mit dem „Musikschatz von Brahms bis Bach vertraut wurde.“ Zwischen humorvollem Plauderton und hochkünstlerischen Rezitation wechselnd visualisierte der Schauspieler die knisternd erotische Begegnung Groths mit der Sängerin und schwedischen „Nachtigall“ Jenny Lind, den schmerzlichen Verlust des Freundes Robert Schumann und das kurze, aber folgenreiche Treffen mit Franz Liszt in Budapest. Keineswegs nur musikalische Untermalung, sondern Programmpunkt der Extraklasse lieferte die russische Pianistin Ekaterina Doubkova mit der Interpretation passend ausgewählter Stücke von Brahms, Schumann, Liszt, Mendelssohn, Reinecke und Chopin. Aufmerksam verfolgte das Publikum auf der Museumsinsel die Leichtigkeit, mit der sie die Stücke meisterte, ihre Hände schienen ein Eigenleben zu führen. Am Ende zeigte der enthusiastische Beifall, dass der Versuch, die geistige Nähe der beiden Protagonisten Brahms und Groth und die nach ihnen benannten Gesellschaften stärken zu betonen, mehr als aufgegangen ist. Beim anschließenden Künstlertreff im Brahmshaus wurden bereits intensive Gespräche geführt, wie die starke Achse der beiden Künstlerhäuser auf dem einzigartigen Museumsterrain Lüttenheid ausgebaut werden könnte.
Andreas Guballa
Impressionen vom Auftakt der Brahms-Wochen 2012 mit Schauspieler Christian Quadflieg und Pianistin Ekaterina Doubkova. Fotos Guballa Musikalische Glücksmomente Dass Johannes Brahms glückliche Sommermonate in der Schweiz verbrachte, als er seine Sonate für Violoncello und Klavier F-Dur op. 99 schrieb, hört man in der Musik. Glücksmomente gab es auch am Sonntag beim Saisonabschlusskonzert der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein, als Arthur Hornig (Cello) und Julia Golkhovaya (Klavier) diese zweite Brahms-Sonate auf der Museumsinsel Lüttenheid spielten. Die beiden Stipendiaten des Deutschen Musikwettbewerbs
musizieren
erst seit gut einem Jahr zusammen, doch einem solch' emotionalen
Gleichklang zweier Interpreten begegnet man nur selten. Sie scheinen
nicht nur eins mit der Musik zu werden, sie verschmelzen – auch
hinsichtlich des Ausschöpfens der klanglichen Möglichkeiten ihrer
Instrumente – zu einem einzigen Klangkörper. Das mag zum einen daran
liegen, dass das Repertoire des Abends zu
den bedeutsamsten und meistgespielten kammermusikalischen Werken für
Klavier und Cello gehört, an denen sich jeder Instrumentalist messen
lassen muss; zum anderen gehören die Sonaten von Beethoven und
Brahms sowie die Fantasiestücke von Schumann zu den „innig
geliebten“ Stücken der jungen Musiker. Mit den Brahms-Wochen 2012 startet der nächste Konzertreigen der Brahms-Gesellschaft ab dem 22. April. Den Auftakt machen Christian Quadflieg (Rezitation) und Ekaterina Doubkova (Klavier) auf der Museumsinsel Lüttenheid. Virtuose Tastentänze
Im nächsten Jahr feiert die
Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein 25jähriges Jubiläum. In
dieser Zeit ist viel passiert. Aber eine Konzertverzögerung durch
einen defekten Treppenlift wird wohl einmalig in den Annalen des
Vereins bleiben. Eine durchgebrannte Sicherung löste den Alarm –
ein hochfrequentiges Piepsen - beim Behindertenaufzug auf der
Museumsinsel Lüttenheid aus, der erst nach 15 Minuten durch den
richtigen Dreh beendet werden konnte. Dieser Zwischenfall tat der
Konzentration des Pianisten Motoi Kawahima aber offenbar keinen
Abbruch, der im Laufe des Abends mit ausbalanciertem Programm,
einwandfreier Technik und blitzschnellen Fingern beeindruckte. Der Japaner kam nach seinem
Konzertexamen in Tokio nach Europa, um sich in Weimar und Berlin
sowie in zahlreichen Meisterkursen bei den ganz Großen seiner Zunft
den letzten künstlerischen Schliff zu holen. Seitdem konzertiert er
in den bedeutendsten Sälen und arbeitet mit renommierten
internationalen Orchestern und Dirigenten. Klassikkenner der Region
war der 38jährigen noch von der Klaviersommernacht im letzten Jahr
bekannt, bei der er mit einer Stückauswahl auf sich aufmerksam
machte, die ihren Ursprung in der Ballettmusik
haben. Bevor der Pianist im März als Professor an die
Musikhochschule Tokio in sein Heimatland zurückkehrt, gab's nun noch
einmal die letzte Chance ihn in Heide spielen zu hören. An den Beginn seines Auftritts
stellt
er Mozarts Klassikhit, den „Türkischem Marsch“, und demonstriert mit
virtuosen Tastentänzen eindrucksvoll seine
Fähigkeit, kraftvoll angelegte Klavierläufe, mit romantischen
Passagen voller Feinheit und Tiefgang zu verknüpfen.
Impressionen vom Adventskonzert mit Motoi Kawahima. Fotos Guballa
Musikgenuss hoch drei
Es gibt Ensembles, die ein halbes
Leben
lang gemeinsam musizieren, immer in derselben Besetzung. Es gibt auch
Musiker, die ihren eigenen Weg gehen, und sich hin und wieder mit
Gleichgesinnten treffen, um gemeinsam ein Projekt zu erarbeiten.
Welche Richtung das Trio Christian/ von Gutzeit/ Achkar einschlagen
wird, ist noch ungewiss, denn die drei jungen Musikerinnen haben sich
erst vor kurz gefunden – ganz zeitgemäß als Klaviertrio gecastet
vom Deutschen Musikrat. Am Sonntagnachmittag eröffneten sie die neue
Konzertreihe der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein auf der
Museumsinsel Lüttenheid (ehemals Postelsoirée). Sarah Christian (Violine),
Konstanze
von Gutzeit (Violoncello) und Sonia Achkar (Klavier) sind jede für
sich bereits von zahlreichen Jurys ausgezeichnet und besitzen
Solisten-Qualitäten; als Trio bieten sie musikalisch wie optisch
einen Genuss hoch drei. Über den Sommer haben sich die Stipendiatinnen
kennengelernt, musikalisch zusammengefunden und vier
Konzertprogramme entwickelt, mit denen sie nun ein Jahr lang bei den
„Konzerten Junger Künstler“ in ganz Deutschland gastieren
werden. Nebenbei warten Solo-Verpflichtungen und die Fortsetzung des
Musikstudiums. Unter dem Motto „Geisternacht“
präsentierten die drei Amazonen in Heide vor ausverkauftem Saal zwei
Klassiker der Klaviertrioliteratur, Beethovens „Geistertrio“ und
Dvoraks „Dumky Trio“, die zwei Werke bedeutender ungarischer
Komponisten des 20. Jahrhunderts umrahmen: Kodálys Duo für Violine
und Violoncello sowie Ligetis Sonate für Violoncello solo.
Ein Weltstar
in Dithmarschen
Wesselburen - Sie war Karajans Wunderkind und hat seitdem alles erreicht, was eine Geigerin erreichen kann: Anne-Sophie Mutter. „In großer Ehrerbietung vor ihrer seit Jahrzehnten leuchtenden instrumentalen Meisterschaft, in Würdigung der Ausstrahlung ihrer künstlerischen Persönlichkeit und ihrer Menschlichkeit sowie in Dankbarkeit für ihre weltweit anerkannte und Maßstäbe setzende Interpretationen auch der Werke von Johannes Brahms“ ist dem Weltstar nun am Freitagabend in Wesselburen der mit 10 000 Euro dotierte Brahms-Preis der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein mit Sitz in Heide verliehen worden. „Der Brahms-Preis ist für uns in Schleswig-Holstein die ideale Möglichkeit, um Ihnen unsere hohe Wertschätzung auszudrücken“, gratulierte Kulturminister Dr. Ekkehard Klug der Brahms-Preisträgerin. Ausgezeichnet werde eine „große Künstlerin, einfühlsame Brahms-Interpretin und Persönlichkeit“, betonte der Minister. Der Brahms-Preis wird seit 1988 von der Brahms-Gesellschaft verliehen. Er würdigt Persönlichkeiten, die sich um die Pflege Brahms’scher Musik und des künstlerischen Erbes von Johannes Brahms verdient gemacht haben. Minister Dr. Klug: „Der Preis ist ein Bekenntnis zu einem kulturellen Raum und zu einer Landschaft, die Künstler immer wieder neu inspiriert.“ Anne-Sophie Mutter nahm den Preis sichtlich bewegt im Rahmen eines Festkonzerts in der bis auf den letzten Platz ausverkauften St. Bartholomäus-Kirche entgegen. Eine geweihte Stätte für die Brahms-Gesellschaft, so deren Vorsitzender Professor Eckart Besch: „Hier begann die Musik bei den Brahmsens, als vor fast 200 Jahren Johann Jacob Brahms, der Vater von Johannes Brahms, damals noch ein Jüngling in der Kirche ein und aus ging. Drei Jahre lang nahm er hier gezielten Unterricht beim damaligen Organisten. Die Berufsausbildung endete mit einem ordentlichen Lehrbrief. Welch ein Bogen der Beziehung, den wir schlagen zu heute.“ Auch Laudator
Michael Russ, Stuttgarter Konzertveranstalter und Vorsitzender der
Anne-Sophie Mutter Stiftung, schlug einen großen Bogen von den
Anfängen der Karriere Mutters als „deutsches Mädchenwunder“,
die ihren ersten Auftritt als 13jährige beim Festival in
Luzern hatte, bis zur unbestrittenen Meisterschaft als
Spitzengeigerin unserer Zeit.
Verliebt in die Bratsche Seit
35 Jahren ist sie die Geigen-Virtuosin schlechthin, stand bereits auf
allen großen Bühnen der Welt und überzeugt mit ihrem
Ausnahme-Talent. Für ihre künstlerische Leistung wird Anne-Sophie
Mutter am 8. Juli in Wesselburen mit dem Brahmspreis 2011 der
Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein ausgezeichnet. Mit ihr
zusammen wird der russische
Bratschist Vladimir
Babeshko
das Preisträgerkonzert gestalten. Der 27jährige ist als erster
Bratschist Stipendiat des Freundeskreises der Anne-Sophie Mutter
Stiftung. Diese
Stiftung
hat bereits Klassikstars wie Arabella Steinbacher und Daniel
Müller-Schott gefördert. Andreas Guballa
sprach mit dem Nachwuchs-Solisten. Sie haben in einem Alter begonnen Musik zu machen, als andere Jungen lieber Fußball spielten statt ein Instrument zu lernen. Wann war klar, dass Sie Solist werden wollen? Ich wollte schon immer auf der
Bühne
stehen und für die Menschen Musik machen. Mit vier Jahren habe ich
das erste Mal mit meiner Mutter darüber gesprochen und mir seitdem
keine Sorgen machen müssen, dass es nicht klappen könnte. Ich habe
es auch nie bedauert zu üben statt Fußball zu spielen. Sie haben mit sechs Jahren angefangen, Geige zu spielen und sind dann mit 13 Jahren zur Bratsche gewechselt. Warum? Der Klang hat mir besser gefallen; dieser warme, tiefere Ton. Ich habe später immer wieder versucht, diesen Ausdruck auf der Geige hinzubekommen, aber es hat mich nicht befriedigt. Und als ich dann Konzerte und Aufnahmen von Maestro Yuri Bashmet gehört habe, war ich endgültig in die Bratsche verliebt. Sind Sie stolz darauf, als erster Bratschist Stipendiat des Freundeskreises der Anne-Sophie Mutter Stiftung zu sein? Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Ich bin einfach glücklich, mit Frau Mutter zusammenarbeiten zu können. Wie wird man Stipendiat der Stiftung? Man muss sich bewerben, später vorspielen und mit Glück wird man ausgewählt. Ich weiss, dass Anne-Sophie Mutter sich persönlich jede Bewerbungs-DVD anschaut und die Musiker zum persönlichen Vorspielen einlädt. Wie oft treffen Sie sie dann persönlich? Das ist unterschiedlich. Ich bin einfach froh und glücklich, dass ich ihr vorspielen durfte. Und im März habe ich mit ihr und anderen Stipendiaten eine Kammermusik-Tournee gemacht. Außerdem kann man sich immer melden, wenn man eine Idee oder Fragen hat. Was lernen Sie von Frau Mutter? Die Ideen und Inspirationen, die sie hat, sind einfach toll. Man lernt beispielsweise wie man nach einem anstrengenden Flug im Konzertsaal sofort sein Bestes geben kann; wie man immer positiv denkt und freundlich ist.Auch im Umgang mit Journalisten und dem Publikum lernt man viel von ihr. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel Energie sie hat. Nach der Tournee waren wir alle sehr erschöpft, nur Frau Mutter hätte gern noch eine Woche länger mit uns zusammengespielt. Gibt es weitere Vorteile als Stipendiat? Ich bekomme ein monatliches Stipendium, so dass ich mich weiter um meine Karriere als Solist kümmern kann. Außerdem zahlt die Stiftung Reisekosten, Hotelübernachtung und Meisterkursgebühren. Daneben organisiert Anne-Sophie Mutter das Vorspielen bei Dirigenten und vermittelt uns an Konzertagenturen. Diese persönliche Unterstützung von ihr ist sehr wichtig für uns Stipendiaten, denn sie ist ein Vorbild und immerhin eine der besten Musikerinnen der Welt. Was braucht man heutzutage auf dem Musikmarkt, um Erfolg zu haben? Bei Anne-Sophie Mutter reicht es, das Beste zu geben. Für uns junge Künstler muss noch viel Glück dazu kommen und die Konzentration auf die Musik. Wie wichtig ist das Auftreten in der Öffentlichkeit und der Presse bei der Vermarktung als Künstler? Im Gegensatz zu Ihrem Bratschisten-Kollegen Nils Mönkemeyer scheinen Sie eher ein ruhigerer Typ zu sein. Ich glaube, man darf keine Rolle spielen, sondern muss ganz authentisch sein. Dann wird man auch so akzeptiert wie man ist. Was sind Ihre bisherigen musikalischen Highlights? Im September 2010 war ich mit Anne-Sophie Mutter auf Tournee in Russland und wurde dort Valery Gergiev vorgestellt. Ihm durfte ich später auch vorspielen. Auch die Europa-Tournee im März mit den anderen Stipendiaten war fantastisch. Es war sehr lehrreich, sich jeden Tag auf einen neuen Konzertsaal einstellen zu müssen und frisch, energievoll und wach zu spielen. Wie würden Sie Ihren momentanen künstlerischen Standort beschreiben? Ich möchte meine Musik mit den Menschen teilen und mich immer weiterentwickeln. Ich glaube, ich bin auf einem guten Weg. Es gibt Menschen, die meinen, ein gebürtiger Russe würden einen russische Komposition anders spielen als beispielsweise einen Brahms. Stimmt das? Natürlich liegt mir ein Schostakowitsch oder Schnittke näher als ein deutscher Komponist. Aber deshalb ist Brahms nicht unbedingt schwerer für mich, sondern einfach anders. Im Zusammenspiel mit anderen Musikern lernt man aus deren Interpretation und entwickelt solche Stücke für sich weiter. Hören Sie in Ihrer Freizeit auch klassische Musik? Nein, ich höre überhaupt keine Musik. Was können Sie als 27jähriger dafür tun, Gleichaltrige für Klassik zu begeistern? Man muss ihnen die Angst vor einem Konzert nehmen. Viele glauben, man muss sich mit der Musik auskennen und gut gekleidet ins Konzert gehen. In kleinem Rahmen kann man über die Musik sprechen und mit dem Publikum kommunizieren, um diese Hemmungen abzubauen. Was sind Ihre nächsten Pläne und Herausforderungen? Ich freue mich schon sehr bei der Brahmspreis-Verleihung zusammen mit Anne-Sophie Mutter und Lambert Orkis spielen zu dürfen. Zusammen mit anderen Stipendiaten gibt es im Sommer dann ein Konzert beim Verbier Festival. Wo sehen Sie sich in fünf Jahren? In Russland sagt man, es bringt Unglück darüber zu sprechen. Daher schweige ich lieber zu dieser Frage. Das wollen wir natürlich nicht riskieren. Viel Erfolg für Ihre Zukunft und danke für das Gespräch.
Fest der Tasten und Töne
Was für ein Fest der Tasten und der Töne! Dort wo sonst Luxuswagen auf Käufer warten, herrschte festliche Stimmung und gespannte Erwartung bei den 250 Besuchern der Sommer-Klaviernacht der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein im Glaspavillion von Nord-Ostsee-Automobile Heide. Zu Recht versprach der Vorsitzende, Professor Eckart Besch, einen Kunst-Genuss der Sonderklasse. In drei Konzertabschnitten boten vier Klavierkünstler ein abwechslungsreiches Programm klassischer und moderner Stücke und zogen das Publikum in ihren Bann. Für sinnlich-kulinarische Genüsse in den Pausen sorgte das Catering Team der „Erheiterung Böhe“. „Eine Bereicherung des Heider Kulturlebens,“ war sich Regina Cornelius am Ende des Abends mit allen Anwesenden einig. Blitzsauber, artikuliert mit einer glasklaren musikalischen Intelligenz ging Miao Hung gleich mit einer selten gespielten Rarität an den Start des Konzertmarathons, der Busoni-Bearbeitung von Bachs "d-Moll-Chaconne". Die frisch gebackene Gewinnerin des Deutschen Musikwettbewerbs verzauberte das Publikum mit ihrem Gespür für die Architektur dieser Komposition. Johannes Brahms Klavierstücke op. 119 ging die junge, zierliche Deutsch-Chinesin dann mit einer Unaufgeregtheit und Ruhe an, als wolle sie sich als Exegetin eigentlich unsichtbar machen. Dass Huangs Spiel flüssig, unsentimental und von großer Klarheit ist, zeigte sich auch bei Ligetis "Etude Nr. 4 Fanfares" und Chopins "Scherzo Nr. 3 cis-Moll op.39", mit denen die Künstlerin den wunderbaren Steinway-Flügel an diesem eindrucksvollen Abend auf herrliche Weise zum Klingen brachte. „Inspirierend“ schwärmte Jana Fiebelkorn, Klavierschülerin der Dithmarscher Musikschule. Nach der Pause loteten Barbara und Sebastian Bartmann dann zunächst die unterschiedlichen Klangwelten Johannes Brahms' aus. Mit einem diffizilen Anschlag, einer frappierenden Elastizität und Geschmeidigkeit des Spiels verstand es das Ehepaar die herben Kontraste zwischen sakraler Innigkeit („Elf Choralbearbeitungen op. posth. 122“) und weltlicher Verspieltheit („Ungarische Tänze“) seiner Kompositionen in einer eigenen Bearbeitung für Klavier zu vier Händen klingen zu lassen. Dass das Zusammenspiel hinter der Bühne genauso harmonisch funktioniert wie auf der Bühne, beweist der dreieinhalbmonatige Elias als musikalischer Nachwuchs. Mit der Eigenkomposition "Liquid Moods" von Sebastian Bartmann servierte das Duo zum Abschluss dieses Konzertblocks akustische Cocktails, die zu Erlebnisbildern inspirieren sollen. Vierhändig werden hier die New Yorker Großstadthektik, aber auch die Einsamkeit in der großen Stadt beschrieben, Trauertöne und Zeitebenen gemischt und mit südamerikanischen und Jazz-Rhythmen zur Beach-Party eingeladen. Keith Jarrett lässt grüßen. „Das hätte Brahms gefallen“ so das Urteil von Klassikfan Peter Gill. Noch einen Schritt näher heran an die Kunst des intensiven Zuhörens führte abschließend Oliver Kern. Dank der Videoprojektionen auf zwei Leinwände konnte das Publikum nicht nur hören, sondern fasziniert auch dabei zuschauen, wie der 41jährige Solist mit sich und dem vielfältigen Klavierkosmos aus drei Jahrhunderten eine Welt offenbarte und doch mit sich allein war. Zunächst spielte Oliver Kern die selten gespielte "Fantasie in H-Dur" von Beethoven mit einer pianistischen Bravour sondergleichen. Bestechend die mitreißende Spontanität und Wucht seines Vortrages in den eruptiven Akkordfolgen und rasanten Läufen, aber auch die tiefe Beseeltheit in der Gestaltung der melodischen Sequenzen. In der nachfolgenden Interpretation von Brahms "Klavierstücken op. 118, 1-3" setzen virtuose Akkord-Figurationen elegant-ironische Glanzpunkte. In vorwärtsdrängenden Linien und dahin fließender schwellender Sinnlichkeit, jedoch ganz ohne Schwülstigkeit, von vibrierenden Tremoli durchsetzt, kostete Kern die klangüppige "Fantasie h-Moll op. 28" von Skrjabin aus, ein Wunderwerk an durchsichtiger Klangmalerei angesichts der komplexen Harmonik und dichten Textur. Nach dem zeitlosen Ohrwurm-Klassiker, Gershwins "Rhapsody in Blue", hätte es kaum einer Zugabe bedurft. Doch Kern verwöhnte das begeisterte Publikum noch mit einer Schumann-Bearbeitung von Liszts "Widmung".
Die Künstler der Sommer-Klaviernacht
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
Musiker aus
Leidenschaft
Weltklassepianist
Oliver Kern spielt bei der Klavier-Sommernacht
"Subtil und präzise, aber dennoch beseelt und temperamentvoll" umschreibt die Süddeutsche Zeitung das Spiel von Oliver Kern. Das schien auch die Jury des ARD-Wettbewerbes zu überzeugen. Dem 2. Preis in München - ein erster wurde nicht vergeben - schloss sich der 1. Preis beim Internationalen Beethoven-Wettbewerb Wien an, den er als erster Deutscher überhaupt gewinnen konnte. Dies war ein weiterer Höhepunkt in der an Erfolgen nicht eben armen Karriere des heute 41jährigen: Mehr als ein Dutzend Mal reüssierte Kern bei internationalen Konkurrenzen und ist mittlerweile als Solist auf den Bühnen dieser Welt zuhause. Neben seiner Karriere als Pianist lehrt Oliver Kern seit 2008 an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg als Professor für Klavier.
Am 28. Mai spielt er zum Abschluss der Sommer-Klaviernacht der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein im Pavillion der Nord-Ostsee-Automobile in Heide. Ein Interview mit dem Pianisten über musikalische DNA und die Faszination für Johannes Brahms.
Herr Kern,
gab es ein prägendes
Erlebnis, das Sie zum Klavier spielen gebracht hat?
Mein Vater war Klavierlehrer und
ich soll mich während des Unterrichts immer ins Zimmer geschlichen
haben, um unterm Flügel wohlig einzuschlafen. So hat sich mein
Interesse an der Musik wohl zum ersten Mal bemerkbar gemacht. Mit
vier Jahren habe ich mich dann selbst an den Flügel gesetzt und auf
dem heimischen Instrument spielen gelernt. Im Alter von sieben Jahren
wurde ich zu Jugend musiziert geschickt, wo ich gleich einen ersten
Preis gewonnen habe; und so hat sich das langsam weiterentwickelt.
Es
gibt Fachleute, die vertreten die Meinung, jeder Musiker hat einen
eigenen, unverwechselbaren Klang wie eine DNA. Wie würden Sie Ihren
Klang beschreiben?
Das ist ein Klischee, das nur bis zu einem gewissen Grad stimmt. Ich mag eher einen dunklen, warmen Klang, was damit zu tun haben kann, dass ich Linkshänder bin. Daher bin ich auch absoluter Brahmsfan. Ich könnte mein ganzes Leben mit Brahms verbringen. Aber die Kunst ist es ja, diesen eigenen Klang jedem Komponisten anzupassen. Natürlich fühlt man sich aber bei bestimmten Komponisten besonders wohl. Bei mir sind das neben Brahms noch Beethoven und Schumann.
Johannes
Brahms' Klavierkompositionen haben Sie mehrfach komplett auf Festivals
aufgeführt. Was faszinatiert Sie an diesem Komponisten mit
Dithmarscher Wurzeln?
Ich
bin eigentlich durch Zufall auf ihn gestoßen. Auf Anhieb hat mich
seine Musik gepackt und ich hatte sehr schnell einen Zugang dazu. Ich
fühle mich bei der Beschäftigung mit Johannes Brahms einfach sehr
wohl. Seine Klangwelt ist etwas, was mich wahnsinnig begeistert.
Entdecken
Sie manchmal noch Neues an seinen Kompositionen?
Glücklicherweise
jedes Mal. Man sollte niemals von sich behaupten, man versteht ein
Stück komplett. Das ist wie beim Brunnengraben: je tiefer man gräbt,
auf desto mehr Wasser stößt man. So
ein Musikstück ist wie ein Lebenspartner. Man entwickelt sich
weiter, verändert sich und entwickelt einen anderen Blick.Dann ist
es sehr beglückend auf neue Details zu stoßen. Das passiert
manchmal beim Üben, aber viel öfter auf der Bühne. Die 150 Prozent
Konzentration, die man dort hat, lassen einen noch tiefer ins Werk
blicken. Man sollte also eine Partitur aufschlagen und jedes Mal so
lesen, als ob man sie noch nie gesehen hätte.
Sie sind auf den Podien
dieser Welt unterwegs. Was
braucht ein Pianist, um erfolgreich zu sein?
Zuerst
sollte man seinen Beruf als Berufung begreifen. Einen Job im
Musikleben zu machen, geht meines Erachtens nicht. Sowas ist schnell
zu merken. Denn man selbst ist nicht die wichtigste Person, sondern
nur ein Medium und hat die Idee des Komponisten zu vertreten. Wenn
man Musik aus rein finanziellen Gründen betreibt oder um sich zu
profilieren, dann funktioniert das alles nicht. Die Liebe zur Musik
ist das Entscheidende. Natürlich ist es auch harte Arbeit und man
muss die Bereitschaft mitbringen, ständig dazu zu lernen.
Ist
es nicht der einsamste Job der Welt, allein auf der Bühne zu sein,
obwohl man von tausend, zweitausend Paar Augen beobachtet wird?
Ja und Nein. Es gibt diese einsamen Momente. Aber ich spiele ja nicht ausschließlich Solorepertoire. Für mich ist Kammermusik genauso wichtig. Dabei lernt man klanglich sehr viel von den anderen Instrumenten, man lernt auch einen Komponisten kompletter kennen. Sowohl musikalisch als auch menschlich muss da die Chemie stimmen, daher ist es so schwer, gute Kammermusikensemble zu gründen. Und mit Orchester zu spielen ist für mich eigentlich die größte Form der Kammermusik, denn ich stehe ständig mit den Soloinstrumenten des Orchesters in Verbindung.
Seit
2008 sind Sie Professor an der Hochschule
für Musik und Theater Hamburg. Was
geben Sie dem musikalischen Nachwuchs mit auf den Weg?
Für
mich ist das Forschen nach der Wahrheit sehr wichtig. Es gibt soviele
Möglichkeiten etwas auszudrücken. Wichtig ist, dass sie ganz genau
durchdacht sind. Meine Aufgabe besteht darin, die Studierenden zu
fördern und zu fordern, sich eine eigene Meinung zu bilden, wie man
an ein Werk herangeht. Sie sollen keine Kopie von mir werden.
Am
28. Mai sind Sie zu Gast bei der Klavier-Sommernacht. Worauf darf das
Publikum sich freuen?
Es ist immer wunderbar dort zu sein, wo der Geist Johannes Brahms' zu spüren ist. Und ich kenne Heide schon aus Konzerten während meiner Studienzeit, als ich über ein Stipendium des Deutschen Musikrats dort spielen durfte. Das Programm am 28. Mai ist sehr rhapsodisch geprägt und hat einen Augenmerk auf einigen Fantasien. Darunter die faszinierende und abwechslungsreiche Fantasie op.77 von Beethoven, die einzige, die er schriftlich niedergelegt hat. Relativ wenig gespielt, obwohl es ein unglaublich schönes Stück ist, ist die Fantasie op 28. von Skrjabin. Natürlich darf Johannes Brahms nicht fehlen. Und meinen Auftritt beende ich mit der Rhapsodie in blue.
Interview:
Andreas Guballa

Thema Wasser schlägt
musikalische Brücke
zwischen Museen
Vater Wolfgang und
Tochter Larissa Manz harmonieren bei
den Brahms-Wochen
Heide - Die Geschichte Heides ist geprägt vom Wasser. Die Fischpumpe im Markt, der Wasserturm, aber auch die Dithmarscher Wasserwelt sind Zeitzeugen für den alltäglichen Gebrauch des nassen Elements früher und heute. „Wasser verbindet“ erklärte Adrian Hartke treffenderweise bei der Einführung in die von ihm konzipierte Ausstellung „WassErLeben“ auf der Museumsinsel Lüttenheid, die am vergangenen Sonntag im Rahmen der Museumstour 2011 eröffnet wurde. Am 17. April stellte das Thema Wasser nun eine musikalische Brücke her zum Brahmshaus in Laufweite des Ausstellungsortes. Anlässlich der Brahms-Wochen 2011 gestalteten Wolfgang Manz (Klavier) und Tochter Larissa (Violine) den Start zum Museums-Hopping zwischen den beiden Kulturinstitutionen. Unter dem Motto „Auf dem Wasser zu spielen“ standen Stücke auf dem Programm, von denen jedes in seinem Titel den Begriff Wasser trägt.
„Bei Vater und Tochter dürfen wir wohl ein besonders harmonisches Zusammenspiel erwarten.“ Diese Worte, mit denen der Vorsitzende der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein, Professor Eckart Besch, das Duo ankündigte, sollten sich schon bei der „Regenlied-Sonate“ von Johannes Brahms bewahrheiten. Es war nicht zu überhören und zu übersehen: Hier musizieren zwei bestens aufeinander eingestimmte Solisten. Brahms zitiert in seiner Sonate für Violine und Klavier Nr. 1 G-Dur op. 78 Elemente aus einer Groth-Vertonung, die vom Regen erzählt. Das Duo Manz ließ die Sonate durchsichtig, sehnig und jugendfrisch klingen. Auch bei den folgenden Klavierstücken plätschert nichts dahin. Wolfgang Manz, der bereits vor mehreren Jahren zu Gast bei der Klavier-Sommernacht war, zeigte sich wie damals auch am Sonntag als klanggewaltiger Virtuose. Der Liszt-Bearbeitung des Schubert-Liedes „Auf dem Wasser zu singen“ verlieh er einen romantisch-verträumten Anstrich, während er bei den zwei Kompositionen aus Liszts „Années de Pèlerinage“ die richtige Interpretation findet mit feinem Gespür für leise Zwischentöne und einem sensiblen Tempobewusstsein. Mit Debussys „Poisson d'or“ (Goldfisch) gewährte der Professor für Klavier an der Hochschule für Musik Nürnberg-Augsburg einen kurzen Einblick in die Kompositionen des Impressionismus, in der es zahlreiche Anspielungen auf das Thema Wasser gibt.
Für den kräftigen Beifall
bedankten
sich Vater und Tochter noch einmal mit ihrem „harmonischen
Zusammenspiel“ in Jules Massenets Klassik-Ohrwurm „Meditation“
aus der Oper „Thäis“, bevor das Auditorium zur Museumsinsel
weiterzog. „Ein gelungenes Experiment“ waren sich die Besucher
einig. „So stelle ich mir eine lebendige Kulturvermittlung vor“,
begeisterte sich Regine Cornelius. „Das sollte man öfter machen“,
ermutigte auch Elke Trieglaff-Grabe die Veranstalter.

Zwei
schlagkräftige Brüder
Spitzenduo Gerassimez zu Gast
bei den
Brahms-Wochen in Marne
Marne - Ein ungewöhnlicher Anblick bot sich den rund 200 Besuchern des zweiten Konzerts der Brahms-Wochen 2011 in der Maria-Magdalenenkirche in Marne. Im Altarraum waren neben einem Flügel ein Drum Set, eine Marimba, ein Vibraphon und allerlei anderes Schlagwerk aufgebaut. Doch wer von diesem Konzert für Percussion und Klavier befürchtete hatte, von Rhythmen überwältigt zu werden, wurde angenehm überrascht: Tonalität, Klang und konzertante Strukturen spielen bei den Brüdern Alexej und Nicolai Gerassimez eine durchaus gleichgewichtige Rolle. Mit ihrer hohen Virtuosität, für ihr Alter (23 und 25 Jahre) ungewöhnlichen Meisterschaft und der charmanten Bühnenpräsenz bescherten sie den Zuhörern einen außergewöhnlichen, kurzweiligen Konzert-Abend. Mit dem im Ruhrpott aufgewachsenen Brüderpaar hatte die Brahms-Gesellschaft wieder ein unvergleichbares Gespür für zwei junge Stars bewiesen, die am Beginn einer großen internationalen Karriere stehen. Unzählige Preise und Auszeichnungen begleiten die beiden jungen Musiker bereits auf ihrem Weg.
Zum
Öffnen
der Ohren stellten die Künstler Rimski-Korsakows „Hummelflug“ an
den Beginn des Konzertabends. In jeder Hand zwei Schlagklöppel
haltend, spielte Alexej Gerassimez das Instrument mit einer Hingabe,
die das Publikum von Anfang an begeisterte. Im Stück „Famim2“
für Vibraphon, Marimba und Klavier hat Komponist Emmanuel Séjourné
in Erinnerung an Chick Corea auf einen Reichtum an Formen und Farben
in der Musik zurückgegriffen. Der 23jährige Schlagzeuger Alexej
Gerassimez bestach durch eine technisch perfekte, virtuose
Schlegeltechnik, mit der er schillernde Akkorde, rasante Läufe und
lange Töne aus den Instrumenten holte. Sein zwei Jahre älterer
Bruder Nicolai am Klavier hat es schwerer. Er steht gegen die
Urgewalt des sinfonischen Schlagwerks etwas im Hintergrund. Doch auch
sein Solospiel wirkte subtil, mit viel Seelentiefe und so rhythmisch
genau wie das des Bruders am Schlagwerk, etwa bei vier kurzen
Präludien von Shostakovich oder dem Solo „Paganini Jazz“ von
Fazil Say. Die Schlagkräftigkeit von Alexej konnte nicht
überzeugender als durch die eigene Komposition „Asventuras“ für
Snare Drum bestätigt werden. Schier unglaublich verwob er die
Rhythmen, entlockte dem kleinen Instrument alle nur erdenklichen Töne
und Klänge. In Tobias Broströms „Arena“ setzte er zusätzlich
das gesamte sinfonische Schlagwerk zu verwirrender Rhythmik ein. In
Anbetracht der Virtuosität des Variationswerkes „Paganini
Personal“ von Toshi Ichiyanagi, das auf der Grundlage einer
Capricce für Violine in der Musikgeschichte von Brahms bis
Lutóslawski vielfach Verwendung findet, sowie des
diffizil-sinnlichen Maracas-Solo
von Javier
Alvarez
konnte kein Besucher mehr Zweifel hegen, an diesem Abend etwas ganz
Außergewöhnliches erlebt zu haben. Mit Richard Michaels
„Jazzsuite“, deren ersten Satz man bei youtube
von dem Duo
nachhören kann, endete ein grandioser Abend.

Auftakt
der Brahms-Wochen mit dem Duo Staemmler
Heide (jek) Bei einem Popkonzert
hätte es das
Publikum von den Stühlen gerissen. Denn was das Duo Staemmler zum
Auftakt der Brahmswochen mit Klavier und Violoncello anstellt, ist
schlicht und einfach atemberaubend. Immerhin erntet das Brüderpaar
lang anhaltenden und begeisterten Beifall. Der furiose Erkundungsritt
durch die Kammermusik der Klassik und Romantik endet mit einem
umjubelten Zugabe: dem Feuertanz von Manuel de Falla.
Zum ersten Mal starten die Brahmswochen im Veranstaltungsaal der Museumsinsel Lüttenheid. „Hier war früher der Drogenboden“, erinnert sich die Konzertbesucherin Heidi Theege. In jungen Jahren hat sie bei dem damals hier ansässigen Pharma-Großhandel ihre Lehre gemacht. Nun ist der hohe Raum also nicht mehr erfüllt vom Geruch heilender und vielleicht auch stimulierender Kräuter, die berauschende Wirkung von Tönen ist aber auch nicht zu unterschätzen. Für die Musik von Brahms, Beethoven und Chopin bietet der Raum das ideale Ambiente und eine hervorragende Akustik, wie Professor Eckart Besch namens der Brahms-Gesellschaft in seiner Begrüßung hervorhob. Mit der Verlegung der Konzerte von der Postelvilla in die Museumsinsel sorgen Brahms-Gesellschaft und Stadt dafür, dass hier an Lüttenheid das kulturelle Herz Heides noch einen Tick kräftiger schlägt.
In der Pause begutachten die Besucher mit neugierigem Interesse das renovierte Obergeschoss des zur Straße hin liegenden Stade-Hauses. Wie im Rest des Gebäudekomplexes werden im Stade-Haus Ziegelmauern und Balken nicht übertüncht, sondern hervorgehoben – ein architektonisches Bekenntnis zur früheren Nutzung. Denn auf Lüttenheid haben die Vorfahren nicht repräsentiert, sondern gearbeitet, ob am Schmiedefeuer oder im Pferdehandel.
Beim ersten Museums-Konzert liefern die Brüder Staemmler allerdings beides, sowohl Arbeit wie Repräsentanz: ihre Musik ist Schwerarbeit mit höchster Präzision und gleichzeitig eine repräsentative Visitenkarte für die Veranstalter. Die Brahms-Gesellschaft beweist mit der Verpflichtung der hoch dekorierten Brüder ihr Geschick, talentierte Nachwuchskünstler an sich zu binden. Hansjacob und Peter-Philipp Stammler sind unter anderem Preisträger des deutschen Musikwettbewerbes – und just in der vergangenen Woche erhielt diesen Preis auch die Pianistin Miao Huang, die am 28. Mai zur Klaviernacht der Brahmsgesellschaft nach Heide kommen wird.
Heide
(dh) Das Duo di Mar flutete den eher nüchternen Kreistags-Sitzungssaal
mit wunderschöner Gitarren- und Flötenmusik, und die Blumen standen
bereit: Am 18. März 2011 ist Professor Eckart Besch mit dem Kulturpreis
2010 des Kreises Dithmarschen ausgezeichnet worden.
Seit 1996 ist der national und international renommierte Pianist und
emeritierte Hochschulprofessor Vorsitzender der Brahms-Gesellschaft
Schleswig-Holstein, die ihren Sitz in Heide hat. In dieser Zeit führte
Eckart Besch die Brahms-Gesellschaft aus ihrem Schattendasein heraus
und hat sie "und ihre Konzerte auf dem Weltniveau verankert, das
Johannes Brahms gebührt", würdigte Bernd Rachuth in seiner Laudatio den
1931 in Weimar geborenen Preisträger.
Professor Eckart Besch holte weltberühmte Künstler wie Thomas
Quasthoff, Simone Young oder den Thomaner-Chor nach Dithmarschen. Als
"kulturellen Leuchtturm der Region" bezeichnete Landrat Dr. Jörn
Klimant den Preisträger und lobte dessen Fähigkeit, "sein Wissen einer
breiten Öffentlichkeit zugänglich machen zu können". Besch habe
"berühmte Menschen in die Region geholt und hier Musik-Ereignisse"
geschaffen. Auch die Ausnahme-Geigerin Anne-Sophie Mutter wird in
diesem Sommer zur Verleihung des Brahms-Preises nach Dithmarschen
kommen.
"Was das Ansehen der Brahms-Stadt Heide und der Brahms-Landschaft
Dithmarschen angeht, so hat Professor Eckart Besch ihm in eineinhalb
Jahrzehnten ein unverkennbar scharfes und leuchtendes Profil gegeben",
sagte Laudator Bernd
Rachuth, Chef des Boyens Buchverlages und
Mitstreiter im Vorstand der Brahms-Gesellschaft. Der Vorsitzende Eckart
Besch ist in Personalunion Intendant der jährlich stattfindenden
Brahms-Wochen und der Postel-Soireen, Kurator des Brahms-Preises und
Leiter des Brahms-Hauses in Heide. Rachuths Dank galt aber nicht nur
dem Preisträger selbst. Seine Arbeit könne Eckart Besch nur deshalb so
gut machen, "weil ihm mit Elisabeth Piening eine überaus tüchtige Kraft
in der Geschäftsführung und seit langem auch in der gemeinsamen
Lebensgestaltung zur Seite steht". Dass Besch Dithmarschen so lange
treu geblieben ist, habe sie wohl auch erst möglich gemacht.
Der Träger des mit 3000 Euro dotierten Kulturpreises gestand gestern,
dass es tatsächlich eine Zeit gab, "als ich nicht wusste, wo
Dithmarschen liegt". 1996 bekam er einen Anruf vom damaligen Heider
Bürgermeister Jan-Christian Erps. Dessen Bitte und Idee: Übernehmen Sie
den Vorsitz der Brahms-Gesellschaft.
Besch sagte zu und wusste damals noch nicht, was er heute weiß: Er
hatte "eine Aufgabe für einen ganzen Lebensabschnitt" übernommen. Schon
beim Frühstück, verriet Eckart Besch dem Publikum, sei die
Brahms-Gesellschaft oft ein Thema.
Mittlerweile weiß Eckart Besch nicht nur, wo der Kreis liegt:
"Dithmarschen hat mich in den Griff genommen." Die Tiefe der Landschaft
sei notwendig, um sich Brahms zu nähern. Allerdings hat Besch auch, wie
er gestern sagte, "die Weite seines Horizonts und die Grenzen
kennengelernt" - und jeder Zuhörer konnte sich Gedanken darüber machen,
ob das nur geografisch gemeint war. Auf jeden Fall sei der Preis "eine
große Ehre für mich und die Brahms-Gesellschaft - und Freude bereitet
er mir auch".
Nach so viel Brahms beschloss das Duo di Mar den offiziellen Teil der
Feier nicht mit Musik des in Hamburg geborenen Komponisten, sondern mit
einem Tango von Astor Piazzolla. Und dann bat der Landrat ans leckere
Büfett.

Freude bei der Verleihung des Dithmarscher Kulturpreises (von links): Professor Eckart Besch, Elisabeth Piening, Landrat Dr. Jörn Klimant und Kreispräsident Karsten Peters. Foto: Höfer
Hier können Sie die Laudatio von Bernd Rachuth nachlesen.
Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein e.V., Lüttenheid 34, 25746 Heide, Impressum
© 2000-2010 Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein e.V.